Viele Jahre kämpfte der Sportverein Rathmannsdorf um einen neuen Fußballrasen. Auf der alten " Mondlandschaft " weigerten sich zuletzt sogar Mannschaften zu Freundschaftsspielen aufzulaufen. Da war der Tausch des Kirchengrundstücks nötig. Oft stand die Finanzierung der Sanierung und dann doch wieder nicht. Am nächsten Sonnabend, 11. Juli, im 90. Jahr des Vereins ist es nun endlich so weit. Der neue Platz kann eingeweiht werden.

Rathmannsdorf. Wenn man dieser Tage einen Mann ganz allein auf dem sattgrünen Rasen des Rathmannsdorfer Sportplatzes sitzen sehen sollte, bitte nicht wundern. Es ist der Vorsitzende des hiesigen Sportvereins Peter Frey, der die vielen nervenaufreibenden Jahre im Kampf um die Sanierung des heiligen Rasens Revue passieren lässt. " Nochmal jedenfalls nicht !", ist sich der gebürtige Sachse sicher. Frey ließ in den zurückliegenden fast 20 Jahren, die er den Verein führt, wohl die meisten Nerven, fast seine Gesundheit. Der Papierkrieg zwischen Anträgen und Zuweisungen war manchmal kaum auszuhalten. Zum Glück stand und steht ihm ein tatkräftiges Vorstandsteam zur Seite, kann sich der Verein auf Mitglieder, Fans und großzügige Firmen verlassen. Auch Ortschaftsrat, Stadtrat und Verwaltung standen hinter den Sportfreunden. Nicht zu vergessen Freys sehr verständnisvolle Frau Birgitt.

Dennoch, seinem sich selbst verpassten Prädikat " verrückt " kann man getrost noch einen " Baulöwen " anhängen.

Gebaut wurde in der nunmehr 90-jährigen Vereinsgeschichte – wie sicher an jedem Sportlerheim – eigentlich immer. Ganz verstärkt aber seit den 90 er Jahren. Das Ur-Haus als Fachwerkbau und der in den 70 er Jahren angebaute Vereinsraum wurden in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt wieder erweitert, Spieler- und Umkleidekabinen kamen dazu. Das Kassenhäuschen. Dachsanierung, Abwasserbau, Auswechselkabinen ...

Peter Frey weiß nicht, wie viele Stunden es waren, die die engagierten Sportfreunde auf dem Sportplatz am Köxbusch mit Werkeln verbrachten. Zu den Eigenleistungen kamen 7500 Euro hinzu, die Fans und Firmen aufbrachten. Da wurden Glühweinabende veranstaltet. Selbst der damalige Bürgermeisterkandidat René Zok veranstaltete einen Grillnachmittag zu Gunsten des Vorhabens. Die Stadt bewilligte schließlich 15 000 Euro aus dem Haushalt.

Am nächsten Sonnabend wird die Krönung der jahrzehntelangen Bemühungen nun gefeiert. Da der Verein keine zweite Mannschaft mehr anmelden konnte, werden am 11. Juli, 12. 30 Uhr Verbandsligist Haldenslebener SC und Landesligist Eintracht Bitterfeld als erste Teams den Platz bespielen. Gegen 15. 30 Uhr empfängt der Gastgeber dann eine Traditionself von Borussia Fulda aus Hessen.

Dass der SV Rathmannsdorf nun ausgerechnet im 90. Jahr seines Bestehens aus der Landesklasse absteigen musste, ist für die Sportfreunde übrigens kein Beinbruch und nicht zuletzt wohl auch der Tatsache geschuldet, dass sie ein Jahr ohne Heimspiel auskommen mussten. " Es ist schon eine großartige Leistung in einem 650-Seelen-Ort, so viele Jahre höherklassig gespielt zu haben. Und wir alle freuen uns auf spannende Nachbarderbys in der Salzlandliga ", macht Peter Frey Appetit auf die neue Punktspielserie, die am zweiten August-Wochenende beginnt. Sympathieträger ist der kleine Verein allemal – über die Dorfgrenzen hinaus. Die Zuschauerzahlen, im vorletzten Landesklasse-Jahr immer bei 140 pro Heimspiel, werden das am 11. Juli sicher untermauern.