Staßfurt. Nach dem Bekanntwerden des vom Aufsichtsrat der Salzlandkliniken beschlossenen Klinikkonzeptes wird in der Bodestadt der Ruf nach einer Privatisierung des Staßfurter Krankenhauses oder aller Salzlandkliniken immer lauter. " In meinem Landtagsbüro haben sich bereits drei Interessenten gemeldet ", sagte Johann Hauser ( FDP ) Montagabend in der Sitzung der überparteilichen Arbeitsgruppe der Stadt, die für den Erhalt des Staßfurter Krankenhauses kämpft.

Auch bei ihm, so Oberbürgermeister René Zok ( parteilos ), hätten Bewerber Interesse an einer Übernahme des Gebäudekomplexes in der Bodestraße bekundet. " Eine Privatisierung ist die einfachste Lösung, wenn dafür Konsens im Kreistag besteht. Wir sollten das als Chance für den Standort Staßfurt begreifen ", sagte das Stadt-oberhaupt.

Ein Herauskaufen der Staßfurter Klinik hält der Chefarzt des Krankenhauses, Dr. Martin Frost, nicht für umsetzbar. Aber eine Veräußerung der gesamten Kliniken wäre aus seiner Sicht auch ein Vorteil für Staßfurt.

Von einem Verkauf würde der Landkreis profitieren, sagte Rudolf Schünemann, denn er könnte mit dem Erlös sein Defizit reduzieren. " Das ist eine Sache, die man ernsthaft überlegen muss ", sagte der Landtagsabgeordnete Peter Rotter ( CDU ).

Der Chef der Stadtratsfraktion Unabhängige Wählergemeinschaften, Hartmut Wiest, könnte sich sogar vorstellen, dass die Stadt Staßfurt das Objekt in der Bodestraße übernimmt. " Auch bei einer Privatisierung kann unser Krankenhaus hinten runterkippen ", meinte er.

Mit Applaus wurde der Standpunkt der Fachärztin für Allgemeinmedizin, Barbara-Andrea Maßel, aufgenommen. Sie sagte : " Ich bin dafür, aus der Holding auszuscheiden. Denn das sind für mich Betrüger und Lügner und Leute, die unsere Klinik kaputt machen. "

Für die Ärztin ist es völlig unverständlich, dass man in Staßfurt drei moderne OPs schließen und in Aschersleben die OP-Kapazität erweitern wolle. Man könne es keiner Oma zumuten, nachts zum Krankenhaus nach Aschersleben zu fahren. Zum Beispiel bei Blutungen im Bauchraum könne es den Patienten passieren, dass sie auf der Fahrt nach Aschersleben sterben.

Jede Strukturänderung nachteilig für Staßfurt

" Jede Strukturveränderung der letzten Jahre ist zum Nachteil des Standortes Staßfurt gefällt worden ", schätzte Dr. Frost ein und bemerkte : " Wenn dieser Standort so genutzt werden würde, wie er steht, würden wir Geld sparen. "

Jetzt müsse man froh sein, wenn man so weiter machen könne, wie bisher, sagte der Chefarzt. Allerdings machen die Rahmenbedingungen den Internisten das Arbeiten schwer. Derzeit seien die Vier-Bett-Zimmer mit sechs Betten belegt. Die Chirurgie, so forderte mit Nachdruck, müsse auf alle Fälle einen Nachtdienst stellen. In Anspielung auf die Pläne der Klinik-Holding, in Staßfurt einen Linksherzkathedermessplatz

mit einer Spezialintensivstation durch einen privaten Betreiber einrichten zu lassen, sagte Dr. Frost : " Das wäre ein Hit. " Er frage sich allerdings, wo die dafür notwendigen fünf Kardiologen herkommen sollen. Zudem müsste der Betreiber mindestens fünf Millionen Euro investieren. Für die geplante Etablierung der Paläativmedizin für die Betreuung von todsterbenskranken Patienten benötige man lediglich zwei Ärzte und fünf Betten, so Dr. Frost.

Der in Staßfurt tätige Oberarzt der Chirurgie, Jens Lingott, hält es für ausgeschlossen, dass Aschersleben sämtliche chirurgische Eingriffe von Staßfurt übernehmen kann. " Was das Operative betrifft, gibt es in Staßfurt optimale Bedingungen, die ein Krankenhaus der Grundund Regelversorgung braucht ", sagte der Mediziner nicht ohne Stolz. Für das Sterben auf Raten beziehungsweise Austrocknen des Standortes Staßfurt machte er die Klinik-Geschäftsleitung verantwortlich. Sie werde ihr Ziel auch über das Dienstsystem erreichen, ist sich Lingott sicher.

HNO-Arzt Harald Jahns ( FDP ) forderte den Einsatz eines unabhängigen Gutachters und einen Verzicht auf die beim Land für die Standorte Aschersleben, Bernburg und Schönebeck geplanten Investitionen.

Der Oberbürgermeister will jetzt die Ascherslebener Klinik-Geschäftleitung zur Berichterstattung zu einer öffentlichen Stadtratssitzung einladen. Dafür werde man einen Fragenkatalog erarbeiten.