Die Anhebung der Pachten für Gartenland könnte die Kleingartenvereine in Egeln deutlich treffen. Ein Vereinsvorstand warnte den Stadtrat vor einer Erhöhung. Denn immer weniger Menschen haben einen Kleingarten.

Egeln l Die geplante Erhöhung der Pacht für Kleingärten in Egeln hatte zur jüngsten Stadtratssitzung das Interesse einiger Gartenbesitzer geweckt. Mit Interesse verfolgten sie die Sitzung des Stadtrates.

Wegen der desolaten Haushaltslage und dem ständig steigenden Defizit hatte Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE) die Liegenschaftsverwaltung in der Verbandsgemeinde gebeten, die Pachten für kommunale Grundstücke anzupassen. Neben Garagen sollte die Anpassung vor allem die Kleingärten treffen.

Momentan zahlen die Kleingärtner 2,5 Cent pro Quadratmeter und Jahr Pacht an die Kommune. In der dem Stadtrat vorliegenden Beschlussvorlage sollte die Jahrespacht nun auf sechs Cent pro Quadratmeter und Jahr steigen. Was sich zunächst nicht viel anhört, entpuppt sich aber bei genauerer Betrachtung als große Verteuerung. Stadtrat Joachim Klietz (CDU) verglich die vorgeschlagene Pachthöhe mit der Pacht für Ackerland. Völlig unklar sei ihm nach der Lektüre der Vorlage, wie die Verwaltung auf den neuen Preis gekommen sei. Außerdem helfe die Pachterhöhung der Kleinstadt nicht einmal ansatzweise, das jährliche Defizit abzubauen. Dafür treffe die Pachterhöhung vor allem die älteren Einwohner, die sich noch einen Garten leisten, lehnte er die Pachterhöhung ab (Volksstimme berichtete).

Der Hinweis von Reinhard Luckner, dass andere Kommunen noch viel mehr verlangen würden, konnte die Stadträte nicht mehr umstimmen.

Erst weit nach dem Tagungsordnungspunkt, in der Bürgerfragestunde, meldete sich ein Gartenfreund zu Wort, der im Vorstand einer der Gartenvereine mitarbeitet. Bereits jetzt, sagte er, hätten die Kleingartenvereine mit großem Leerstand zu kämpfen. Die Zahl der Mitglieder sinke ständig. Von den vier Hektar Land, die sein Verein gepachtet habe, stünde aktuell gut ein Drittel leer. Auch für die nicht bewirtschafteten Flächen müsse der Verein die Pacht an die Stadt bezahlen. Das bedeute zusätzliche Lasten für die Kleingärtner. Wenn die Stadt jetzt 2,5 Cent für den Quadratmeter verlange, müsse der Verein den doppelten Betrag verlangen von seinen Mitgliedern, um die Kosten Schultern zu können.

16 Vereinsmitglieder haben zwei Pachtgärten gemietet. Erhöhe die Kommune die Pacht, sei zu befürchten, dass die Kleingärtner künftig nur noch einen Garten bewirtschaften. Die Mitgliederentwicklung im Kleingartenverein sei weiterhin rückläufig, fügte er hinzu. Fünf Kündigungen der Mitgliedschaft stand im vergangenen Jahr eine Neuaufnahme gegenüber. Rentner überlegten sich bei einer Pachterhöhung sehr genau, ob sie sich den Kleingarten noch leisten könnten, gab er zu bedenken.

In die gleiche Richtung zielten ebenso die Nachfragen von Joachim Klietz während der Stadtratssitzung. Der Stadt und den Bürgern wäre kaum geholfen, wenn die Stadt die Pacht so anheben würde, dass die Bürger sich die Gärten nicht mehr leisten könnten, meint er. Die Kleingartenvereine ziehen sich wie ein grüner Gürtel um die Kleinstadt. Die Stadt habe auch die Aufgabe, die Möglichkeit der Naherholung zu erhalten.

Bevor sich der Stadtrat erneut mit dem Thema beschäftigen will, soll mit den Vereinen gesprochen werden. Mehr Informationen forderte Friedrich Bollmann (CDU). Es sei schon hilfreich zu wissen, wie viele Flächen in den Gartenvereinen brachliegen, sagte er. Schließlich belasten die Flächen die Vereinskasse und damit auch die Mitglieder. In den ersten beiden Monaten im kommenden Jahr soll der Bürgermeister mit den Vereinen Kontakt aufnehmen, fordert er.