Im Idealfall ist der Himmel blau. Am Sonnabend ist diese Rechnung für sechs Brautpaare in Egeln fast aufgegangen. Als sie sich nacheinander auf der Wasserburg unter freiem Himmel das Ja-Wort gaben, schien nahezu durchweg die Sonne. Die Volksstimme hat eine der außergewöhnlichen Eheschließungen begleitet und sich dazu bei Zuschauern und Eheleuten umgehört.

Egeln l Ein leichter Wind weht an diesem Sonnabendmorgen. Die Vögel zwitschern. Auf dem Burghof blühen Oleander und viele andere schöne Blumen. Beim Eintreten lässt das Hinweisschild am Eingang vermuten, dass die zweite von insgesamt sechs Trauungen an diesem Tag gerade läuft. "Bitte still verhalten." Kein Problem für drei Senioren. Auf einer kleinen Holzbank scheint es, als ob die Frauen die feierliche Stimmung beim Zuschauen aus der Ferne genießen. Und tatsächlich. "Das ist mal ganz was anderes", sagt die eine Dame. Die anderen stimmen nickend zu. Sie freuen sich, die schönen Kleider zu sehen, sagen sie. Die erste Zeremonie ist zu dieser Zeit schon vorbei.

Die drei Standesbeamten der Verbandsgemeinde sind an diesem Tag im Dauereinsatz. Uwe Lachmut ist einer von ihnen. "Wir sind heute seit 8.30 Uhr vor Ort", erklärt er. Stühle rausbringen, Stromanlage aufbauen, Sägebock aufbauen, Gläser für einen Sektempfang danach aufstellen - all das gehört unter anderem zu den Vorbereitungen, die Lachmuth und seinen zwei Kolleginnen Freude bringen.

"Toll, so eine Hochzeit draußen habe ich noch nie miterlebt."

Der Zuspruch beflügelt. Denn das Angebot der Vermählungen an der frischen Luft kommt an. Seit August 2010 haben Paare die Möglichkeit, sich auf der Wasserburg im Freien zu trauen. Wie kam es dazu? Dazu erklärt Uwe Lachmuth: "Die Burg mit ihren alten Mauern ist allein schon ein schönes Ambiente , aber im Sommer stehen dort über 30 Palmen, Oleander und andere Kübelpflanzen, so dass sich dort ein ganz besonderes Flair bietet. Das Trauzimmer bietet nur 25 Sitzplätze. Da manche Paare jedoch mehr Anhang mitbringen wollen, wurde schon überlegt einen größeren Raum einzurichten, was aber in den unteren Etagen nicht möglich war. Da die Ostbastion mit ihrem vorspringenden Halbschalenturm aber etwas von einer Burgkapelle hat, wurde dieses Ambiente auserkoren."

Das wissen auch Jaqueline und Olaf Schneider aus Unseburg zu schätzen. Am Sonnabend schipperten sie "Open-Air" in den Hafen der Ehe ein. "Weil es hier so schön historisch ist. Das Ambiente", kann die Braut auf Anhieb sagen, warum die Wahl auf Egeln fiel.

Und was wäre passiert, hätte das Wetter nicht mitgespielt? "Dann geht es ins Trauzimmer im Torhaus oder bei größeren Gesellschaften in einen Raum, der extra dafür hergerichtet wird. Das muss natürlich wenn sich schlechte Witterung abzeichnet vorbereitet werden", so Uwe Lachmuth.

Am Sonnabend hatten die drei Hochzeitsboten von der Verbandsgemeinde das Eheschließungszimmer für den Ernstfall vorbereitet. Es blieb aber zum Glück der Liebenden leer.

Als gegen Mittag weiße Tauben in den Himmel flattern, ziehen nur ein paar Wölkchen vorüber.

Ein Mann mit Zylinder und Anzug spricht festliche Worte, bevor er Braut und Bräutigam eine Hochzeitstaube in die Hand legt. Züchter Joachim Lotzing kennt die Mutter des Bräutigams, die ihn ansprach, ob er nicht zur Wasserburg kommt, um den Kindern mit den Tauben Glück zu bringen. "Die Hochzeiten hier sind super", weiß der Unseburger, weil er mit seinen Tieren nicht das erste Mal dabei ist.

Anders geht es Dieter Grunert aus Schönebeck. Sein Enkel heiratete am Sonnabend. "Toll, so eine Hochzeit draußen habe ich noch nie miterlebt", freute sich der Großvater auf die außergewöhnliche Festlichkeit. Das war in Egeln nicht immer so. Ursprünglich konnte man nur im Rathaus heiraten. Als dieses dann 1997 renoviert wurde, musste ein Ausweich geschaffen werden und so wurde provisorisch das Museumsfoyer eingerichtet. Dies hatte jedoch so großen Anklang, das auch danach immer wieder Leute auf der Wasserburg heiraten wollten. So wurde aus dem Museumsfoyer ein ständiges Eheschließungszimmer eingerichtet. Im Rathaus finden nur noch zirka fünf Prozent der Eheschließungen statt.

Wer will, kann auf der Burg auch feiern. Im romanischen Tonnengewölbe können Feste mit bis zu 50 Personen ausgerichtet werden. Ein Sektem-pfang mit kleinen Snacks oder auch Kaffeetafeln nach der Eheschließungen sind zudem im historischen Café im Herrenhaus der Burg möglich

Die meisten Paare kommen übrigens aus Oschersleben, Magdeburg, Schönebeck und natürlich aus der Egelner Mulde.

   

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