Staßfurt l Am Montagmorgen brannten die Kellerräume in der Straße Am Tierpark 54. Der Keller mit mehreren Abteilen ist nicht mehr nutzbar. Die Polizei spricht von einem Schaden von 10000 Euro. Der Wohnblock wird von der städtischen Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt verwaltet. Gebrannt hatte Sperrmüll, der in den Kellerräumen lagerte.

Die Polizei vermutet kein ausländerfeindliches Motiv, kann dies aber derzeit auch nicht ausschließen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Steffen Aermes, Ortswehrleiter und Einsatzleiter auf Seiten der Staßfurter Ortswehr, und Oberbürgermeister René Zok wollen über eine eventuelle Brandstiftung keine Mutmaßungen anstellen.

Die Ortswehren Neundorf und Staßfurt wurden um 10.14 Uhr alarmiert. "Bis zirka 13.30 Uhr dauerten die Arbeiten", informiert der Staßfurter Ortswehrleiter Steffen Aermes. Die insgesamt 29 Kameraden fanden zum Zeitpunkt des Brandes in dem Hauseingang mit drei Etagen noch 15 Personen vor. Die drei Asylbewerberfamilien mussten sofort evakuiert werden, der Rauch zog bis hoch in die oberste Etage.

"Eine Person wurde wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus Aschersleben gebracht", erklärt Steffen Aermes. Es handelt sich dabei um eine Frau aus dem Kosovo. Bis gestern konnten die übrigen Familienmitglieder nicht sagen, wie es ihrer Mutter im Krankenhaus geht.

Mit den Staßfurter Wehren waren Rettungsdienst und Polizei vor Ort. Der Keller wurde von der Polizei abgesperrt. Die Brandermittler sollen heute wieder vor Ort sein, um ihre Untersuchungen fortzusetzen.

"Dieser Einsatz war nicht alltäglich", kommentiert Ortswehrleiter Steffen Aermes das Geschehen. Dass so viele Personen auf einmal gerettet werden müssen, kommt in der Stadt nicht oft vor. Verletzt wurde keiner der Kameraden, jedoch wurden Kameraden von einem Anwohner des Nachbareingangs mit einer Axt bedroht, als diese ihn vorsorglich evakuieren wollten. Es soll Anzeige erstattet werden.

Im betroffenen Hauseingang wohnten eine Familie aus Indien, eine aus Serbien und eine aus dem Kosovo. Anisa Mataj (18), die mit ihren Eltern und Geschwistern aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen ist und ein wenig Deutsch spricht, erklärt der Volksstimme am Montagnachmittag: "Ich war in der Schule auf dem Hof und habe gesehen, dass es brennt. Ich habe einen Freund nach einem Handy gefragt und zuhause angerufen. Meine Familie sagte mir, es brennt im Keller." Die 18-Jährige rannte sofort nach Hause, ihre Schule, die Sekundarschule am Tierpark, ist nur wenige hundert Meter entfernt.

Als sie dies am Montag erzählt, hat sie das Erlebte offenbar noch nicht verarbeitet. Ihre Hände zittern, sie ist sichtlich nervös. "Ich wusste gar nicht was ich machen soll, ich habe einen Schock." Mit ihrer Mutter, die derzeit im Krankenhaus ist, kann sie sich per Handy verständigen, sagt sie.

Während die Löscharbeiten im vollen Gange waren, kamen Mitarbeiter des Staßfurter Ordnungsamtes, Oberbürgermeister René Zok und Mitarbeiter des Salzlandkreises, unter anderem Seluan Al-Chakmakchi, der die Asylbewerber vor Ort betreut, zum Brandort. Gemeinsam beschlossen Stadt- und Kreisverwaltung, die Familien erst einmal zur Staßfurter Tafel zu fahren. Dort hielten sie sich über Mittag auf und bekamen eine warme Mahlzeit.

"Wir werden einige Personen vorübergehend im Obdachlosenheim unterbringen", erklärt die Chefin des Ordnungsamts Staßfurt, Susanne Henschke. Für eine Familie hat die Kreisverwaltung bereits eine freie Wohnung in der Straße der Völkerfreundschaft in Stafurt-Nord organisiert. Am frühen Nachmittag wurden alle Betroffenen mit Fahrzeugen der Stadt zu einem Zwischenstopp in der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes, wo Wechselkleidung besorgt wurde, und dann in die neuen Unterkünfte gefahren.

Zum Brandort war auch Landrat Markus Bauer - der Salzlandkreis ist zuständig für die Unterbringung der Asylbewerber - gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Ich bin froh, dass keiner zu Schaden gekommen ist und bin der Feuerwehr dankbar. Alle sind schnell untergekommen", sagte Markus Bauer. Bei der Tafel erkundigte er sich bei den Asylbewerbern, wie es ihnen geht und ob sie noch irgendetwas brauchen.

 

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