Sie haben stolze Gewichte von einer Tonne, einer halben Tonne und 300 Kilogramm. Mühsam müssen die drei Glocken derzeit noch mit Muskelkraft in Bewegung gesetzt werden, sollen sie erklingen. Der Gemeindekirchenrat von St. Johannis Leopoldshall plant nun einen elektrischen Antrieb für das Geläut. Die 8000 Euro dafür sollen möglichst durch Spenden zusammenkommen.

Staßfurt l Die Kirchengemeinde Leopoldshall will die Stimme ihres Gotteshauses wieder häufiger erklingen lassen. Seit Jahrzehnten läuten die drei Glocken nur zu Gottesdiensten und anderen besonderen Anlässen wie Eheschließungen oder bei Konzerten.

Immerhin ist es auch sehr mühsam, die Klangkörper in Bewegung zu setzen. Die große Glocke mit einem Durchmesser von 1,38 Meter wiegt gut eine Tonne.

Wie Gemeindekirchenratsmitglied Hans-Joachim Töpfer erklärt, würden das zurzeit überwiegend die Töchter der Kantorin übernehmen, aber wer wisse schon, wie lange die jungen Leute noch hier blieben? "Es muss sich immer jemand finden, der die Seile in die Hand nimmt."

"Wir haben uns am 18-Uhr-Feierabend-Geläut orientiert, wann wir nach Hause mussten."

Das Läuten soll in absehbarer Zeit nun ein elektromagnetischer Antrieb übernehmen. Man habe ein Kostenangebot über 8000 Euro erhalten, so Töpfer.

Die Gemeinde möchte die Kosten über Spenden untersetzen. 2000 Euro zähle man bereits. Ziel sei es, die Glocken - übrigens in den Tonlagen ges`, b` und des" - spätestens zum Lutherjubiläum wieder öfter als sonst erklingen zu lassen. 2016 wäre noch besser, wenn vielleicht der nächste Bauabschnitt der Kirchplatzgestaltung abgeschlossen ist, meint Pfarrer Kornelius Werner.

Dass dafür die Fördermittel beantragt sind und die Stadt Eigenmittel in den Haushalt eingestellt hat, bestätigt Wolfgang Waschk vom Fachgebiet Bau und Sanierung übrigens.

Man nehme es natürlich auch dankbar an, sollten die Spenden schon in diesem Jahr ausreichend zusammenkommen, so der Pfarrer. Für ihn sind die Glocken einer Kirche eine wichtige Verbindung zur Umgebung.

Hans-Joachim Töpfer erinnert sich zudem: "Ich kenne es noch aus meiner Kindheit, dass wir uns am 18-Uhr-Feierabend-Geläut orientiert haben, wann wir nach Hause mussten." Das sei in den 1960-er Jahren gewesen.

"Die Läuteanlage ist noch sehr gut in Schuss", bemerkt das im Gemeindekirchenrat für alle baulichen Belange zuständige Mitglied. Üblicherweise werde das Nicht-Bronze-Glocken für gewöhnlich nicht so zugestanden. Die ursprünglichen mussten die Leopoldshaller wie die meisten Gemeinden im 1. Weltkrieg zur Herstellung von Kriegsgerät abgeben.

Die jetzigen Glocken sind aus Eisenhartguss und wurden 1918 von der Glockengießerei Schilling Lattermann in Morgenröthe-Rautenkranz gegossen, wie Pfarrer Werner recherchierte - eine Kooperationsfirma der Glockengießerei Schilling in Apolda.

Dass die Läuteanlage noch so gut aussieht, sei nicht zuletzt Klaus Nesemann zu verdanken, möchte Hans-Joachim Töpfer noch vermerkt haben. Der Schlosser aus Groß Börnecke habe sich um die Instandhaltung gekümmert. Dazu gehörten zuletzt Mitte der 1990-er Jahre etwa die Jochlager und auch der Korrosionsschutz.

Die evangelische Kirchengemeinde St. Johannis Leopoldshall bittet um Spenden für einen neuen Antrieb ihrer Läuteanlage. Bei Überweisungen auf ihr Konto bei der Salzlandsparkasse: Kennwort Glocken, IBAN DE 2480055500 3023001897, BIC NOLADE 21SES

 

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