Ilberstedt. Das Interesse an Geschichte und Geschichten, die sich dereinst direkt vor der eigenen Haustür ereigneten, lebt. Diesen Eindruck vermittelten zumindest die Teilnehmer eines Treffens für Heimatvereine, zu dem der Ilberstedter Heimatverein am Sonnabend eingeladen hatte.

Dessen Vorsitzender Roland Halang sah zwei Jahre nach Gründung des Salzlandkreises den Zeitpunkt gekommen, dass sich die Menschen, die sich mit Traditionspflege beschäftigen, mal zusammensetzen. Er hatte die Adressen von rund 60 entsprechenden Vereinen recherchiert. Gut 20 Vertreter aus allen vier ehemaligen Landkreisen Aschersleben, Bernburg, Schönebeck und Staßfurt folgten der Einladung. Stellvertretend seien hierfür nur die Heimatvereine Freckleben, Wedlitz, Calbe und Löderburg genannt.

Günter Stock vom Förderverein Ziegelei und Gipshütten Westeregeln war zwar nur der Fahrer für seine Frau und Vereinsvorsitzende. Doch auch er fand zum Beispiel besonders interessant, dem Vortag von Prof. Günther Schönfelder vom Landesheimatbund zu lauschen, der über das Denkmal des Jahres 2009, nämlich Richt- und Gerichtsstätten in Sachsen-Anhalt referierte. Es gibt wohl kaum eine größere Siedlung, die nicht irgendwo einen Galgenberg, Steinkreuze oder sogenannte Bauernsteine vor der Haustür hat. Prof. Schönfelder erläuterte unter anderem, welches Verfahren zu einer Bestandsaufnahme solcher Richtstätten gehört, die überwiegend zu den Kleinstdenkmalen gezählt werden. Manchmal allerdings würden solche vermeintlichen Stätten aber auch aus dem Reich der Sagen stammen.

Günter Stock betrachtete auch den sich anschließenden Erfahrungsaustausch mit dem Referenten und anderen Gästen als sehr aufschlussreich : " Interessant, was die anderen Heimatvereine so machen. Beeindruckend zum Beispiel, wie sich die Freckleber ihrer Burg verschrieben haben. Solche Treffen sollten fortgesetzt werden. Wir bieten uns als Gastgeber für das nächste Jahr in der Alten Ziegelei Westeregeln an. "

" Eine tolle Idee von Herrn Halang, alle zusammen zu bringen ", beschrieb Andrea Schade das Treffen in Ilberstedt. Die Vorsitzende des Heimatvereins Wedlitz sah sich mit dem Engagement ihrer Leute bislang ziemlich alleingelassen. " Bei solchen Runden gibt es schon neue Impulse dafür, wie ich unsere Arbeit intensivieren kann. Solche Tätigkeiten will ja eigentlich kaum jemand machen. Bei uns ist der Heimatverein aus dem Dorfclub hervorgegangen. Wir haben schon Höhen und Tiefen durchgemacht. Da sind Ideen sehr hilfreich, wenn man seinen Verein noch besser präsentieren möchte ", so Andrea Schade. Sie erachte den Fortbestand des Heimatvereins jedenfalls als ganz wichtig für die Identität von Wedlitz, gerade in Zeiten der Gebietsreformen, die Wedlitz nun in den Rang eines Ortsteils von Nienburg versetzen wird. " Wir freuen uns jedenfalls auf ein nächstes Treffen der Heimatvereine und Heimatstuben. Vielleicht kann man sich ja unter Gleichgesinnten auch öfters sehen. Müssen ja nicht immer alle dabei sein. "