Für das von der Schließung bedrohte Gymnasium in Egeln, das in diesem Jahr erstmals keine fünften Klassen mehr bilden konnte, zeichnet sich nach langem Zittern eine positive Lösung ab.

Egeln. " Die Johannes-Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ist nicht abgeneigt, das Gymnasium Egeln in freie Trägerschaft zu übernehmen ", sagte der stellvertretende Schulleiter Manfred Raschkowski gestern der Volksstimme. Die Gespräche dazu liefen bereits. Zuvor müssten aber noch Verhandlungen mit dem Salzlandkreis, dem das Gymnasium gehört, sowie mit dem Kultusministerium geführt werden.

Das bestätigte auch der Pressesprecher der Evangelischen Kirchen Mitteldeutschlands, Friedeman Kahl : " Es gibt erste Gespräche mit der Johannes-Schulstiftung über einen möglichen Trägerwechsel des Gymnasiums in Egeln. Von einer Entscheidung kann jedoch noch keine Rede sein. " Die Johannes-Schulstiftung ist bisher Träger von zwei Sekundarschulen in Magdeburg und Haldensleben sowie der Zinzendorfschule Gnadau bei Schönebeck.

" Eine, Übernahme ‘ einer öffentlichen Schule und der damit verbundenen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler durch einen freien Schulträger ist nicht möglich ", stellte die Sprecherin des Kultusministeriums, Kerstin Klötzing, gestern klar.

Es bestehe jedoch die Möglichkeit, die Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Ersatzschule, wie zum Beispiel eines Gymnasiums, in freier Trägerschaft gemäß Schulgesetz des Landes und Ersatzschul-Verordnung zu beantragen. Beim Vorliegen der Voraussetzungen werde sie dann genehmigt. Derzeit gebe es in Sachsen-Anhalt insgesamt fünf Gymnasien in Magdeburg, Halle, Dessau und Droyßig, die von kirchlichen Vereinen oder Stiftungen geführt werden.

" Der Landkreis ", so versicherte deren Pressesprecherin Ursula Rothe, " würde einen solchen Schritt unterstützen, um den Standort zu retten. "

" Ich sehe die Übernahme des Gymnasiums durch die Johannes-Schulstiftung als Chance an, um abzusichern, dass auch in Zukunft am Traditionsstandort in Egeln junge Menschen das Abitur ablegen können und dass das Gymnasium als geistig-kulturelles Zentrum der Region erhalten bleibt ", sagte der Landtagsabgeordnete Manfred Püchel, der sich für den Erhalt dieser Oberschule stark macht.

Die Verhandlungen stünden allerdings noch am Anfang. " Aber alles, das bisher diskutiert wurde, lässt uns hoffen, dass es erfolgreich werden kann ", so der SPD-Politiker.

Er fordert in dieser Angelegenheit eine schnelle Entscheidung. Das sei auch deshalb notwendig, um die im Rahmen des Konjunkturpaketes in diesem Jahr geplanten Investitionen in Höhe von rund 350 000 Euro, die Landrat Ulrich Gerstner ( SPD ) aufgrund der unsicheren Zukunft des Gymnasiums im August auf Eis gelegt hatte, doch noch umsetzen zu können.

Von der anderen möglichen Lösung, Egeln zur Außenstelle des Gymnasiums Staßfurt zu machen, hält Püchel nicht viel. " Da besteht immer die Gefahr einer Schließung. Wir brauchen aber eine stabilere Basis. "

Am Gymnasium Egeln werden derzeit 314 Schüler in fünf Klassenstufen unterrichtet. Aufgrund der unzureichenden Schülerzahlen war es zum Beginn des neuen Schuljahres erstmals nicht mehr möglich, fünfte Klassen zu bilden. Die Fünftklässler lernen deshalb nun in Staßfurt.

Das Einzugsgebiet des Gymnasiums erstreckt sich auf die acht Mitgliedsorte der Verwaltungsgemeinschaft Egelner Mulde sowie die Ortsteile Cochstedt, Groß Börnecke und Schneidlingen der Stadt Hecklingen. Darüber hinaus hatten sich Landrat Ulrich Gerstner und sein Amtskollege aus dem Bördekreis, Thomas Webel ( CDU ) darauf verständigt, auch den Kroppenstedtern einen Schulbesuch in Egeln zu ermöglichen. Zusätzlich erweiterte der Kreistag das Schuleinzugsgebiet noch um den Ortsteil Hecklingen der Stadt Hecklingen, was dort auf Protest der Eltern stieß.

Aber all das reichte nicht aus, um die Vorgaben des Kultusministeriums zu erfüllen, das 75 Schüler, in Ausnahmefällen sogar nur 50 Schüler in den Eingangsklassen vorschreibt. Selbst eine Klage des Landkreises gegen den Bescheid des Landesverwaltungsamtes, mit dem die Bildung von fünften Klassen in Egeln untersagt wurde, führte am Ende nicht zum Erfolg.