Die Zeit der deutschen Wiedervereinigung hat der Calbenser Heimatverein mit einer abwechslungsreichen Ausstellung in den Fokus gerückt. Gestern ist sie feierlich in der gut besuchten Heimatstube eröffnet worden. Unter dem Titel " Die Wendegeschehnisse von Berlin bis Calbe " werden sowohl der gesamtdeutsche Einigungsprozess aufgezeigt als auch die Aktivitäten des Neuen Forums in der Saalestadt beleuchtet.

Calbe. Während in Berlin, Leipzig oder Magdeburg die Menschen bereits für einen politischen Wandel auf die Straße gingen, ist es in Calbe noch lange ruhig zugegangen. " Mit dem evangelischen Pfarrerehepaar Petra und Johannes Könitz, die von Naumburg nach Calbe kamen, begann die Organisation einer neuen Bewegung ", sagt Uwe Klamm, Vorsitzender des Calbenser Heimatvereins.

Unter dem Dach des Neuen Forums wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter anderem für eine saubere Saale an den Umweltschutz, aber auch gegen Korruption und Amtsmissbrauch richtete. Davon zeugen erhaltene Protokolle, Schriftwechsel oder Plakate. " Wir wollen Zeugnisse derer präsentieren, die die Wende mitgestaltet haben ", sagt Klamm.

Eine weitere Grundlage der Ausstellung sind Protokolle, die entstanden sind, als Klamm vor zehn Jahren Mitstreiter des Neuen Forums befragte. Darin nachzulesen : Am Abend des 3. November 1989 schätzte Pfarrer Johannes Könitz die geplante Demonstration am nächsten Tag wie folgt ein : " Da werden wir wohl alleine dastehen ". Er sollte sich irren. Am 4. November zogen Demonstranten mit Plakaten und Bannern durch die Saalestadt. Fotograf Jörg Schmechel hat diesen historischen Moment auf seinen Bildern festgehalten und zur Verfügung gestellt. Auch Günter Schwalenberg aus Calbe, der eine Reise an der einstigen innerdeutschen Grenze fotografisch dokumentierte, hat seine Eindrücke in einem Buch zur Verfügung gestellt. Der gesamtdeutsche Kontext der Wiedervereinigung wird mit 20 Plakaten hergestellt, die Material des Bundesarchivs zeigen. Leihgeber ist der Designer Albrecht Ecke.

Wie sich die Kunst mit der Thematik auseinandersetzt, davon zeugen sechs Kupferplatten des Calbenser Künstlers Otto Plönies. Liedermacher Paul D. Bartsch, der metaphernreich die Zeit der DDR, der Wende und Nachwendezeit besingt, war wegen einer kurzfristigen Absage in Ausschnitten per CD zu hören. Ein Dokumentarfilm über das Wendejahr rundet die Ausstellung ab. Diese ist noch bis zum 22. November zu sehen.

Heimatvereins-Mitglied Dieter Steinmetz präsentierte im Rahmen der Eröffnung einen kurzen historischen Abriss davon, wie oft Calbe über die Jahrhunderte im Fokus von gesellschaftlichen Veränderungen stand.