Die kommunalen Spielräume werden seit Jahren kontinuierlich kleiner. Mittellos steht unter anderem Egeln da. Die Kleinstadt kann nur noch ein Teil der eigentlichen Aufgaben wahrnehmen. Wie empfindet Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE) die Situation. Thomas Höfs sprach für die Volksstimme mit ihm.

Volksstimme: Herr Luckner, wie haben Sie sich von 2014 verabschiedet?

Reinhard Luckner: Das Jahr 2014 habe ich in aller Ruhe, ohne große Feier, verabschiedet.

Kommunalpolitisch war 2014 ein sehr turbulentes Jahr. Was hat sie im vergangenen Jahr am meisten geärgert?

Am meisten geärgert habe ich mich über die Schließung des Egelner Gymnasiums, die befristete Einrichtung einer Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums und über die unzureichenden Öffnungszeiten des Bürgerbüros des Landkreises.

Warum?

Es geht ein Stück Lebensqualität für den Egelner Bürger und den Bewohner der Egelner Mulde verloren.

Finanziell bewegt sich Egeln auf sehr dünnem Eis. Sehen Sie ein Ende der Durststrecke?

Ich glaube, das Ende der Durststrecke ist noch nicht erreicht. Aber ich bin guter Hoffnung, dass es wieder bergauf geht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Land und der Kreis eine Stadt wie Egeln, vor den Toren der Landeshauptstadt, im Stich lässt.

Eigentlich hätten Sie und der Stadtrat die Grund- und Gewerbesteuern erhöhen müssen, um weitere Liquiditätshilfen zu bekommen. Wie lange werden sie Ihre Verweigerungshaltung durchhalten?

Eine Erhöhung der Steuern ist ein Mittel, die finanzielle Lage einer Kommune aufzubessern, aber auch mit erheblichen Risiken verbunden. Ziel muss es sein, den Bürger nicht bis zum Äußersten zu belasten. Das Land darf sich nicht auf Kosten der Städte und Kommunen entschulden, sondern muss auch etwas für die Entschuldung der Kommunen tun. Das heißt: Mehreinnahmen des Landes sollten auch an die Kommunen gereicht werden. Der Stadtrat und auch ich haben sich gegen eine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuer ausgesprochen und werden dies auch solange verfolgen, bis der Druck von oben zu groß wird.

Was müsste geschehen, damit Egeln finanziell sich keine Sorgen mehr machen muss?

Schön wäre es, wenn sich neue Gewerbebetriebe in Egeln ansiedeln würden. Denn dann würden sich für die Stadt Egeln Einnahmen ergeben und für die Bürger neue Arbeitsplätze. Des Weiteren wäre es schön, wenn die Umlagen, zum Beispiel die Verbandsgemeindeumlage oder Kreisumlage niedriger werden. Dann würde mehr Geld für die Stadt Egeln überbleiben. Das Land sollte mehr finanzielle Hilfen, wie Fördergelder, Liquiditätshilfen und Zuschüsse für die Aufgaben der Stadt ausreichen.

Im vergangenen Jahr war die Magdeburger Straße monatelang gesperrt. Was erwartet die Egelner an größeren Baustellen 2015?

Die Magdeburger Straße war vom 21. Juli bis zum 12. Dezember, also etwas viereinhalb Monate wegen Bauarbeiten gesperrt. Im Jahr 2015 sollen die Eisenbahnbrücke am Ende der Halberstädter Straße und der Schäfergrabenbrücke saniert beziehungsweise erneuert werden. Im Zuge der Erneuerung der Schäfergrabenbrücke sollte dann der letzte Bauabschnitt Breiteweg erfolgen. Außerdem sind größere Straßenreparaturarbeiten in Egeln-Nord in der Wolmirslebener Straße und im Breiteweg, Höhe Trafohäuschen, geplant.

Haben Sie sich etwas per- sönlich für 2015 vorgenommen?

Persönliche Ziele mit dem Bürgermeisteramt habe ich nie verfolgt, sondern mein Bestreben ist es, mit dem Egelner Bürger und dem Stadtrat der Stadt Egeln die Stadt lebenswert zu erhalten beziehungsweise zu machen. Das heißt: Ich werde alle möglichen Wege gehen, um dieses zu verwirklichen.