Aufgrund der teils harschen Kritik am Konzept für die Neustrukturierung der Salzlandkliniken traten Landrat Ulrich Gerstner sowie Klinikvertreter gestern an die Presse, um die geplante Spezialisierung der Standorte zu verteidigen.

Bernburg/Staßfurt/Schönebeck/Aschersleben. Die fünf Standorte der Salzlandkliniken in Aschersleben, Staßfurt, Bad Salzelmen, Schönebeck und Bernburg sollen auch in Zukunft erhalten bleiben. Dies betonten Landrat Ulrich Gerstner (SPD), Salzlandklinik-Sprecher Peter Löbus, Aufsichtsrats-Chef Gerald Bieling (CDU) und Dr. Erik Czihal, Geschäftsführer der Kreisklinik Aschersleben-Staßfurt gGmbH, gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Dort betonten sie, dass eine Schließung des Staßfurter Krankenhauses nicht geplant sei.

Anlass für die Informationsveranstaltung von Landrat und Klinikholding ist die Unruhe und emotionale Diskussion, die ein im März vom Klinik-Aufsichtrat einstimmig beschlossenes Klinikkonzept im Altkreis Staßfurt verursacht. Denn dort soll es künftig keine stationäre Chirurgie mehr geben, sondern drei Abteilungen der Inneren Medizin und eine palliativmedizinische Versorgung für schwerkranke Menschen mit einer geringen Lebenserwartung. Geplant ist zudem, dass in Staßfurt gemeinsam mit einem privaten Betreiber so schnell wie möglich eine kardiologische Station mit so genannten Linksherzkathetermessplatz und spezieller Intensivsstation eingerichtet werden soll, die es im Salzlandkreis noch nicht gibt. "Die Gespräche dazu laufen bereits", sagte gestern Dr. Czihal.

Er bezeichnete es als schmerzlich, dass man in Staßfurt die Unfallchirurgie nicht mehr vorhalten könne. Die Kollegen hätten dort eine sehr gute Arbeit geleistet. "Aber seit Dezember 2006 gelingt es uns nicht mehr, eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung zu gewährleisten. Dadurch konnten wir nur noch risikolose Eingriffe vornehmen und konnten seit dieser Zeit auch nicht mehr nachts operieren in Staßfurt", sagte Dr. Czihal. Dadurch sei die 32-Betten-Station der Chirurgie nur noch mit 13 Patienten belegt gewesen. Dafür machte er den akuten Mangel an Anästhesisten verantwortlich. Von sechs Kollegen seien in Staßfurt nur noch die Chefärztin übrig gewesen. Sechs Fachärzte für Staßfurt zu gewinnen, ist unmöglich, so Dr. Czihal.

Das Klinikkonzept sieht auch vor, eine geriatrische Abteilung in Bernburg aufzubauen sowie an den Standorten in Schönebeck und Aschersleben weiter zu investieren.

"Wir möchten die öffentliche Diskussion über die Zukunft der Kliniken gern versachlichen", sagte Gerstner mit Blick auf die heftige Kritik, welche die Pläne vor allem im Staßfurter Raum hervorgerufen hatten.

Der Landrat unterstrich erneut die ökonomischen Zwänge und drastischen demographischen Entwicklungen im Salzlandkreis. Und verwies auf Prognosen, nach denen 2025 nur noch 165 000 Menschen im Kreisgebiet leben werden, während es heute noch 213 000 seien. "Wir müssen reagieren und die klinische Versorgung anpassen. Das ist unumgänglich und ohne Alternative" sagte Gerstner. Der Landrat warb für die Pläne zur Spezialisierung der Salzlandklinken, die mit einem hohen finanziellen Defizit zu kämpfen haben. "Dies ist ein gutes Konzept, mit dem man alle Standorte erhalten kann."

Löbus sagte, es gebe mit der demografischen Entwicklung auch Veränderungen in den Krankheitsbildern. Die Tendenz laute: "Weniger Geburtsmedizin, mehr Altersmedizin." Auch der Geschäftsführer betonte die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen der Salzlandkliniken. Diese würden sich in Zukunft "mit Sicherheit" noch weiter verschlechtern.

Löbus sagte, aus seiner Sicht sei es für die Bürger zumutbar, künftig für bestimmte medizinische Angebote 30 oder 40 Kilometer zu fahren.

Dem Sprecher zufolge soll das Klinikkonzept in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten umgesetzt werden. Ob dieser Zeitraum wirklich eingehalten werden kann, sei allerdings unter anderem von den Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen abhängig.

"Wir haben es seit Jahren mit sinkenden Erträgen zu tun bei steigenden Kosten", sagte Bieling. Zur Frage einer möglichen Privatisierung der Salzlandkliniken, die von Kritikern des Klinikkonzeptes ins Spiel gebracht worden war, äußerte er sich zurückhaltend. Bieling brachte vielmehr seine Skepsis zum Ausdruck, ob eine Privatisierung tatsächlich im Sinne der Belegschaft sei und bekräftigte, dass man die Salzlandkliniken auch weiterhin in kommunaler Trägerschaft führen wolle, eine entsprechende Wirtschaftlichkeit vorausgesetzt.

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