Ein penetranter Gestank von Schweinegülle macht den Hecklingern und den Staßfurtern schon seit Jahren zu schaffen. Dieser Tage war es wieder einmal soweit. Da konnte man es draußen kaum aushalten. Da sie von der Stadt oder von anderen Behören bislang keine Abhilfe erwarten konnten, haben sich Hecklinger Bürger darauf verständigt, eine Bürgerinitiative zu gründen.

Hecklingen. " Es ist unglaublich, wie oft dies hier passiert ", sagte Hans-Herbert (" Spitze ") Wiegandt, der mit seiner Familie im Hecklinger Wohngebiet " Pfarrbreite " lebt.

Am Wochenende hatte das Ehepaar Besuch aus Braunschweig bekommen. Bei dem herrlichen Sommerwetter wollten Wiegandts mit ihren Gästen auf der Terasse Kaffee trinken und dann abends grillen. " Doch daraus wurde nichts, denn gegen 15 Uhr begann es dermaßen zu stinken, dass wir uns in unser Haus zurückziehen, bei 28 Grad Außentemperatur die Fenster schließen und das Ganze bis 21 Uhr aushalten mussten ", teilte der Hecklinger empört dem für die Überwachung der Schweinemastanlagen in Sachsen-Anhalt zuständigen Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes in Halle mit.

" Das ist eine Zumutung. Seit wir in Hecklingen wohnen sind wir es schon gewohnt, Schweinemief einzuatmen, aber so extrem und schlimm wie am vergangenen Sonntag war es schon lange nicht mehr. Wir überlegen deshalb schon, ob wir von Hecklingen wegziehen ", so Wiegandt.

Auch die Braunschweiger hätten ihm mitgeteilt, dass sie unter diesen Umständen vorerst nicht mehr nach Hecklingen kommen wollen.

" Ich habe nichts gegen die Landwirtschaft. Aber das muss alles seine Grenzen haben ! Jedem Industriebetrieb, wie zum Beispiel dem Staßfurter Sodawerk, werden Auf agen gemacht. Warum nicht in diesem Fall, zumal die Hecklinger Schweinemastanlage viel zu dicht an ein Wohngebiet grenzt ", fragt sich Wiegandt.

Seinen Informationen zufolge haben sich bereits Bürger des Ortes zusammengeschlossen, um gegen diese andauernde Geruchsbelästigung vorzugehen.

Auf Nachfrage der Staßfurter Volksstimme teilte Gabriele Städter vom Landesverwaltungsamt mit, dass das Geruchsproblem an der Gülleüberleitung liegt. " Dort sollen vier Filter eingebaut werden, einer davon ist bereits installiert. Der zuständige Kollege war bereits vor Ort und hat eine Nachkontrolle durchgeführt. Die weiteren Anlagen sollen zügig nachgerüstet werden. "

Henning Köcher, der Geschäftsführer der Alboco GmbH, die in Hecklingen eine Mastanlage mit rund 8000 Schweinen betreibt, kann die Beschwerden verstehen. Er verweist aber darauf, dass sein Unternehmen nicht allein dort tätig ist. " Wir selbst haben seit 14 Tagen kein Gramm Gülle auf die Felder gefahren ", so Köcher. Ihm sei aber bekannt, dass ein Landwirt derzeit in der Region Hühnertrockenkot auf die Äcker bringe. " Das stinkt zum Himmel. "

Nach Köchers Auffassung erschwere die derzeitige Wetterlage den Abzug von Gerüchen, noch dazu, wo Hecklingen eine Kessellage habe. " Hinzu kommt, dass auf allen Feldern Düngemittel für die neue Einsaat aufgebracht werden. Sie sind auch organischer Herkunft, wie zum Beispiel Schweinegülle ", sagte Köcher. In Hecklingen seien auch andere Landwirte tätig, die dort Gülle ausbringen, so zum Beispiel einer aus dem Nachbarort Neundorf.

Sein Unternehmen, so betonte der Geschäftsführer, habe in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Geruchsbelastung zu mindern. " Wir haben uns viel Mühe gegeben, um das Problem anzugehen. Dadurch stinkt die Gülle beim Ausbringen nun weniger. Außerdem haben wir in den Ställen ein Geruchsminderungssystem eingebaut. Das hat das Landesverwaltungsamt intensiv begleitet. Das bringt eine Reduzierung von 35 Prozent. Das ist sehr gut für Hecklingen ". so Köcher. Allein dafür habe die Albocco GmbH rund 100 000 Euro aufgewandt.

Darüber hinaus hatte sie vor rund zwei Jahren für zirka 1, 8 Millionen Euro eine neue Biogasanlage auf dem Gelände der Schweinemastanlage in Hecklingen in Betrieb genommen, Bedauerlich sei, dass es im Ort trotzdem unangenehm rieche, so Köcher.