Atzendorf. Mit so vielen Jungen und Mädchen hatten die Mitglieder des Carsted-Clubs Atzendorf nicht gerechnet. Mit der Museumsnacht traf der Heimatverein am Freitagabend jedenfalls den Nerv von rund 40 jungen Atzendorfern. Der Jüngste unter ihnen : Torben, vier Jahre. Und so musste nach einer Vorführung des DEFAFilms " Sechse kommen durch die ganze Welt " nochmal nachgekocht werden. Denn bevor es mit Sabine Rotter als Nachtwächter zu den gruseligsten Orten des Bördedorfes ging, sollten sich schon alle mit dem Lieblingsgericht der Kinder – Spaghetti mit Tomatensauce – gestärkt haben.

" Hört ihr Leut ‘ und lasst euch sagen, unsere Uhr hat neun geschlagen. Folget mir nun durch die Gassen, die einsam liegen und verlassen ", hieß es schließlich, als alle kleinen Museumsbesucher satt gegessen waren und sich voller Spannung vor der ehemaligen Hopfendarre mit Fackeln und Lampions versammelten.

Die Kirche war das erste Ziel, hier befand sich dereinst ein Friedhof. Weiter zog die Gesellschaft, die das Gruseln lernen wollte, zum Bauernhof Schnock, einst ein so genannter Freihof, dessen Besitzer automatisch der Dorfschulze war, erklärte Sabine Rotter und vermittelte so ganz nebenbei etwas Heimatgeschichte. So richtig spannend wurde es schließlich auf dem Weg zum Rüsterbaum. Dort hatte sich der Sage nach gar Scheußliches zugetragen ( siehe Kasten rechts ). Sechs Männer mit ausgestreckten Armen bedurfte es übrigens, um den mächtigen Stamm zu umfassen. Die sagenhafte Rüster gibt es zwar nicht mehr, aber durch eine Neupflanzung 1992 konnte die Legende wachgehalten werden.

" Sonst lockt man

die Kinder doch nur schwer ins Museum "

Als die aufgeregte Meute nach etwa einer Stunde von ihren Eltern in Empfang genommen wurde, konnte Sabine Rotter auf einen tollen Abend zurückblicken, den elf Mitglieder des Carsted-Clubs dem Atzendorfer Nachwuchs beschert hatten.

" Sonst lockt man die Kinder doch nur schwer ins Museum ", stellte Sabine Rotter fest. Und tatsächlich bestätigten Paula und Sarah, dass sie eigentlich hauptsächlich wegen der Nachtwanderung gekommen waren. Es sei übrigens das erste Mal, dass sie die Einrichtung besuchten, gaben die zwölfjährigen Mädchen zu. Selbst ein kleiner Gast aus Staßfurt wollte sich das einmalige Erlebnis nicht entgehen lassen. Begeistert von der Museumsnacht war zudem Hans-Dieter Müller. Der Senior hat seine Kindheit in Atzendorf verbracht und wollte sich das Museum, das über drei Etagen reicht, mal aus der Nähe betrachten.

Es wird sicher nicht die letzte Atzendorfer Museumsnacht gewesen sein.

Der Rüsterbaum

f Ein Sauhirt und ein Schafhirt gerieten in einen Streit, da jeder die besten Weidegründe für seine Herde beanspruchte. Keiner der beiden Hirte wollte weichen, so gab es einen heftigen Streit, der damit beendet wurde, dass der Sauhirt den Schafhirt mit seinem Stab erschlug. Die Leiche wurde von ihm heimlich verscharrt. Die Tat blieb aber nicht lange verborgen. Als ihm der Mord nachgewiesen wurde, bestritt der Sauhirt diese, rammte seinen Hirtenstab in die Erde und rief aus : " So wahr mein Stab nicht grünen wird, so bin ich auch nicht der Möder !" Aber alsbald trieb der Stab grüne Blätter. Der Sauhirt wurde zum Tode verurteilt und am Galgenberg erhängt. Der Stab aber wuchs und gedieh.

Quelle : Carsted-Club