Der Schreck bei den Mitarbeitern im Egelner Bürgerservice nach dem Raubüberfall am Wochenanfang sitzt noch tief. Die Gemeinde will mit mehr Kameratechnik reagieren und alle Besucher des Hauses optisch erfassen.

Egeln l Noch immer sind die beiden Mitarbeiter des Bürgerservice Egeln krankgeschrieben. Unter Schock standen sie, als der bislang Unbekannte mit vorgehaltener Pistole die Herausgabe der Geldkassetten verlangte. Von dem unmaskierten Täter gibt es nur eine vage Beschreibung. Eine Bommelmütze hatte der Täter auf.

Ein Bild von ihm gibt es nicht. Denn eine Videoüberwachung gibt es im Bürgerservice der Verbandsgemeinde oder in anderen Bereichen des Egelner Rathauses nicht. So muss die Polizei mit einer Personenbeschreibung die Verfolgung des Täters aufnehmen.

Dass sich der Unbekannte ausgerechnet den Bürgerservice ausgesucht hatte, kann Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr noch immer kaum fassen. "Eigentlich ist dort kein Geld zu holen", sagt er. Die recht teuren Ausweise und Reisepässe zahle die Mehrheit der Bürger inwischen per EC-Karte. Diesmal hatten die Mitarbeiter im Bürgerbüro einen hohen dreistelligen Betrag in der Kasse, weil sie seit einigen Tagen die Karten für das Neujahrskonzert verkaufen. Mit dem Bargeld nahm der Täter auch die Restkar- ten für das Neujahrskonzert mit.

In dieser Woche hatte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie neue Karten für das Konzert gedruckt. "Ich bin der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie sehr dankbar, dass das so unkompliziert und schnell geklappt hat", sagt Michael Stöhr.

Noch gebe es ausreichend Karten für die beliebte Veranstaltung. "Das ist ein ideales Weihnachtsgeschenk", schätzt er ein.

Im Bürgerservice soll nach dem Überfall wieder Normalität einkehren. Um die Mitarbeiter etwas zu schützen, ist das Bürgerbüro nun nicht mehr sofort erreichbar. Die Glastür ist von innen verschlossen. Die Bürger müssen jetzt anklopfen und der Mitarbeiter öffnet die Tür dann elektronisch, beschreibt der Verbandsgemeindebürgermeister. Noch müssten sich nach der zweitägigen Erfahrung der Mitarbeiter die Bürger erst noch daran gewöhnen, sagt Uwe Lachmuth. Einige Bürger habe er beobachtet, die nur die Tür angefasst hätten und gleich wieder gegangen waren, als sie verschlossen war.

In den kommenden Tagen soll der Bürgerservice zudem eine Videoüberwachung bekommen. "Ein Fachmann war bereits hier", bestätigt Michael Stöhr. Eine Rundumüberwachung des Bürgerservices werde es geben, kündigt er an. Ebenso sollen alle Ein- und Ausgänge im Rathaus in Zukunft überwacht werden. Die Bilder sollen aufgezeichnet werden. Damit hätte das Rathaus bei einem weiteren Zwischenfall für die Polizei auch Bilder vom Täter, ist der Verbandsgemeindebürgermeister zuversichtlich.

Etwas mulmig ist den beiden Mitarbeitern im Bürgerservice in dieser Woche schon, sagt Standesbeamtin Hannelore Feld. Sie war an dem Tag des Überfalls nicht im Bürgerservice tätig. "Ich sitze aber oft hier. Das hätte mir auch passieren können", malt sie sich im Kopf aus.

Immer wieder erkundigen sich der Bürgermeister und die Rathausmitarbeiter, wie es den beiden traumatisierten Mitarbeitern gehe. Mit den Bildern im Kopf werden die beiden noch eine Weile zu tun haben, schätzt Michael Stöhr ein.

Dass das Rathaus einmal Schauplatz für ein Verbrechen wird, daran habe er im Traum nicht gedacht, schildert er. Doch nach dem Überfall wolle er alles tun, um die Mitarbeiter in dem Bereich besser zu schützen. In Zukunft werde es sich ein Täter wohl zweimal überlegen, ob er das Risiko eingeht und sich im Rathaus filmen lässt, hofft der Verbandsgemeindebürgermeister auf die abschreckende Wirkung auf mögliche Nachahmer des Raubüberfalls.