Mit einem fröhlichen Lächeln rollt Antonina mit ihrem neuen Mountain-Bike auf das Gelände des Klinikums Schönebeck. Die erste Etappe ist an diesem Tag geschafft. Der Weg von Dessau führte durch eine urwüchsige Landschaft, allerdings mit regenweichen Wegen und das bei Gegenwind. Für Fahrradfahrer eine Herausforderung. Die Pause kommt gerade richtig für die knapp 20 Teilnehmer der Radtour " pro Organspende ".

Schönebeck. Ein kleines Empfangskomitee wartete gestern Mittag vor dem Eingang des Klinikums Schönebeck auf eine außergewöhnliche Gruppe. Knapp 20 Frauen und Männer sind in diesen Tagen mit ihren Fahrrädern unterwegs, um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen. Ein Tabuthema, zumindest in Deutschland. Das Besondere an der Gruppe : alle Teilnehmer sind Betroffene, leben mit einem Spenderorgan.

So wie die 32-jährige Antonina aus dem fränkischen Fürth. Aufgrund einer seit der Geburt bestehenden Nierenerkrankung musste sie als 20-Jährige regelmäßig zur Dialyse : dreimal die Woche, je fünf Stunden. Ihr Vater spendete ihr eine Niere, doch der Körper nahm sie nicht auf Dauer an. Wieder Dialyse. Nebenbei Medizinstudium. " Nun warte ich schon fast acht Jahre auf eine erneute gesundheitliche Wendung durch eine Transplantation mit der Hoffnung auf eine verbesserte Lebensqualität ", sagt sie.

Abends, nach den Tagestouren, muss sie sich der Dialyse unterziehen. Was gibt ihr Kraft und Lebensmut ? " Vor allen Dingen die sportliche Betätigung ", versichert die zierliche Frau. In den nächsten Monaten will sie die Facharztausbildung beenden und dann als Allgemeinmedizinerin arbeiten. Für die vom Verein " TransDia " organisierte Radtour von Dresden über Magdeburg bis Erfurt hat sich Antonina, die schon an der Tour 2008 teilnahm, ein neues Fahrrad geleistet. " Damit macht es doppelt so viel Spaß ", sagt sie.

Am Klinikum Schönebeck wird die Gruppe vom Transplantationsbeauftragten des Hauses, Jörg Beinroth, willkommen geheißen. " Was Sie hier machen, ist eine ganz wichtige Sache ", beteuert der Arzt. Leider sei Deutschland in punkto Organspende europäisches Schlusslicht. " Man kann sie ablehnen. Natürlich. Aber dann darf man sie auch nicht einfordern, wenn man selbst betroffen ist ", findet der Mediziner.

Lediglich zwölf Prozent der Deutschen besitzen einen Organspendeausweis. Dabei ist der recht einfach zu bekommen, etwa in Kliniken, Dialysezentren oder auch im Internet. Ausfüllen, ins Portmonee stecken. Fertig. Dann hat, im Falle des eigenen Ablebens etwa infolge eines Unfalls, wenigstens ein anderer Mensch die Chance auf ein neues Leben.

Eine Einstellungssache, finden Thomas Falke und Jürgen Raidt, die die Radtour motorisiert begleiten. Sie verpflegen die Teilnehmer mit Getränken, helfen bei Pannen. Beide Männer wissen, wie es ist, auf ein Spenderorgan, auf ein neues Leben zu hoffen. " Wir standen auf der Warteliste mit weiteren 12 000 anderen Menschen. Wir haben beide jeweils eine Spenderniere erhalten. Eine Erfahrung, die uns verändert hat. Wir denken, glaube ich, sozialer ", schätzt Thomas Falke ein. Der für die Abstimmung zwischen der Deutschen Stiftung Organtransplantation und den Kliniken zuständige Mitarbeiter der Stiftung, Florian Brode, verweist auf die " deutlich höhere Bereitschaft " zur Organspende in den ostdeutschen Ländern. Sachsen-Anhalt nimmt hier sogar den dritten Platz ein. " Die Bereitschaft steigt seit dem Jahr 2000 an, aber es müsste einfach noch mehr sein ", sagt Brode.

Am Sonnabend wollen die Radler an ihrem Zielort Erfurt ankommen und bis dahin möglichst viele Menschen auf das Thema Organspende aufmerksam machen.