Staßfurt l "Mit 12 DM haben wir angefangen, heute sind wir bei fast 40 Euro Standgebühr für unseren Wagen." Ingo Sambill ist seit 25 Jahren Stammhändler auf dem Staßfurter Wochenmarkt. Es werde immer schlimmer. "Erst mussten wir in die letzte Ecke vom Benneck`schen Hof umziehen, jetzt werden wieder die Gebühren angezogen."

Der Schönebecker Geflügel- und Frischwarenhändler ist nicht der einzige hier, dem es stinkt.

"Jedes Mal, wenn was Neues kommt, geht`s nur um Verteuerung - ich habe langsam die Schn... voll", wettert auch Erhard Sperling. "Auch wenn es pro Standtag nur drei Euro sind, das macht im Jahr auch 300 Euro aus." Genauer gesagt, wären die Standgebühren nur für einen halben Tag fällig, denn Mittag sei meist Schluss, bemerkt der Fleisch- und Wurstwarenhändler aus Neugattersleben.

"Dass wir nun auch noch für die Klappen und die Deichseln der Verkaufswagen zahlen sollen, das gibt`s auf keinem anderen Markt. Und wir bedienen viele", schimpft ebenso Ute Knabe.

In Zerbst bezahle die Fischhändlerin keinen einzigen Cent Standgebühr.

"Es war ein Fehler, dass die Stadt den Marktbetrieb abgegeben hat", wettert Wolfram Krause. "Die Gilde kassiert nur ab und macht aber nichts, was die Attraktivität erhöht", so der Verkäufer für die Gärtnerei Schrimpf aus Hecklingen. "Die Einnahmen könnten doch auch ins Stadtsäckel fließen. Die Verwaltung sollte sich dahinterklemmen." Ein Händler, der seinen Namen nicht nennen will, weil er befürchtet, runterzufliegen, meint, der Markt in Staßfurt habe keine Struktur. Die Deutsche Marktgilde als Betreiber habe gesagt, man wolle am liebsten große Anbieter. "Aber wo bleibt denn dann die Vielfalt?", fragt sich der Mann. Seiner Meinung nach sollte die Stadt den Betrieb wieder übernehmen, wie es in Hettstedt der Fall sei.

Ingo Sambill findet auch, dass sich die Stadt einbringen müsste. "Wir beleben doch die Städte. Guck doch mal - wenn Markttag ist, ist das Zentrum gut besucht", zeigt er in Richtung Steinstraße. Und dann kommt auch er noch auf die Marktzeiten: "Wir waren ursprünglich bei 17 Uhr. Jetzt werden die Klappen zur Mittagszeit dicht gemacht. Da ist ganz schön was eingerissen seitens der Marktleitung."

Gemüsehändlerin Andrea Kuhne-Hätsch aus Güsten würde es jedenfalls begrüßen, wenn sie ihr Angebot auch Berufstätigen unterbreiten könnte.

Die Deutsche Marktgilde eG mit Niederlassungssitz in Dresden begründet die Gebührenerhöhung derweil mit einer besseren Standgerechtigkeit. Demnach rechne man nicht mehr nach laufenden Metern Verkaufsfront ab, sondern nach Quadratmetern, die ein Händler belegt - konkret 96 Cent pro Quadratmeter. Und dazu gehören mit Einführung der geänderten Marktordnung auch die Flächen unter Klappen und Deichseln, da diese ja nicht an andere Händler vergeben werden können.

Wer den Staßfurter Markt kennt, weiß allerdings, dass dort keine Platznot herrscht.

Im übrigen würden Händler immer schimpfen, war noch am Telefon zu hören.

Der Unmut unter den Händlern ist derweil so groß, dass sogar an einen eigenen Markt gedacht wird. Für Frank Knabe wäre das kein Problem, beispielsweise auf den Neumarkt zu ziehen. "Da gibt`s genügend Parkplätze, und gesehen wird der Markt dort auch viel besser", meint der Fischhändler, der sich auch aus diesem Grunde mehr Umsatz auf dem Neumarkt versprechen würde.

Oberbürgermeister René Zok reagiert, auf die Probleme angesprochen, wie folgt: "Wenn es Gesprächsbedarf mit der Marktgilde gibt, setze ich das in unserer Verwaltung auf die Tagesordnung." Dass der Markt einst von der Stadt abgegeben und der Benneck`sche Hof als Standort gesucht wurde, dafür habe es aber sicher Gründe gegeben.

   

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