In Schneidlingen wird es ab November wieder einen Paketshop geben. Nachdem ein solcher Service im Dorf seit Jahren nicht mehr verfügbar war, holt ein wohl einzigartiges Projekt die Servicestelle zurück. Menschen mit und ohne Handicap arbeiten dabei zusammen.

Hecklingen l In knapp einem Monat ist das Büro der ehemaligen Sparkasse neben der Gemeinde in der Schneidlinger Poststraße wochentags geöffnet. Am 3. November wird dort ein Paketshop eröffnet. Dabei handelt es sich um keine übliche Servicestelle. Dahinter steckt ein Projekt, das nicht alltäglich ist.

Initiator ist die in Schneidlingen ansässige Klusstiftung, die sich seit 1962 als Einrichtung der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen versteht, also unter anderem stationäre und ambulante Wohnformen für Kinder und Erwachsene anbietet.

In solch einer Wohngruppe leben auch Jaqueline Willert in Groß Börnecke und Dennis Haulitschke in Schneidlingen. Die beiden sind ab November die Hauptansprechpartner für alle Schneidlinger, die ihre Sendungen auf den Weg bringen möchten. Im Moment wird das Duo von Fachkräften fit gemacht. Eine Schulung zum Umgang mit der neuen Technik startete am Donnerstag.

"Für mich ist die Arbeit hier mein absoluter Traumjob. Als ich erfuhr, dass es klappt, bin ich fast vor Freude in die Luft gesprungen", freute sich der 24-jährige Dennis Haulitschke. Er ist ebenso wie seine neue Kollegin über das Matthias-Claudius-Haus in Oschersleben angestellt.

Wissbegierig und voller Tatendrang ließ der junge Mann sich am Donnerstag seine neue Arbeit erklären. Auch Jaqueline Willert war das Glück über die neue berufliche Chance anzusehen. Die 35-Jährige war vorher im hauswirtschaftlichen Bereich tätig, wollte aber schon immer im Büro arbeiten.

Auf Empfehlung des Fachpersonals der Klusstiftung wurden die zwei neuen Paketshopmitarbeiter als Teilnehmer für das Projekt vorgeschlagen. "Sie bringen die Voraussetzungen mit. Sie sind kontaktfreudig, teamfähig, ordentlich." Hinzu komme, dass sie die nötigen logischen Voraussetzungen an die Begabung mitbringen, erklärte die pädagogische Leiterin der Klusstiftung Jana Hedermann. Sie sprach dabei von Grundkenntnissen im Lesen, Rechnen und Schreiben. "Diese Fähigkeiten kommen in den Arbeitsbereichen wie etwa bei der Annahme von Paketen, Päckchen oder dem Verkauf von Briefmarken voll zum tragen und können weiter entwickelt werden."

Und das Projekt arbeitet nicht gewinnorientiert. Dazu sagte Klusstiftungs- Projektleiter Stephan Fink: "Alle beteiligten Seiten sollen einen wichtigen Nutzen ziehen. Wichtig ist uns als Klusstiftung auch, einen Beitrag zu leisten, dass der Ort, also Schneidlingen, wiederbelebt wird."

Hecklingens Bürgermeister Hans-Rüdiger Kosche weiß das zu schätzen. Gern stellte die Stadt die Räumlichkeiten neben dem Gemeindebüro in der Poststraße zu Verfügung. "Ich denke, dass der neue Service vor allem auch für viele ältere Bürger eine Erleichterung ist", so der Rathauschef.