Die Schüler der Sekundarschulen "Am Tierpark", "Pestalozzi", "Hermann Kasten" und der Sekundarschule Förderstedt, von der eine Klasse schon zuvor in Schönebeck an der Reihe war, haben am Wochenende Jugendweihe gefeiert. Die Volksstimme befragte auch eine zufällig gewählte Familie, wie es sich anfühlt, wenn die "Kleine" plötzlich "groß" ist.

Staßfurt l "Ich hatte schon heute Morgen Tränen in den Augen", sagt Isabell Schütze. Sie ist die Mutter von Jocye Schütze, die am Sonnabend ihre Jugendweihe mit etlichen weiteren Sekundarschülern im Salzlandtheater feierte (Jocye Schütze ist auf dem Foto der Klasse 8b der Hermann-Kasten-Schule vorn in der Mitte zu sehen). "Ich denke, für die Eltern ist so ein Tag fast noch ergreifender als für die Jugendlichen selbst", sagt die Mutter, als sie ihr Kind nach der Veranstaltung wieder bei sich hat. Schon beim Auszug der Jugendlichen aus dem Theater sprang sie kurz dazwischen und musste ihre "kleine" Tochter, die nun schon so groß ist, umarmen. Schon seit dem Sonnabendmorgen war die Mutti so hibbelig, dass ihr "das Herz bis zum Hals schlug", sagt sie, noch mit Freudentränen in den Augen. Die ganze Vorbereitung zu der Feier läuft in der Staßfurter Patchwork-Familie schon seit Monaten. Als sie in Leipzig auf Shoppingtour waren, nahm die Familie vor vielen Umkleidekabinen Platz. Als die junge Dame dann mit dem tollen roten Kleid heraustrat, hatte auf einmal der Papa, André Nickoll, Tränen in den Augen.

André Nickoll spricht das aus, was in den Gesichtern aller Mütter und Väter, Onkel und Tanten, Omas und Opas zu lesen ist: "Es geht einem durch den Kopf, wie schnell sie doch groß geworden ist, und man hofft, dass in ihrem Leben alles gut läuft", sagt er. Jetzt, wenn der offizielle Teil der Feierlichkeiten vorüber ist und die Jugendlichen auf der Bühne des Salzlandtheaters den symbolischen Schritt in das Erwachsensein getan haben, fällt die ganze Aufregung ab. Gleich wird die Familie zusammen im Garten feiern, und einige werden dort auch zelten, verrät Mama Isabell Schütze.

Auch Jocye atmet jetzt auf. "Ich war so aufgeregt", sagt sie. Die Mädels hatten vor allem Angst, dass sie auf der Bühne stolpern, dass sie mit den hohen Schuhen umknicken oder irgendetwas Dummes passiert unter den Blicken des Publikums im vollen Salzlandtheater. Was aber ihre Zukunft betrifft, ist sie sich ganz sicher, dass sie mal Medizin studieren will, dass sie Familie und Kinder haben will.

Von der Tragweite des "Erwachsenwerdens" bekommen die Jugendlichen an dem Tag vor Aufregung nicht viel mit. Landrat Markus Bauer geht aber in seiner Festrede auf die großen Fragen ein, unter anderem darauf, wie man den Partner fürs Leben findet. "Sie erkennen den Menschen daran, dass er über das Gleiche lachen kann wie Sie. Dass Sie sich in seiner Gegenwart nicht fühlen wie im falschen Film."

Ausgerichtet hat die Feierstunden die Interessengruppe Salzland des Landesverbands Sachsen-Anhalt Jugendweihe.

   

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