Zum neuen Schuljahr kommt in Egeln die Gemeinschaftsschule. Erstmals können damit Schüler, die das Abitur als Schulabschluss anstreben, eine Sekundarschule besuchen. Kritik gibt es aber an der Mindestzahl der Schüler.

Egeln l Jahrelang hatten die Egelner darum gekämpft, dass die Mädchen und Jungen aus der Egelner Mulde in der Verbandsgemeinde auch in Zukunft das Abitur machen können. Um jeden Schüler mussten die Politiker dabei kämpfen, weil für das selbständige Gymnasium immer mindestens 50 Schüler für die Eröffnung der fünften Klassen benötigt wurden. Früher noch, wird gern erzählt, seien die Verwaltungschefs persönlich bei den Familien vorstellig geworden, um die Schülerzahl zu organisieren. In den vergangenen Jahren klappte das Model dann nicht mehr.

Offenbar auch wegen der anhaltenden Diskussion über die Zukunft des Gymnasiums in Egeln verloren einige Eltern das Vertrauen in die Einrichtung und meldeten ihre Kinder gleich an anderen Schulen an. Mit jeder Ummeldung verlor das Egelner Gymnasium ein Stück seiner Zukunft. Seit einem halben Jahr ist es jetzt nur noch Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums. Da keine neuen Schulklassen nachfolgen, ist das Ende der Außenstelle in Egeln nur noch eine Frage der Zeit. Denn auch eine Außenstelle benötigt eine gewisse Schüleranzahl, damit das Haus vernünftig betrieben werden kann.

Dabei sollten wenigstens die kleinen Schüler des Gymnasiums in Egeln bleiben, hatte sich die Lokalpolitik gewünscht. Erst die oberen Klassen, so der Vorschlag, sollten mit dem Schulbus gefahren werden. Kurze Wege für kurze Beine, gab Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr (parteilos) seinerzeit aus.

Seit dem vergangenen Jahr fahren gerade die kleinen Schüler nun mit dem Schulbus. Die Eltern schauen sich vor der Schulwahl genau um, weiß er. Denn für den Randbereich des Landkreises kommt neben Staßfurt als Schulort auch Wanzleben im Nachbarkreis in Frage. Oftmals seien die Schüler dort schneller mit dem Bus oder Auto, als in Staßfurt. Nur mit großer Anstrengung könne der Landkreis die vorgegebenen Beförderungszeiten beim Schülerverkehr einhalten, weiß er.

Damit sich künftig wieder Gymnasiasten in der Bodestadt auf das Abitur vorbereiten können, hatte die Sekundarschule im zurückliegenden Jahr einen Antrag auf Umwandlung in einer Gemeinschaftsschule gestellt. Mit dem Projekt beschäftigten sich die Lehrer bereits seit Jahren. Zuerst solten Gymnasium und Sekundarschule zu einer Gemeinschaftsschule verschmelzen. Das Vorhaben scheiterte. Dann versuchte es die Sekundarschule allein.

Der Antrag wurde genehmigt, teilte Schulleiterin Christine Jeske vor wenigen Tagen mit. Ab dem kommenden Schuljahr ist die Egelner Einrichtung eine Gemeinschaftsschule. Von der fünften bis zur achten Klasse können die Schüler sich hier ebenso auf das Abitur vorbereiten, wie auf einem Gymnasium. Später müssen sie dann auf ein Gymnasium wechseln.

Allerdings hat die Genehmigung der Gemeinschaftsschule auch eine Kehrseite. Die Schule dürfe Klassen mit gymnasialer Ausbildung nur eröffnen, wenn es mindestens 50 Anmeldungen dafür gebe, heißt es in dem Bescheid der Schulbehörde. Damit muss die Gemeinschaftsschule die gleiche Schülerzahl vorweisen, wie ein eigenständiger gymnasialer Standort in der Kleinstadt.

Auf Unverständnis stößt dies in der Politik. Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr kritisierte die Vorgabe mit den 50 Schülern scharf. "Das versteht hier kein Mensch", sagte er. Unter den genannten Bedingungen hätte ein eigenständiges Gymnasium ebenso eine Zukunft gehabt.

Die Gemeinschaftsschule mache für ihn nur Sinn, wenn die Schülerzahl geringer als bei einem selbständigen Gymnasium sei, erläuterte er. Die Frage sei doch, warum nicht eine Klasse ausreichend sei? Was für ein Fortschritt soll eine Gemeinschaftsschule denn sein, wenn sich an der Mindestschülerzahl zu einem selbständigen Gymnasium nichts ändere, fragt er. Vor dem Hintergrund der Demografie sei die starre Vorgabe außerdem sehr fraglich, erklärt er.

Offen sei nun, ob die Gemeinschaftsschule das Vertrauen der Eltern gewinnen könne. Mit den Füßen werden die Eltern abstimmen, welcher Schulform sie das Vertrauen schenken, vermutet der Verbandsgemeindebürgermeister. Er rechne nicht damit, dass in der Gemeinschaftsschule 50 Schüler für die Bildung von Klassen mit gymnasialer Stufe angemeldet werden. Damit müssten die Schüler des Gymnasiums weiter stundenlang mit dem Bus fahren. Sinn mache für ihn die Gemeinschaftsschule aber nur, sagte er, wenn die Schülerzahlen flexibler werden, was die gymnasiale Stufe angehe.