Kinder und Erwachsene haben ihre Logik beim Familienschach in Egeln gemessen. Das Spiel der Könige begeistert heute nach wie vor und wird in der Schule Egeln unterrichtet. Leider zu wenig, meint die Lehrerin.

Egeln l Ein Viertelstunde Zeit hat jeder Spieler. In 15 Minuten muss der Gegner bezwungen sein, um den Punkt zu holen. Läuft die Zeit auch in ausweglosen Situationen für den Gegner ab, bleibt meist nur ein Remis.

Längst nicht alle Teilnehmer am Schachturnier für Familien haben sich daran gewöhnt, nach jedem Zug die Uhr zu drücken. Streitfälle schlichtet Switlana Slobodyan schnell. Die Organisatorin kennt sich wie kaum eine andere im Schachspiel aus. In ihrer ehemaligen Heimat, der Ukraine, unterrichtete sie Schach in der Schule. Mehrmals in der Woche haben die Schüler trainiert, sagt sie. In Deutschland ist das Spiel dagegen nicht so verbreitet an den Schulen, weiß sie.

Dabei schärft das Spiel mit den schwarzen und weißen Figuren den Verstand wie kaum ein anderes, betont sie. Die Schüler lernen beim Spiel Disziplin und auch Konzentration über längere Zeiträume hinweg. "Wenn ein Profispiel mehrere Stunden dauert, steckt da sehr viel Konzentration drin", schildert sie. Jahre brauche es, bis Schüler dies erreichen und sich so lange konzentrieren können.

Beim vierten Familienturnier im Egelner Schulzentrum kommt es auf den Spaß an. Jeweils ein Erwachsener und ein Kind können eine Mannschaft stellen. 13 Mannschaften fanden sich am Wochenende zu der sportlichen Herausforderung ein.

Doch was fasziniert die Menschen am Schachspiel? Vor rund 1500 Jahren wurde das Schachspiel im heutigen Indien entwickelt, schildert Switlana Slobodyan. Reisende brachten das Spiel mit den Bauern, Türmen, Springern und Königen mit nach Europa. Dort wurde es weiterentwickelt zur heutigen Form. Die Faszination im Schachspiel liegt vor allem in den vielen Möglichkeiten der Spielzüge. "Gute Spieler denken immer einige Züge voraus", sagt sie. Vor allem aber durchdenken die Spieler jede mögliche Gegenreaktion auf ihren Schachzug.

Bei den älteren Spielern sind die weißen Figuren begehrt. Denn mit ihnen wird die Partie eröffnet. Stellt sich der weiße Spieler clever an, kann er das Spiel bestimmen, da er immer den ersten Zug hat. Der schwarze Spieler muss dagegen versuchen, dem weißen Spieler die Initiative abzunehmen, schildert sie die Herausforderung.

Vor allem aber muss jeder Spieler die vielen Regeln im Kopf haben. Für fast jede Figur gibt es spezielle Regeln. Dafür entfalten die Spielfiguren je nach Art entsprechende Kräfte auf dem Brett.

Langjährige Spieler erkennen schon nach wenigen Zügen, was der Gegner plant. Junge Spieler müssen erst bei vielen Spielen entsprechende Erfahrungen sammeln.

Während der Spielrunden ist es ruhig im Speiseraum des Schulzentrums. Nur ab und zu klicken die Schalter an den Uhren, wenn einer der Spieler seinen Zug abgeschlossen hat. Die Auswertung der Spielrunden überlässt die Schachlehrerin dem Computer. Das sei heute Standard, erklärt sie.

In der Grundschule und am Gymnasium Egeln unterrichtet sie Schach. Freuen würde sie sich natürlich, wenn sich noch mehr Schüler mit dem Spiel beschäftigen würden. Doch in Zeiten von Handys und Tabletcomputern sei es mitunter schwer, die Schüler mit einem rund 1500 Jahre alten Brettspiel dauerhaft zu begeistern, weiß die Lehrerin. Aber vielleicht würden sich die Familien auf alte Tugenden besinnen und in Zukunft ihren Kindern beibringen, sich wieder mehr den alten Spiele zu widmen. Schaden könne die regelmäßige Übung auf dem Schachbrett der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kaum, schätzt die Lehrerin ei.

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