Staßfurt. Unlängst hatte der Hobbyhistoriker Ernst Laue seine Sammlung zur Geschichte der Stadt Staßfurt und anderer Gemeinden dem Dr. -Frank-Gymnasium überlassen. Die Katalogisierung der gut 100 Medieneinheiten hat eine Menge Zeit in Anspruch genommen. Für die Bibliothekarinnen Dorothea Günther und Sandy Heinsdorf galt es, jedes Buch und jede Zeitschrift in den Bestand einzuarbeiten.

Nun stehen die zahlreichen Bücher, DVDs und Zeitschriften den Schülern des Gymnasiums zur Verfügung. Darunter befinden sich auch die Rechercheergebnisse des Historikers zum jüdischen Leben in Staßfurt. Sie dienen als Grundlage für die Realisierung des "Stolperstein"-Projektes, dessen Umsetzung in der jüngsten Stadtratssitzung einstimmig beschlossen wurde.

Die "Stolpersteine" sind kubisch geformte Betonsteine, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Die Steine sollen an Orten in den Gehwege eingelassen werden, an denen Opfer der NS Zeit lebten und wirkten.

"Derzeit sind wir auf etwa 40 Schicksale gestoßen", erklärt Michael Reuter, Projekt-Betreuer und Geschichtslehrer am Dr.-Frank-Gymnasium. "Wie viele es am Ende unserer Recherche letztlich sein werden, ist ungewiss."

Reuter vertieft derzeit mit den Mitgliedern der Initiativgruppe "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" die Recherchearbeiten. Auf dem Plan stehen Gespräche mit Hinterbliebenen, die Aufarbeitung von Einzel- und Familienschicksalen und das Erarbeiten von zeitlichen Abrissen.

Wichtig sei dem Projekt-Team vor allem, zu verdeutlichen, dass es sich bei den Opfern nicht nur um Juden aus Staßfurt handele, sondern auch um Euthanasie-Opfer oder um jüdische Schüler, die in anderen Gemeinden wohnten, jedoch in Staßfurt zur Schule gingen. So könne man beispielsweise mit einem Stolperstein auf dem Schulhofgelände der Opfer gedenken, schlägt Reuter vor.

Die Zustimmung des Stadtrates gilt nun als offizieller Startschuss für das "Stolperstein"-Projekt. Die Finanzierung soll durch Spenden geschultert werden. Ein Stein wird etwa 90 Euro kosten. "Wenn alles gut läuft, könnte der erste im Oktober verlegt werden", gibt Reuter bekannt.