24 Schüler des Gymnasiums Egeln feiern ihren erfolgreichen Abitur-Abschluss mit einem Marsch durch die Stadt. Vielleicht der Letzte in der Kleinstadt.

Egeln l Mit der Verkündung der Abschlussnoten ist für die Abiturienten in Egeln der Prüfungsstress endgültig vorbei. Wie es gute Sitte in der Kleinstadt ist, bekommen die Absolventen des Gymnasiums einen Kranz aufs Haupt. Anschließend ziehen sie wie schon in den 1920er Jahren durch die Stadt zum Rathaus. Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner empfängt die jungen Frauen und Männer am Springbrunnen. Mit einem Glas Sekt stößt er mit ihnen an und wünscht ihnen für den weiteren Lebensweg alles Gute. Anschließend geht es mit der Feuerwehr-Kapelle an der Spitze wieder zurück zum Gymnasium.

Vielleicht war es die letzte Verkündigung in der Kleinstadt, orakelt Bürgermeister Luckner. Die geplante Schließung des Gymnasiums lastet schwer auf den Schultern der Lokalpolitiker. Zwar soll das Haus als Außenstelle erhalten bleiben. Doch wie lange?

Der Kreistag hatte in seinem Schulentwicklungsplan dem Egelner Gymnasium eine zehnjährige Bestandsgarantie als Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums gegeben. Vor allem die unteren Jahrgänge sollten im Egelner Standort unterrichtet werden. Mit ein paar dürren Sätzen fegte das Landesschulamt den Kreistagsbeschluss beiseite. Seitdem beschäftigt die Kreistagsmitglieder und die Egelner Stadtpolitik die Frage, warum sie sich überhaupt mit Schulpolitik befassen, wenn Verwaltungsbehörden das letzte Wort haben? Der Kreistag rang sich zu einer Klage gegen die Genehmigung der Schulentwicklungsplanung durch. Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr schrieb an den Petitionsausschuss des Landtages als betroffener Familienvater. Mehr als 1000 Bürger unterstützen das Anliegen.

Das Ziel, das Gymnasium zu zerstören, sei trotzdem schon erreicht, resigniert an diesem Nachmittag ein Lehrer, der nicht genannt werden will. Die jahrelange Hängepartei habe die Eltern dermaßen verunsichert, dass sie sich längst eine sichere Schule für ihre Kinder gesucht haben, beschreibt einer. Gut abzulesen sei dies an den Zahlen der neuen fünften Klassen. Weit weniger Schüler würden nun in Staßfurt eingeschult, als zu erwarten war.

In den kommenden Jahren würden die Schülerzahlen sogar wieder ansteigen, sagt ein Lehrer. Das Egelner Gymnasium habe deshalb auch in Zukunft eine Berechtigung. An diesem Abend genießen sie aber die Feierstimmung.

Es ist auch der Tag der berühmten Marabu-Rede. Unter dem Vogel reflektieren die Schüler die vergangenen Jahre und halten den Lehrern zum Abschluss den Spiegel vor. Die berüchtigten Reden sind bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt.