Bewegung gibt es seit Donnerstag auf dem Gelände des einstigen Dieselmotorenwerks in Schönebeck. 320 Kubikmeter illegalen Müll hatte die Umweltinspektion des Salzlandkreises dort bis gestern Mittag bereits beseitigen lassen. Insgesamt müssen mehr als 1000 Tonnen Müll entsorgt werden. Der Kreis hatte die Zwangsräumung angeordnet. Zuvor waren bereits Gefahrstoffe abtransportiert worden.

Schönebeck. Wo Gefahr im Verzug ist, ist Bertram Finster mit seinen Leuten dabei : " Wir sind die Feuerwehr des Umweltamtes ", sagt der Leiter der Umweltinspektion. Mehrere Fässer mit gefährlichen Chemikalien, ein illegales Labor mit Quecksilberschaltern hat er bereits vom Gelände des ehemaligen Dieselmotorenwerkes in Schönebeck abtransportieren lassen. Jetzt ist der nicht ganz so gefährliche, aber dafür massenhaft vorhandene Müll an der Reihe, der in den vergangenen zwei Jahren auf der Industriebrache in der Barabarastraße abgelagert wurde. " Das sind mehr als tausend Tonnen ", ist sich Finster sicher, " und weit mehr als das an Kubikmetern. "

In einer Lagerhalle stapeln sich Stoffreste meterhoch. " Wir haben schon abholen lassen, was noch verwertbar ist ", erklärt der Chef der Umweltinspektion. Daneben liegen bergeweise alte Akten ( von der zuletzt eingemieteten Firma ) und : bereits zerkleinerter Hausmüll. Da habe jemand eine schnelle Mark machen wollen, so Finster. Baggerführer Andreas Schilling von einer Spezialfirma aus Tangerhütte ist mit drei Kollegen damit beschäftigt, hier Ordnung zu schaffen. Auf dem Gelände, wo bis zur Wende hunderte von Arbeitern mit der Fabrikation von Dieselmotoren beschäftigt waren, wachsen heute illegale Müllberge in den Himmel : Bereits gepresster Hausmüll sei hier entsorgt worden, so Finster. Reifen und PVC wurden bereits aussortiert. Der Rest geht in die Müllverbrennungsanlage nach Magdeburg-Rothensee. Auf Kosten des Salzlandkreises. Zum zweiten Mal verpackt werden müssen die Asbestplatten. Vandalen hatten sich daran zu schaffen gemacht.

Die Beräumung kostet insgesamt einen Betrag in sechsstelliger Größenordnung. Wieviel genau will das Umweltamt in der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am 23. September berichten. Dort steht eine Zwischenbilanz zum Thema " Ersatzvornahmen 2009 " auf der Tagesordnung, die Fälle also, in denen das Umweltamt an Stelle des Eigentümers aktiv werden müsste.

Das Gelände in der Schönebecker Barbarastraße ist privat. Der letzte Eigentümer, eine Immobilienfirma, ist insolvent, das Grundstück wird zwangsverwaltet. Seit der Wende wurde das Gelände unterschiedlich genutzt. Weil es sich hier um das Betreiben einer illegalen Abfallanlage handle, sei der Kreis für die Gefahrenabwehr zuständig, erklärt Finster. Man hoffe aber zumindest einen Teil der Kosten ersetzt zu bekommen, erklärt Finster.

Was den Zeitpunkt der Beräumung anbelangt, gebe es keinen Zusammenhang zu einem eventuellen Investor. " Wir haben Fristen einzuhalten, bis wir einschreiten können und dann legen wir los ", sagt Finster.

Die Stadtverwaltung Schönebeck will zu Interessenten keine Informationen geben. In einem solchen Fall würde allerdings die Wirtschaftsförderung unterstützend tätig werden, erklärt Pressesprecher Hans-Peter Wannewitz.