Vor 60 Jahren machte Wolfgang Simon seinen Meister als Stellmacher. Heute gibt es den Beruf fast nicht mehr. Dennoch hat der heutige Rentner immer noch viel in seiner Werkstatt zu tun. Auch mit 83 Jahren zieht es ihn jeden Tag an die Werkbank.

Hakeborn l Mit einer großen Urkunde erinnerte kürzlich die Handwerkskammer Wolfgang Simon daran, dass er vor sechs Jahrzehnten seinen Meister gemacht hatte. Da war er 24 Jahre alt.

Der 1930 geborene Hakeborner hatte sich während der Schulzeit eigentlich in einen anderen Beruf verguckt. "Ich wollte Förster werden", sagt er rückblickend. Immerhin mit Holz hätte auch dieser Beruf zu tun gehabt. Nach der Schule kam es aber anders. Nicht Förster, sondern Stellmacher lernte er.

Denn der Radbau aus Holz hatte in der Familie schon eine lange Tradition. Sein Vater, sowie dessen Vater und Großvater übten den Beruf bereits aus und hatten ihren Meister gemacht. Also wurde auch Wolfang Simon Stellmacher.

Da sein Vater noch in den letzten Kriegstagen fiel, sollte der Junge den heimischen Betrieb später übernehmen. Nur vier Jahre nach dem Ende der Ausbildung übernahm er den elterlichen Betrieb. Allerdings machte ihm seine Mutter zur Auflage, bis 1952 den Meister gemacht zu haben. Der Aufstand von 1953 kam kurz vor der Abschlussprüfung dazwischen, erinnert er sich. Aber 1954 machte er seinen Handwerksmeister. In der ganzen Region hatte der kleine Betrieb einen klingenden Namen. Für viele Bauern der Region sei er tätig gewesen. Vor allem Holzräder habe der Betrieb produziert.

Noch heute baut Wolfgang Simon an Holzrädern. Aktuell fertigt er gerade in seiner Werkstatt eines an. Welche Arbeitsschritte bis zum fertigen Rad notwendig sind, weiß er genau.

1966 war es mit dem eigenen Betrieb vorerst vorbei. Das kleine Unternehmen wurde Teil einer großen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Bis zur Wende blieb Wolfgang Simon in der LPG.

Nebenbei baute er sich zuvor aber bereits ein zweites Standbein auf. Als Müller übernahm er die Lohnschrotmühle. Auch hierfür legte er eine Meisterprüfung ab und wurde so Müllermeister, zeigt er in einem Raum den Meisterbrief.

Die Liebe zum Holz erfüllt ihn noch heute. Neben dem Radbau hat er sich in zahlreichen Projekten mit dem Holz beschäftigt. Dabei hat er auch ungewöhnliche Arbeiten angenommen, erzählt er. Einmal habe er sogar einen Gewehrschaft umgearbeitet. "Meine Frau hat damals gesagt, ich soll den Auftrag annehmen, sonst denken die Leute, du kannst das nicht", schildert er. Für die Nachwelt hat er schon eine seiner Meisterurkunden im Dorfgemeinschafthaus ausgestellt. Denn irgendwann wird es das Handwerk in den Dörfern nicht mehr geben, schätzt er ein.

Schon heute sei der Stellmacher ein exotischer Handwerksberuf. Aber trotzdem bleibt die Nachfrage nach hölzernen Rädern immer noch hoch. Immer wieder, freut er sich, wenden sich Leute an ihn und bitten um Ersatzteile. Das freue ihn sehr, sagt er. Persönlich hält sich der Rentner vor allem täglich bei einer Runde Radfahren fit. Daneben macht er noch Musik in der Blaskapelle und ist in der Alters- und Ehrenabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Hakeborn Mitglied. Rückblickend betrachtet habe er bislang ein erfülltes Leben, sagt er über sich. "Ich würde alles nochmal so machen", hat er sich in die Stellmacherei verliebt.