Löbnitz l Dr. Gottfried Eggebrecht ist am vergangenen Mittwoch, 28. Januar, im Ameos-Klinikum Staßfurt im Alter von 87 Jahren verstorben.

Der Pfarrer im Ruhestand, der die letzten Jahre im Seniorenzentrum Löbnitz gelebt hat, hatte dort eine Operation, die er zwar gut überstanden hat. Jedoch waren diese und weitere gesundheitliche Probleme für den alten Menschen einfach zu viel, berichtet sein Sohn, der amtierende Pfarrer Gottfried Eggebrecht.

Dr. Pfarrer Gottfried Eggebrecht wurde am 19. April 1927 geboren und hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er wurde in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren. Seine Eltern lebten dort seit 1923, kamen aber ursprünglich aus der Region und kehrten, als er fünf Jahre alt war, nach Förderstedt zurück. Sein Großvater hieß ebenfalls Gottfried Eggebrecht, genauso wie sein Vater und sein Sohn, und war ebenfalls Pfarrer, aber in Staßfurt, wo er das Pfarrhaus an der Bode erbaut hatte. "Sein Großvater und dessen Wirken als Pfarrer hatten ihn sehr geprägt", sagt sein Sohn Gottfried Eggebrecht. Der Großvater hatte auch ein Familiengrab auf dem Staßfurter Friedhof in der Hecklinger Straße anlegen lassen, wo der Verstorbene auf eigenen Wunsch morgen beerdigt wird.

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurde Gottfried Eggebrechts Schulklasse als Luftwaffenhelfer zur Heimatflak einberufen, ab 1944 war er Soldat und später Kriegsgefangener. In einem Lager in Kasachstan erlebte er eine schwere Zeit, viele Gefangene sind dort verhungert. "Diese schwere Zeit hat ihn in seinem Glauben gestärkt", sagt Sohn Gottfried Eggebrecht. Im Lager hatten die Gefangenen gemeinsame Gottesdienste abgehalten.

Nach seiner Rückkehr bestand er das Abitur in Calbe, studierte in Berlin Theologie und schloss das Studium in Naumburg ab. Es folgten Stationen in Magdeburg, Kösseln, Wittenberg und im Landkreis Börde. 1965 übernahm er die Kirchgemeinden Neugattersleben und Löbnitz. "Das war die einzige Stelle, um die er sich beworben hatte, alle anderen wurden ihm angetragen", sagt sein Sohn. Später, 1968, kam die Pfarrstelle Förderstedt dazu.

Zu DDR-Zeiten machte er keinen Hehl daraus, was er von dem System hielt. "Er war sehr geradlinig, hat immer das gemacht, was er für richtig hielt, Zu DDR-Zeiten ist er nie zur Wahl gegangen", erzählt Gottfried Eggebrecht. Und auch den Mitarbeitern der Stasi sagte er die Meinung, als sie ihm ab und an einen Besuch abstatteten.

"Er wollte immer Gemeindearbeit leisten, für die Menschen vor Ort da sein", erzählt sein Sohn weiter. Auch als ihm hohe Posten wie die Pfarrstelle in Leipzig oder Stellen als Superintendent angeboten wurde, lehnte er dies ab, um in der Heimat zu bleiben.

1967 machte er noch den Doktor der Theologie, ab 1970 war er Dozent für den Kirchlichen Fernunterricht.

Zur Wendezeit organisierte er Friedensgebete in der Sankt- Petri-Kirche und die "Runden Tische", begleitete mit seiner Frau Anke die ersten freien Wahlen zum neuen Gemeinderat.

In der Kirchgemeinde war er sehr beliebt und bekannt für sein fröhliches Naturell. "Er war sehr lebhaft und hat in lustigen Runden gern viele Witze erzählt", so Gottfried Eggebrecht.

Dr. Gottfried Eggebrecht ging an seinem 65. Geburtstag am 1. April 1992 in den Ruhestand. Dann widmete er sich theologischen Studien, half seiner Frau bei ihrer Gemeindearbeit, widmete sich seinen Enkeln - er hat eine Enkelin, vier Enkel und einen Urenkel. Auch im Rassegeflügelzuchtverein Förderstedt/Staßfurt und im Männerchor Liederkranz wirkte er mit.

In einem Lebenslauf, den er 2002 verfasste, schreibt er als Fazit: "Dank gegenüber Gott und Dank gegenüber den Menschen, die mit mir auf dem Wege waren und sind!"