Das Arbeitsamt soll ins Staßfurter Krankenhaus einziehen. Das behaupten zumindest Initiatoren einer Unterschriftenaktion, die damit zum Erhalt des Klinikstandortes beitragen wollen. Wer dahinter steckt, hätte die Leitung der Kliniken Aschersleben-Staßfurt und auch Lokalpolitiker gern gewusst. Sie warnen vor solchen " Schnellschüssen ", die sicher gut gemeint sind, aber bei der Erarbeitung eines medizinischen Leistungskonzepts für alle fünf Krankenhausstandorte im Salzlandkreis eher nur verunsichern.

Staßfurt. Besorgte Bürger sprechen bei Ratssitzungen in dieser Woche von der Unterschriftenaktion. Was ist Wahres dran, wollen sie wissen. Oberbürgermeister René Zok kann dazu nichts sagen. Er hätte auch gern gewusst, woher diese Aussage mit der Schließung und dem Arbeitsamt kommt.

Vom Engagement, Unterschriften für den Erhalt des Krankenhauses in Staßfurt zu sammeln, hält Stadtrat Ralf-Peter Schmidt ( Die Linke ) viel. " Eine solche Aktion würde jederzeit meine Unterstützung fnden. " Doch die Initiative, die jetzt in Staßfurt läuft, treibt ihm Sorgenfalten auf die Stirn. Die unbekannten Initiatoren der Rettungsaktion malen eine düstere Zukunft für den Klinikstandort Staßfurt.

" Von einer geplanten Schließung des Krankenhauses kann nicht die Rede sein ", stellt Schmidt klar. Er muss es wissen, er ist nah dran. Schmidt ist Vorsitzender des Gesundheits- und Sozialausschusses im Salzlandkreistag und auch Mitarbeiter der Klinik.

Die Krankenhauslandschaft im Salzland ist allerdings in Bewegung. Landrat Ulrich Gerstner hat den Aufsichtsrat der Klinik-Holding beauftragt, bis September ein Konzept für alle fünf Krankenhausstandorte in Aschersleben, Bernburg, Salzelmen, Schönebeck und Staßfurt zu erstellen.

1600 Arbeitsplätze

bisher nicht gefährdet

" Wir arbeiten an einem Konzept innerhalb des Salzlandkreises – wer macht was an speziellen medizinischen Leistungen ", unterstreicht Melita Planert, kaufmännische Geschäftsführerin der Kreisklinik Aschersleben-Staßfurt, gestern auf Nachfrage der Volksstimme. Bislang sei keiner der insgesamt 1600 Vollzeit-Arbeitsplätze an den fünf Standorten gefährdet gewesen. Das, was da gegenwärtig mit der Unterschriftensammlung laufe, sei " Angstmache ", die völlig überfüssig sei und nicht helfe.

Auch Ralf-Peter Schmidt und Oberbürgermeister René Zok mahnten aus diesem Grunde am Donnerstag vor dem neuen Staßfurter Stadtrat zu Besonnenheit. " Wenn wir jetzt durch Gerüchte bewirken, dass Patienten der Klinik fernbleiben und neue Ärzte sich nicht mehr für die Arbeit im Staßfurter Krankenhaus bewerben, haben wir dem Klinikstandort eher Schaden zugefügt, als seine Sicherung untermauert ", so Schmidt.

OB Zok begibt sich demnach auch auf die intensive Suche nach den Initiatoren. " Uns muss es gelingen, die einzelnen Interessen zu bündeln und in die richtige Richtung zu lenken, um gemeinsam das Beste für unser Krankenhaus zu erreichen. "

Weil entsprechende Gespräche noch laufen, kamen auch die vom früheren Staßfurter Rat geforderten Informationen vor dem Stadtparlament bisher nicht zustande. Die Krankenhausverantwortlichen sollen aber zur Septembersitzung des Rates erneut eingeladen werden, so der OB, um Rede und Antwort zu stehen.

Die Agentur für Arbeit in Sangerhausen weiß übrigens nichts von dem angeblich geplanten Umzug ihrer Staßfurter Behörde in das Klinikgebäude. " Das entspricht absolut nicht den Tatsachen ", hieß es gestern aus der Pressestelle der Arbeitsverwaltung. In Staßfurt gebe es bei der Agentur in der Bernburger Straße ausreichend Platz, um alle Aufgaben zu erfüllen. Das zuständige Gebäudemanagement für die Agentur in Halle bestätigt die Informationen aus Sangerhausen.

Auch in der Arbeitsgemeinschaft ( ARGE ) stehe mehr als genügend Raum zur Verfügung, in den die Agentur bei Bedarf ausweichen könnte. Den gebe es aber nicht.