Es ist fast alles erlaubt am Güstener Kiesschacht. Nur Baden nicht. Warum hat das Bemühen, das Gewässer auf dem Gelände der Hans-Weniger-Sportstätte wieder als Freibad zu aktivieren, bislang nichts gebracht? fragen wir heute in unserer Serie "Was ist geworden aus?"

Güsten l Der ESV Lok spielt hier Fußball. Die Feuerwehr Güsten veranstaltet Osterfeuer, die Kreisjugendfeuerwehr große Zeltlager. Die Stadt feiert ihr Vereinsfest am Ufer, Familien nutzen das Mehrzweckgebäude für private Anlässe. Zu Silvester laufen die Einwohner für die begehrten Karpfen um den See, der auch Hausgewässer des Anglervereins Blauer Hecht ist. Nur Baden ist verboten - auch für Hunde übrigens.

Als ein Kiesschacht-Förderverein um die Jahrtausendwende antrat, den See schnellstmöglich als Badegewässer wiederzubeleben, keimte Hoffnung. Doch der Verein biss sich die Zähne an Stadtrat und Vorschriften aus. Man scheiterte an zu hohen Kosten für die Entschlammung des Sees und an der Finan- zierung von Schwimmmeistern.

Es schien, als hätten sich die Ränzelstecher damit abgefunden, nach Staßfurt ins Strandsolbad zu fahren oder Erfrischung im eigenen Pool zu suchen. Der Wunsch "nach`s Kiesschacht", wie man in Güsten sagt, besteht aber weiterhin. Immer wieder, wenn die Sonne höher steigt und sommerliche Temperaturen ins kühle Nass locken, vermissen die Güstener ihr einstiges Badegewässer.

Zuletzt beantragte die Linke im Stadtrat vor zwei Jahren, das Gewässer doch wenigstens zum Baden "auf eigene Gefahr" freizugeben. Der Bauausschuss folgte dem Antrag, das prüfen zu lassen. Auf der Tagesordnung des Stadtrats landete das Thema nach Auffassung von Fraktionschef Ernst-Hermann Brink aber nie, was die Linken Bürgermeister Helmut Zander (SPD) ankreiden. Der habe die Verweigerung damit begründet, dass die Verwaltung nicht genügend zugearbeitet hätte, um zu sehen, was alles möglich wäre oder was nicht.

"Nach anderthalb Jahren haben wir ein Gesetzblatt von der Verwaltung bekommen. Wir wollten aber nicht nur die Infos, sondern im Stadtrat auch darüber diskutieren", moniert Brink nach wie vor und will jetzt sogar Beschwerde bei der Kommunalaufsicht einlegen, weil Bürgermeister Zander den Kiesschacht auch beim letzten Stadtrat nicht zum Thema machte.

"Es hat nicht jeder die Möglichkeit oder das Geld, zum nächsten Bad zu fahren oder ein Pool zu bauen", bleibt Brink dabei, dass das Thema brennt. Zumal in diesem Jahr auch das 2013 überflutete Freibad in Alsleben aller Voraussicht nach nicht geöffnet wird. Dehalb nicht, weil die Saalestadt versuche, das Land davon zu überzeugen, die Fluthilfe-Mittel für einen Neubau zu verwenden, statt für die Sanierung, erklärt Verbandsgemeinde-Bürgermeister Steffen Globig (parteilos). Die Gebäude des Freibades sollen übrigens wieder an die Stadt Alsleben zurückgehen, der Betrieb weiter in der Hand der Verbandsgemeinde bleiben.

"Es hat nicht jeder die Möglichkeit oder das Geld, zum nächsten Bad zu fahren oder ein Pool zu bauen."

Das ginge vom Prinzip her auch mit dem Kiesschacht, so Globig. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich die Stadt für eine Aufsicht (Verkehrssicherungspflicht) entscheidet, was wiederum finanziert werden müsse. Dabei beruft sich der Verwaltungschef auf ein Urteil aus Bayern, wonach eine Kommune ein Gewässer ohne Aufsicht nicht zum Baden frei geben könne, da sie sich sonst strafbar mache.

Und genau damit kann sich Bürgermeister Helmut Zander wiederum nicht abfinden. Er sei überzeugt davon, dass die Nutzung so eines Gewässers auch auf eigene Gefahr möglich wäre. "Wir wollen genau von der Verwaltung wissen, welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen", so Zander. Das einzige, was man bisher bekommen habe, sei aber das besagte Urteil. "Das ist wie ,Vogel friss oder stirb`", meint der Bürgermeister und versichert, an dem Thema dran zu sein und dran zu bleiben.

Die Staßfurter Volksstimme übrigens auch.

   

Bilder