Die Diskussionen um die Brücke über den Stadtsee halten an. Kosten und Sinn eines solchen Bauwerks werden öffentlich vielfach hinterfragt angesichts anderer anstehender Probleme in der Stadt. Die geplante Brücke ist allerdings Teil eines Gesamtkonzeptes zur Internationalen Bauausstellung ( IBA ) 2010 mit dem Thema " Aufheben der Mitte " in Staßfurt. Erinnerungsorte an das verlorene Stadtzentrum sollen geschaffen werden. Die Finanzierung steht und ist zweckgebunden. Doch auch das bei der IBA federführende Magdeburger Bauministerium steht für eine offene Diskussion ein, so lange nicht die Qualität des Gesamtprojektes in Frage gestellt wird.

Staßfurt. Der ehemalige Staßfurter Stadtrat Udo Lippert sorgte mit einem Beitrag in der Volksstimme über Sinn und Unsinn einer Brücke über den Staßfurter Stadtsee für den Auftakt einer kontroversen öffentlichen Diskussion und eine Flut von Leserbriefen. Obwohl der damalige Stadtrat mehrheitlich das IBA-Projekt als Gesamtpaket beschlossen hatte – also auch die Überführung im neuen Stadtzentrum – weichen auch hier die einst geschlossenen Reihen auf. Als Frage über allem schwebt, ob der Einsatz von rund 186 000 Euro angesichts anderer Probleme in der Stadt noch zu vertreten sei ?

Im Magdeburger Ministerium für Bau und Landesentwicklung verfolgt man die Staßfurter Debatte genau und verweist auf die Ausgangssituation. " Der landschaftsplanerische Entwurf für die Innenstadt des Büros Häfner & Jimenez aus Berlin sah zu Beginn der Planung eine Brücke in Verlängerung der Kottenstraße in dem Sinne vor, diese symbolisch in ihrem ursprünglichen Verlauf nachzuvollziehen ", erklärt Ministeriumssprecher Harald Kreibich.

Allerdings sollte die Seefläche größer als heute zu sehen ausfallen, auch die Brücke hätte andere Dimensionen. Aus Kostengründen wählte man deshalb in Staßfurt von vornherein kleinere Maßstäbe. Alles politisch getragen von den Stadtverordneten, denn an der Beschlusslage zu See und Brücke insgesamt änderte sich nichts. Harald Kreibich : " Trotz der kleiner ausfallenden Wasserfläche wurde an dieser Brücke und dem seinerzeitigen Stadtratsbeschluss bislang festgehalten. "

Entscheidung nicht am " grünen Tisch "

Dass jetzt, vielleicht auch unter dem Eindruck tatsächlicher Gegebenheiten am Wendelitz neu diskutiert wird, führt zu verschiedenen Hinweisen aus der sachsen-anhaltischen Landesbehörde. " Diese Diskussion muss ernst genommen und kann trotz des bestehenden Stadtratsbeschlusses aus hiesiger Sicht auch nicht als abgeschlossen betrachtet werden ", so der Ministeriumssprecher. Die bisherige Entscheidung für den Bau einer Brücke sei kein Dogma, die Diskussion über Für und Wider durchaus sinnvoll. Schließlich gehe es bei der IBA darum, die Städte gewissermaßen von innen heraus umzugestalten, also mit möglichst intensiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Über die künftige Gestaltung soll nicht an einem " grünen Tisch " in Magdeburg oder anderswo entschieden werden, sondern vor Ort.

Klingt danach, alles umreißen zu können. Nicht ganz ! Denn die IBA genügt zuerst internationalen Ansprüchen – der Name sagt es. Staßfurt stellt sich dem Vergleich von 19 Städten und 19 unterschiedlichen Konzepten in Sachsen-Anhalt. " Stadtinseln " in Dessau-Roßlau oder " Leben an und mit der Elbe " in Magdeburg gehören dazu. Mit dem Geld, das in den Staßfurter Stadtumbau fließt – insgesamt rund fünf Millionen Euro für alle Arbeiten rund um den Wendelitz – und den beginnenden Arbeiten im Innenstadtbereich 2005 stellen sich die Verantwortungsträger vor Ort dem Wettbewerb und seinen Auflagen. Zielvereinbarungen und turnusmäßige Überprüfungen durch das Ministerium und Experten gehören dazu. " Fest steht, dass sämtliche IBA-Projekte in Staßfurt wie in anderen Städten eine jährliche Evaluierung durchlaufen haben. In deren Rahmen haben die Vorhaben See einschließlich Brücke Zustimmung gefunden. "

Immer IBA-Thema im Blick haben

Nicht zuletzt müsse das Thema " Aufheben der Mitte " – Wiederbelebung des Stadtkerns – immer im Fokus der Entscheidungsträger stehen. " Aus der Sicht des Ministeriums und des IBA-Büros ist es wichtig, dass das Ziel, für die " verlorene " Mitte ein Äquivalent beziehungsweise ein neues Erscheinungsbild zu schaffen, nicht aus den Augen verloren wird. " Inwieweit hierfür die in Rede stehende Brücke unabdingbar sei, bleibt der jetzt geführten Diskussion und einer zeitnahen Entscheidung vorbehalten.

Wichtiger Diskussionspunkt bleibt auch das Geld. Die Finanzierung erfolgt aus Stadtumbaumitteln ( Bund und Land ), Mitteln der Europäischen Union sowie aus der Cofinanzierung der Stadt Staßfurt. " Sollte die Brücke nicht gebaut werden, führt das nicht zwangsläufig zum Entzug der Fördermittel ", macht Kreibich klar. Der Stadt Staßfurt würde Gelegenheit gegeben, andere stadtumbaurelevante Projekte zu benennen, deren Finanzierung mit vorgenannten Mitteln erfolgen soll. Anspruch und Inhalte müssten dann aber stimmen. Harald Kreibich : " Wenn man sich in Staßfurt für ein anderes Projekt entscheiden sollte, muss dieses aber relevant für den Stadtumbau und das gewählte IBA-Thema sein. Ich könnte mir deshalb zum Beispiel nur schwer vorstellen, dass mit den Mitteln etwa Sitzbänke am Stadtrand finanziert werden. "