Staßfurt. Wenn es so etwas wie Staßfurter Urgesteine gibt, dann ist Udo Lippert sicherlich einer von ihnen. Nicht nur für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte setzt sich der 73-J ährige ein, seit 42 Jahren ist er auch Mitglied in den Stadtverordnetenversammlungen und Räten Staßfurts. " Kommunalpolitik hat mir immer Spaß gemacht. Man kann etwas für seine Stadt und die Menschen hier bewegen ", so der Staßfurter. 1967 wurde er Stadtverordneter und Mitglied des Ausschusses für Jugendfragen, Kultur und Sport. In dieser Zeit fällt auch der Beginn der sogenannten Spartakiadebewegung in der Stadt und im Kreis Staßfurt. " Mit meinen Freunden Kurt Mödig, Kurt Becker und dem Bürgermeister Gerhard Strecke gründete ich das Stadtspartakiadenkomitee, wo alle Schuldirektoren und Sportlehrer mitarbeiteten. " Höhepunkte nach den Schulsportfesten war die Stadtspartakiade, bei der auch Abgeordnete bei der Siegerehrung stets anwesend waren. Es dauerte nicht lange und es wurden für den ganzen Kreis die Kreisspartakiaden im Stadion der Einheit durchgeführt. " Ab 1974 war ich dessen staatlicher Leiter bis 1989. " Auf der kommunalen Seite gab es auch die Nationale Front mit ihrem Motto " Schöner unsere Städte und Gemeinden ". Lippert war über 20 Jahre Vorsitzender des Wohnbezirksausschusses 13. Leistungen der damaligen politischen Arbeit sieht man bis heute : " Mein Ausschuss hatte die Aufgabe, das Geländer von der Bodebrücke bis zum Schönen Blick wieder in Ordnung zu bringen. Dank Schlossermeister Kalthof wurde die Aufgabe mit Abgeordneten von Stadt und Kreis erfüllt. Das Geländer steht heute noch gegenüber dem Landhaus. "

Auch an die Wendejahre erinnert sich Lippert lebendig. 1989 die letzte DDR-Wahl, die Runden Tische, das Sportstättenkonzept, das in dieser Zeit erarbeitet wurde. Großer unmittelbarer Erfolg war die Neugestaltung des Stadions der Einheit, auch dem Engagement Lutz Schnitzkers zu verdanken.

Jetzt hört Udo Lippert auf. Gesundheitlich ist er nicht mehr ganz auf der Höhe, wie er sagt. Als Senior will er sich mehr mit den Dingen beschäftigen, die zu seinen Hobbys zählen. Aber ganz ohne Politik geht es doch nicht. Lipperts Interesse ist ungebrochen. " Wenn es die Gesundheit zulässt, würde ich auch im nächsten Ausschuss für Kultur und Sport ehrenamtlich mitarbeiten ", sagt er.

Dieses Brennen für die Sache beschreibt auch Oberbürgermeister René Zok bei der Verabschiedung der Mitglieder aus dem Stadt- und den Ortschaftsräten. " Demokratie lebt vom Ehrenamt ", so der Stadtchef. " Jede Gesellschaft braucht Menschen, die sich für sich selbst und andere verantwortlich fühlen und sich dieser Verantwortung auch stellen. " Hierfür hätten die Räte viel Freizeit investiert. Die Zahlen sprechen für sich. OB Zok nannte Schlaglichter : In der letzten Wahlperiode tagte der Stadtrat in 44 Sitzungen. Hinzu kommen 184 Ausschussversammlungen. Aus 859 in der Verwaltung vorbereiteten Vorlagen gingen 810 Beschlüsse hervor. Die Stadtratssitzungen dauerten insgesamt 156 Stunden, also drei Stunden und 40 Minuten im Durchschnitt. Über 5100 Seiten Papier umfassten die Unterlagen, die jeder Abgeordnete durcharbeitete. Das sind über 40 Kilo Papier.

Wo Politik gemacht wird, spielt auch Geld eine Rolle. Eine leidige Erfahrung, die die Räte vor allem in Zeiten der Haushaltskonsolidierung machen mussten. In der Zeit zwischen 2004 und 2009 befanden sie im Stadtrat über insgesamt 267 Millionen Euro. Grund genug für eine öffentliche Anerkennung, meint Zok : " Ich danke allen für die feißige und anspruchsvolle Arbeit. "