Sie werden von Bürgern auf der Straße angesprochen, halten Vorträge in Seniorenclubs, sichern Umzüge ab, sind auf Volksfesten präsent. Sie kontrollieren das Verhalten von Pkw-Fahrern vor Schulen und gehen auf Marktstreife. Die Regionalbereichsbeamten (RBB) - seit vier Monaten in Staßfurt eingesetzt - sind sehr gefragt.

Staßfurt l Es vergeht kaum ein Tag, an dem Polizeihauptmeister Martin Söhner und Polizeioberkommissar Gerald Lutze nicht unterwegs sind. Seit dem 1. September vergangenen Jahres sind sie die Regionalbereichsbeamten für Staßfurt und seine Ortsteile, zuständig für rund 30 000 Einwohner. Als Ansprechpartner in polizeilichen Fragen, oft aber auch als Vermittler zwischen Bürger, Ordnungsamt und anderen Behörden. Denn nicht alles, was den Bürger bedrückt, ist relevant für die Polizeiarbeit. "Zum Beispiel bei Ruhestörendem Lärm durch Rollerblades, zu hohen Hecken oder Containern, die im öffentlichen Verkehrsraum die Sicht versperren", nennt Gerald Lutze Beispiele, bei denen die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt der Stadt unerlässlich ist. Und die klappe hervorragend, meint der 57-Jährige. Wichtig: Man erhalte auch Rückmeldungen von den jeweiligen Ämtern.

Jetzt wurde eine zusätzliche Sprechzeit im Haus I der Stadt in der Steinstraße vereinbart. Die beiden Polizeibeamten sind ab sofort donnerstags, von 14 bis 16 Uhr, im ehemaligen Standesamt (neben Benatti) erreichbar, mit dem Ordnungsamt gleich "um die Ecke". "Ein ,Feldversuch`", erklärt Lutze. Der Bürger spreche sie sonst auf der Straße an. Ob er auch zu festen Sprechzeiten zu ihnen kommt, müsse man sehen.

Ihr eigentliches Büro haben die beiden in der Polizeidienststelle Salinestraße. Das Telefon sei ständig erreichbar (siehe obenstehender Info-Kasten). Wenn sie unterwegs sind, springe die Rufumleitung aufs Handy.

"Die Kindertagesstätten waren zum Beispiel sehr froh, dass wir auch wieder Umzüge absichern"

Auf die ersten vier Monate in dieser Funktion zurückblickend, habe man immer wieder eine sehr gute Resonanz bei den Bürgern erfahren können, zieht Martin Söhner (56) eine erste Zwischenbilanz. Und gerade auch bei Seniorenclubs und anderen Einrichtungen sei man mit offenen Armen em-pfangen worden. "Die Kindertagesstätten waren zum Beispiel sehr froh, dass wir auch wieder Umzüge absichern", so der Polizeihauptmeister. Natürlich könne man sich nicht zerteilen.

Besonders froh über ihren Besuch sind derweil auch die Schulen. "Wir versuchen, mindestens einmal pro Woche den Blick auf die Einhaltung des Halteverbots zu werfen", nennt Gerald Lutze mit der Uhland-Grundschule und der Grundschule Förderstedt zwei "Sorgenkinder".

Aber mittlerweile setze ein Umdenken bei den unvernünftigen Kraftfahrern ein, die bisher für Smog und Staus vor den Schultoren sorgten. Wer aber partout nicht lernen will, müsse jetzt mit Verwarngeldern rechnen.

Das treffe übrigens auch auf Schüler zu, die beispielsweise an der Wasserturmkreuzung permanent das Ampelrot ignorieren. Selbst Gymnasiasten betreffe das.

Positiv sei angekommen, als sie vorbildlichen Kraftfahrern zum Schulanfang mit kleinen Schultüten für deren rücksichtsvolles Verhalten vor Schulen gedankt hatten.

Und natürlich stehen die beiden RBB auch immer wieder Einrichtungen wie der Staßfurter Urania oder der Volkssolidarität mit Vorträgen zur Verfügung.

"Wir haben für alle Fälle aber auch eine Schippe im Fahrzeug"

Hinzu kommen Besuche bei der Feuerwehr, Fahrradprüfungen in den Grundschulen, ja auch Busstreifen. "Dort haben wir auch besonders positives Echo von Erwachsenen erfahren, wenn wir auf das Verhalten der Schüler im Bus ein Auge haben", so Martin Söhner. Man nehme aber auch solche Tatsachen wie überfüllte Busse mit. Selbst auf Marktstreife zur Unterstützung des Marktleiters in Staßfurt sieht man die RBB. Und auch das gibt`s: Kürzlich wurde ein Landwirt im Bereich Förderstedt ermittelt, der die Straße derart mit Ackerboden verschmutzt hinterlassen hatte, so dass er eine Kehrmaschine beauftragen musste. "Wir haben für alle Fälle aber auch eine Schippe im Fahrzeug", bemerkt Gerald Lutze.

Die Resonanz sei jedenfalls durchweg positiv, ziehen sie eine erste Zwischenbilanz. Ob der momentane Aufgabenbereich so bleibt, wie bisher, könne man nicht versprechen, da könne sich durchaus noch was ändern. Man würde wie alle 28 RBB im Salzlandkreis noch Erfahrungen sammeln und dann weiter sehen. Martin Söhner und Gerald Lutze hätten jedenfalls nichts dagegen, wenn sie bis zur Pensionierung diesen vielseitigen und dankbaren Job versehen könnten.

Demnächst wird man die beiden übrigens nicht nur zu Fuß oder im Bulli unterwegs antreffen. Zu ihrem kleinen Fuhrpark gehören mittlerweile auch zwei Fahrräder.