Glöthe (frc) l Nach dem Artikel "Fahne aus dem Jahre 1909 gibt Rätsel auf. Rudi Krüger aus Glöthe hat das historische Stück im Besitz seiner Familie gefunden" (Volksstimme vom Freitag) können zwei Leser aufklären.

Jürgen Schulz aus Schönebeck schreibt uns: "Es handelt sich bei den Buchstaben A.R.B.S. um die Abkürzung für den 1896 gegründeten Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität. Es war der Dachverband aller organisierten Radfahrer und mit einer Mitgliederzahl von über einer Viertelmillion im Jahre 1926 die weltgrößte Radfahrerorganisation." Reinhard Banse, Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde Sachsen-Anhalt, fügt hinzu, dass der Name "Solidarität" bedeutet, dass sich der Bund als Teil der Arbeiterbewegung verstand. Viele neue Vereine warben damals bei großen Festumzügen für sich.

Jürgen Schulze erklärt auch, dass sich die Organisation 1928 in Arbeiter- Rad-und Kraftfahrerbund Solidarität umbenannt hat (ARKBS). 1933 wurde der ARKB Solidarität durch die Nationalsozialisten verboten und das Vermögen wurde beschlagnahmt. Den Verein aus Glöthe hat sicher dasselbe Schicksal ereilt.

"Was die Daten auf der Vereinsfahne betrifft", schreibt Jürgen Schulz, "so ist fast sicher, dass es sich bei den Zahlen 18/2/1907 um das Datum der Gründung des Radfahrervereins handelt. Es passt in die historische Zeit, denn Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sehr viele Radfahrervereine in Deutschland gegründet, und da wird auch die Gemeinde Glöthe nicht abseits gestanden haben."

Jürgen Schulz weiß auch: "Die Zahl 1909 ist wahrscheinlich das Jahr der Fahnenweihe, könnte aber auch das Jahr der Mitgliedschaft im ARBS anzeigen. Die bunten Wimpel sind sicher Fahnenbänder, die die Vereine sich gegenseitig überreichten, wenn sie zu Treffen oder sportlichen Wettkämpfen gefahren sind."

Die Glöther haben mit der Fahne ein sehr schönes Stück Heimatgeschichte gerettet, findet Jürgen Schulz. Sie sollte immer in der Gemeinde bleiben.