Die Entwicklung der Kinderund Jugendarbeit in Staßfurt wird derzeit diskutiert. Der Kinder- und Jugendentwicklungsplan 2010 bis 2014 soll vom Stadtrat beschlossen werden, nachdem sein Vorgänger 2006 nach vier Jahren auslief und im Zuge der sich anschließenden Haushaltskonsolidierung kein neues Konzept beschlossen wurde. Nun steht die Stadt wieder vor der Etatsanierung, doch auf eine Perspektive für Jugendclubs und Kindereinrichtungen, für Angebote der offenen Jugendarbeit will man trotz knapper Kassen nicht verzichten.

Löderburg. Geht es um Menschen, ist die Vereinheitlichung schlecht, sind vielmehr individuelle Lösungen gefragt. Der Entwurf zum Kinder- und Jugendentwicklungsplan will das erreichen, steht an seinem Anfang doch eine umfangreiche demographische Strukturanalyse. Die Zielgruppen für die offene Jugendarbeit in Staßfurt, die sich an junge Menschen im Alter zwischen sechs und 27 Jahren wendet, sind vielfältig. In einigen Ortsteilen ist der Kinderanteil in den Clubs und Zentren höher, in anderen fällt er zugunsten der Älteren aus.

Untersucht hat die Konzeption auch, welche Schul- und Berufsabschlüsse Kinder und Jugendliche haben, wie das familiäre Umfeld aussieht, ob beispielsweise die Eltern zusammenleben, und wie die Kriminalitätsrate ist.

Für Ralf-Peter Schmidt ( Die Linke ), Vorsitzender des Ausschusses für Jugend und Soziales im Stadtrat und Mitglied im Salzlandkreis-Jugendhilfeausschuss, sind das alles " Baustellen ", auf die in der Kinderund Jugendarbeit reagiert werden müsse.

" Es ist gut, wenn

alle wissen, was man vorhat und die

Stadt das auch

konzeptionell untersetzen kann "

Aus diesem Grund ließ er in seinem Ausschuss den Entwurf der Stadtverwaltung an das Rathaus zurückgehen und forderte mehr Zeit für die Beratung. Jetzt trafen sich die Ausschussmitglieder mit Mitarbeitern aus den meisten Kinder- und Jugendeinrichtungen städtischer und freier Trägerschaft zur Diskussionsrunde im Kinder- und Jugendzentrum Löderburg.

Der Ausschussvorsitzende sieht das Treffen als wichtig an, nicht nur wegen der nachhaltigen Weichenstellung, sondern auch mit Blick auf die finanzielle Ausstattung der Kinder- und Jugendarbeit. Denn nicht nur in der Stadt sind die Kassen klamm, den Salzlandkreis plagen gleichermaßen finanzielle Probleme.

Die Jugendpauschale fällt unter aktuell in Bernburg diskutierte Förderrichtlinien. " Mit dem Kinder- und Jugendplan bis 2014 entwickeln wir Qualitätsstandards, die unsere Förderposition in Bezug auf Sach- und Personalkosten verbessern. Es ist gut, wenn alle wissen, was man vorhat und die Stadt das auch konzeptionell untersetzen kann. "

Schmidt fordert deshalb, dass alle Beteiligten mit sich ins Gericht gehen, ihre Arbeit ehrlich in ihrer der Ausrichtung hinterfragen. Das bedeutet auch, dass man die unterschiedlichen Kompetenzen beim Personal und in den Häusern bündeln und sich zunutze machen müsse, um die tatsächlichen Zielgruppen zu erreichen. Er sieht das aber nicht als Infragestellen der bisher agierenden Personen und ihrer Arbeit an, sondern vielmehr solle der Plan " Aufbruchstimmung " verbreiten. Die demographische Statistik sei das eine, doch die unmittelbare Reaktion in der Praxis erfordere andere Maßnahmen als noch vor zehn Jahren.

" Aller Plan ist

Makulatur, wenn

das Geld fehlt "

Der Linkenpolitiker fordert deshalb eine Pflicht in kommunalen Unternehmen wie der Wobau und den Stadtwerken, Praktikumsplätze zu schaffen, um der Arbeitslosigkeit zu begegnen. Verantwortung der Kommune sei das Stichwort. Das Gebäudemanagement muss mit in die Planungen einbezogen werden mit der Frage, welche Einrichtungen welchen Zweck erfüllen sollen, wo Platz geschaffen werden muss und wo welcher zu viel sei. Ein Spielplatzkonzept muss her, so Schmidt, aber auch der Ferienpass wieder uneingeschränkt bis 27 Jahre nutzbar sein. Alles das will er in einem Maßnahmekatalog zusammenfassen und als Änderungsantrag in die Beratungen des Ausschusses und Stadtrates einbringen.

Die Frage nach dem Wie stand auch immer wieder in der Diskussion zur Debatte. Kerstin Liebig vom Jukon e. V. machte klar : " Aller Plan ist Makulatur, wenn das Geld fehlt. " Deshalb müsse das Konzept nicht nur für die Jugendarbeit Verbindlichkeit besitzen, sondern auch für die Stadt.

Die Einrichtungen wiederum forderte Liebig auf, auf Vernetzung zu setzen und Synergieeffekte zu nutzen. So könne es auch gelingen, bessere und spezifische Angebote für die unterschiedlichen Altersgruppen zu schaffen.

Der Punkt Kooperation soll noch verstärkt werden, um besonders auf das soziale Gefüge von Jugendlichen reagieren zu können, kündigte Stadtjugendpflegerin Nicole Netwall an. So werden Prozessgruppen gebildet, Arbeitskreise aus Experten und eventuell Jugendlichen bestehend, die spezifische Maßnahmen orientiert an der Bedarfsanalyse der Kinder- und Jugendarbeit benennen. Die Prozess soll andauern, man will auch die Schulen dazu mit ins Boot holen.

Denn der Plan macht deutlich, 50 Prozent der Zielgruppe sind zwischen 18 und 27 Jahre alt, werden bisher aber nur bedingt erreicht.

Anne Lau vom Teenie Treff regte an, dass sich Einrichtungen spezialisieren könnten, um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen. Alle zusammen zu betreuen und begleiten sei schwierig, weil die Interessenlagen auseinander driften und weil die Älteren mehr Verantwortung übernehmen sollten.

" Man kann über

20-Jährige wohl

kaum mit Bastelstunden begeistern "

Für Bernd Christoph vom Glashaus kann das wiederum nur gelingen, wenn nicht nach Alter separiert wird. Für ihn kommt es vielmehr auf die Qualität der Angebote an. " Man kann über 20-Jährige wohl kaum mit Bastelstunden begeistern. " Den Weg über die Anregung der Eigenverantwortung und die sukzessive Übernahme von Aufgaben durch Jugendliche hält Christoph deshalb für den richtigen.

Dafür gibt es auch Zuspruch aus dem Jukon, Tenor hier : Keine Beziehungsabbrüche. Die Jugendlichen sollen in ihrem Club aufwachsen, dann Verantwortung für den Nachwuchs übernehmen.

Froh ist man über die derzeitige Personalsituation. In sämtlichen Einrichtungen gibt es Mitarbeiter, die über Kommunalkombi eingestellt sind, also drei Jahre bei den Kindern und Jugendlichen bleiben. Das sei gut für die Bildung von Vertrauensverhältnissen. Immerhin habe man in den Häusern in Föderstedt und dessen ehemaligen Ortsteilen erreicht, dass die Betreuer aus den Arbeitsgelegenheiten ein Jahr anstelle von sechs Monaten bleiben können.