Steht eine Eingemeindung auf dem Plan, gibt es vielerorts einen Aufschrei – unter Stadträten wie unter der Bevölkerung. Auch Amesdorf und Warmsdorf wurden am 1. Januar 2010 nach Güsten und damit in die Verbandsgemeinde Saale-Wipper eingemeindet. Wie geht es den Anwohnern damit? Die Volksstimme hat sich umgehört.

Amesdorf/Warmsdorf. Jürgen Kaiser bringt gerade seinen Rasen im Oberland von Warmsdorf in Schuss. Nach der neuen Verbandsgemeinde gefragt, zeigt er sich zufrieden: "In Güsten klappt alles. Wer keine Behördengänge zu tun hat, merkt den Unterschied nicht", erklärt er. Zur Gemeinde hat er aber doch einen Bezug: "Der Bürgermeister Globig hat gerade geheiratet, da freue ich mich."

Dieter Wilke, der etwas weiter nördlich in Warmsdorf sein Zuhause hat, kann nur Positives berichten: "Der Güstener Bürgermeister ist wirklich gut, der kümmert sich", sagt er. "Und Güsten ist ja eine schöne Stadt. Zum Einkaufen müssen wir da sowieso immer hin."

Silke von Kalnassy hat einen Shop in Warmsdorf und ist Rätin der neuen Verbandsgemeinde: "Für unsere Kinder ist es nach der Umstellung besser. Die können jetzt mit dem Rad in die Schule nach Güsten fahren. Früher mussten sie nach Staßfurt", hebt sie als Mutter hervor. Als Gemeinderätin setzt sie sich weiter für Warmsdorf ein: "Die Leute kommen in meinen Laden und sprechen mich auf eventuelle Probleme an." Neben ihrem Einsatz für Warmsdorf, seien auch Wolf Dietmar Beinroth und Ernst-Hermann Brink für Amesdorf im Güstener Rat, um den Ort dort zu vertreten. "Und Silke macht das super", meint der Warmsdorfer Axel Kindt, der gerade mit der Rätin zu Mittag isst. Seine Befürchtungen bei der Eingemeindung waren vor allem: "Man denkt ja, die Eigenständigkeit als Gemeinde ist besser. Man denkt, man wird das fünfte Rad am Wagen sein. Aber so war es hier nie", meint er. Warmsdorf würde gut klar kommen mit der Verbandsgemeinde und werde dort ernst genommen.

So richtig fällt der Unterschied nach der Eingemeindung eben nicht auf, meint auch Marlies Szymanski. "Eigentlich merkt man es nur beim Zeitunglesen. Oder wenn man mal zur Ratssitzung fahren will. Aber weit ist es ja nicht", so die Warmsdorferin. Das bestätigt Kollege Wolfgang Walczek: Problematisch sei das nicht. Traurig findet er nur, dass die kleinen Gemeinden immer weniger Einwohner und Finanzen zur Verfügung haben. "Die Rathäuser verschwinden", sagt der in Amesdorf angestellte Güstener. Seine Kollegin Kerstin Krause sagt: "Was soll man sich da groß aufregen? Außerdem sind wir das schon gewöhnt, wir gehörten schon mal zu Güsten." "Und deshalb wollten wir auch wieder dahin", ergänzt Marlis Szymanski.

   

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