Die Strompreise kannten in den vergangenen Jahren nur eine Richtung, und zwar die nach oben. Über 20 Cent zahlen die Verbraucher pro Kilowattstunde inzwischen in den Basistarifen der Stromversorger. Ob die Strompreise in den nächsten Jahren steigen oder gar sinken könnten, ist ungewiss. Allerdings nimmt der Wettbewerb zwischen den einzelnen Energieversorgern zu.

Schönebeck. Ein Drittel des Strombedarfs der Stadt Schönebeck wird von den Stadtwerken selbst erzeugt. Dazu haben die Stadtwerke Schönebeck ein Blockheizkraftwerk errichtet. Erdgas wird in großen Motoren verbrannt und treibt Generatoren an. Die Abwärme geht nicht verloren, sondern wird als Fernwärme verkauft, erklärt Geschäftsführer Friedrich Husemann. Durch die Nutzung des fossilen Erdgases für die Stromversorgung und die Beheizung von Wohnungen erreicht das Blockheizkraftwerk eine Energieausnutzung von über 90 Prozent der zugeführten Energie. Außerdem, sagt Friedrich Husemann, ist die Energieversorgung vor Ort effizienter, weil auf dem Weg zum Endkunden kaum Energie verloren geht.

Trotzdem müssen die Stadtwerke die Masse der verkauften Elektroenergie auf dem freien Markt zukaufen. Dort kannten die Preise in den vergangenen Jahren nur eine Richtung, und zwar die nach oben. Friedrich Husemann sieht in der nahen Zukunft eine Beruhigung des Marktes. Kurzfristig, schildert er, deckten sich seine Stadtwerke mit Energie ein. Der Abschluss langfristiger Verträge sei nicht sein Ziel, fügt er an. Viele seiner Kollegen hätten auf langfristige Lieferverträge gesetzt. In Zeiten, in denen die Beschaffungspreise am Markt fallen, wirken sich langfristige Kontrakte negativ aus, schildert er. Bei steigenden Preisen mildern sie allerdings Preiserhöhungen ab. Nur bei sinkenden Beschaffungskosten macht der kurzfristige Einkauf Sinn.

Preise auf dem freien Markt kannten nur die Richtung nach oben

In den vergangenen Jahren hat sich trotz des Wettbewerbs bislang wenig preislich getan. Nur ein Bruchteil der Kundschaft wechselt den Anbieter, auch wenn der günstiger ist als der bisherige Versorger. So liegt die Wechselquote bei den Stadtwerken bei rund drei Prozent. Allerdings rechnen die Schönebecker Stadtwerker mit einem zunehmenden Wettbewerb. " Der Energiesektor sortiert sich neu ", ist Friedrich Husemann überzeugt. Vor allem da landesweit viele Konzessionsverträge in den nächsten Jahren auslaufen, sehen kommunale und private Unternehmen ihre Chance zur Vergrößerung ihres Einzugsgebietes gekommen. Gerade in den Städten, wo die Bevölkerung dicht beisammen wohnt, ist das Geschäft mit der Energie lukrativ. Hier gibt es kurze Wege und ein überschaubares und meist gut ausgebautes Leitungsnetz.

In Schönebeck wird es einen heißen Herbst geben, was den Energiemarkt betrifft. Der überregionale Gasversorger EMS wird demnächst Strom anbieten. Gestartet wird in Schönebeck. Eine Ausweitung in ihr derzeitiges Gasliefergebiet ist vorgesehen, so Geschäftsführer Jens Brenner. Zum gleichen Zeitpunkt steigen die Stadtwerke Schönebeck in den Gasverkauf in der Elbestadt ein. Vorteilhaft ist die neue Konkurrenzsituation vor allem für den Endverbraucher. Die Bürger dürfen sich auf sinkende Kosten freuen.

Zurzeit sind die Preise beim Strombezug im Basistarif fast ausgeglichen unter den Anbietern. Der Flächenversorger E. ON Avacon ist mit fast 24 Cent pro Kilowattstunde der teuerste Anbieter im Preisvergleich. Die Stadtwerke Magdeburg verlangen 22, 78 Cent pro Kilowattstunde und die Stadtwerke Schönebeck stellen im Basistarif beim Strombezug bis 3500 Kilowattstunden im Jahr 22, 97 Cent pro Kilowattstunde in Rechnung. Die Staßfurter Stadtwerke liegen mit einem Grundpreis von 24, 18 Cent pro Kilowattstunde im oberen Preissegment.

Mit der neuen Wettbewerbssituation in Schönebeck werden sich die Bezugspreise für die Haushalte verändern. Der Stadtwerke-Chef sieht im nächsten Jahr einen allgemeinen Trend nach unten für die Stromtarife. " Die Großhandelspreise fallen. Ich rechne mit sinkenden Endverbraucherpreisen. Allerdings können sie danach wieder ansteigen ", gibt er eine Prognose ab.

Mehr Wettbewerb gibt es nur, wenn Kunden ihren Anbieter wechseln

Nur einen Teil des Preises können die Anbieter aber auch selbst beeinflussen. Rund 40 Prozent der Kosten streicht der Staat in Form von Abgaben ein. Ein weiterer Anteil geht für die Erneuerbaren Energien drauf, sagt Husemann. Damit wird der Strom von allen Verbrauchern aus Windrädern, Solarzellen und privaten Blockheizkraftwerken von den Stromkunden bezahlt.

Mehr Wettbewerb unter den Energieversorgern wird es aber nur geben, sagen die Verbraucherschützer, wenn immer mehr Menschen ihren Stromanbieter wechseln und auf günstige Preise achten.