Der Modellbau und die Eisenbahn haben es Ralf Behrens angetan. In einer Ausstellung im Staßfurter Stadt- und Bergbaumuseum zeigt er ab Sonntag Schmalspurbahnen aus den Karpaten im Nachbau.

Staßfurt. Rund 150 Meter Gleise liegen im Garten von Ralf Behrens im sächsischen Oelzschau. Der 1950 in Leipzig geborene Mann besitzt eine Gartenbahn. Auf Schmalspur und im Maßstab 1 : 22, 5 schnaufen Lokomotiven durch das Grün, ziehen Güterwagons oder Personenwagen. Kleine Häuser, Figuren und Fahrzeuge säumen die Mini-Trasse. Sogar aktuelle Themen verarbeitet Ralf Behrens in seiner Modellwelt, so eine Elchtest-Szene oder das Auto im Kirchendach, ein spektakulärer Unfall am 26. Januar des letzten Jahres in Limbach-Oberfrohna, der in der Öffentlichkeit für Furore sorgte, als ein Auto auf winterglatter Fahrbahn zum Geschoss wurde, das in das Dach des Gotteshauses raste. " Die Modelle sind spannend, aber ein aktueller Bezug belebt das Ganze doppelt ", sagt der begeisterte Modellbauer.

Der " Virus "

Modelleisenbahn

Im Staßfurter Museum zeigt Ralf Behrens jetzt Zugmodelle und Landschaften, wie sie in den Karpaten typisch sind. Ein Artikel in einer Fachzeitschrift inspirierte ihn zu diesem Thema. In seinem Hobbykeller verbrachte der Bastler viele Stunden, gestaltete Zugnachbildungen und für die Landschaft typische Gebäude. " Alles Marke Eigenbau ", sagt Ralf Behrens. Seine Kreativität beweist er nicht nur bei den schönen Modellen, sondern auch bei den Materialien, die er für sie verwendet. Aus alten Holzwerbetafeln werden Aufbauten, ein Blockhaus entsteht aus den Holzleisten gezündeter Silvesterraketen, die Ladung auf dem Zug diente der Familie noch Tage zuvor als Kaffeestäbchen. Dazu gekauft sind lediglich Schienen und Fahrwerke.

Seine erste Modellbahn bekam der 1957 gerade einmal siebenjährige Ralf zusammen mit seinem jüngeren Bruder geschenkt. Von da an packte ihn das " Virus ", wie er selbst sagt, mit einer kleinen Unterbrechung während Armee- und Ausbildungszeit.

1980 zog Ralf Behrens in eine größere Wohnung. Eine Eisenbahnplatte durfte damals nicht fehlen – in H 0.

Richtig groß ging es dann ab 1994 mit der ersten Gartenbahn weiter, erst auf der Terrasse, dann vorbei an Beeten und Bäumen. " Da wo der Zug fährt, wächst kein Unkraut ", sagt Ralf Behrens mit verschmitztem Lächeln, doch die Beweggründe für die große Bahn liegen an anderer Stelle. " Es geht bei den Modellen nicht um den nietengenauen Nachbau, aber um den Wiedererkennungswert. " Und bei den großen Nachbauten falle der besonders schnell ins Auge.

Kinder können

Ehrenlokführer werden

Für Ralf Behrens sind die Arbeiten im Werkraum mehr als ein Hobby. Sie ist Entspannung vom Beruf. Behrens ist freischaffender Dozent für Mathematik und Physik im Ausbildungs-, Weiterbildungs und Qualifizierungsbereich. " Wenn ich im Hobbykeller sitze, kann ich komplett abschalten : Meine Gedanken hängen dann nicht mehr dem Beruf und den Dingen nach, die mit ihm zu tun haben. Ich konzentriere mich dann ganz auf die Modelle. " Beides sei reizvoll – die Eisenbahn an sich und der Prozess des Modellbauens, sagt der Oelzschauer.

Seine Begeisterung teilt Ralf Behrens gern – nicht nur mit Eisenbahnfans, sondern auch mit Neugierigen. Mit einer transportablen Anlage ist er auf Messen und Heimatfesten unterwegs. Seine letzte Ausstellung fand zu Weihnachten in einem großen Einkaufszentrum in Leipzig statt. Freunde der Eisenbahn können Ralf Behrens auch zu Hause in Sachsen besuchen. Es gibt eine kleine Ferienwohnung. Kinder können Geburtstage im Behrensschen Garten feiern und werden dabei gleich selbst zu kleinen " Ehrenlokomotivführern ". " Wir stellen bei der Prüfung richtige Betriebsabläufe nach ", sagt Ralf Behrens, vom Rangieren bis zur Bahnhofseinfahrt. Doch zuerst ist ab Sonntag großer Bahnhof für die Modelle im Staßfurter Museum angesagt.

www. behrens-service. de

• Vier neue Sonderausstellungen werden am Sonntag, dem 17. Januar, um 10. 30 Uhr im historischen Museumskeller des Stadtund Bergbaumuseums eröffnet

• " Schmalspurbahnen der Karpaten im Modell " von Ralf Behrens aus Oelzschau / Sachsen

• " Das Schuhmacherhandwerk " von Bernd Janisch aus Staßfurt

• " Kirchliche Architektur " von Günther Grützmacher aus Staßfurt

• " Kartonmodelle – eine Welt aus Papier "

• Musikalische Umrahmung durch Schüler der Kreismusikschule

• Informationen : Museum, Pestalozzistraße 6, 39418 Staßfurt, Telefon ( 0 39 25 ) 32 31 33