Das Gelände der Barbyer Maisan-Investruine ist ins Visier der Landratsamt geraten. Mehrere hundert Liter Altöl mit unbekannter Herkunft befinden sich in einem 1988 gebauten Gulli-System der Raffinerie. Volksstimme-Recherchen ergaben, dass gegen den Besitzer aus Dortmund bereits vor einem Jahr ein Strafverfahren eingeleitet wurde.

Barby. " Gucken Sie sich das mal an. Da wurden mehrere hundert Liter Altöl in den Gullis entsorgt ", informierte Sven Münche die Volksstimme. Der Hallenser hatte auf seiner Radtour einen Abstecher nach Barby gemacht, weil ihn " morbide Industrieruinen reizen ". Und davon hat das ehemalige Maisanwerk einige zu bieten.

" Wir haben die allgemeine Sicherungspflicht "

In diesem Fall handelt es sich um die Raffinerie, einen " Ersatzneubau ", der nie in Betrieb ging, nachdem die Maisanwerke im Sommer 1990 Konkurs anmeldeten. Der Firmenkomplex stand damals kurz vor der Inbetriebnahme, war vollgestopft mit entsprechender Technik und Ausrüstung.

Der Hallenser Radfahrer entdeckte dort gestern neun offen stehende Gullis, in die Altöl eingeleitet wurde. Sie zählen vermutlich zu einem Ölabscheide-Kanalsystem der Raffinerie.

Dem Umweltamt in Aschersleben wurde der Fall bereits im Sommer vergangenen Jahres vom Ordnungsamt der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Saale angezeigt. Daraufhin setzte man sich mit dem Eigentümer in Verbindung.

Weil der Mann aus Dortmund jedoch bislang nicht reagiert haben soll, wird der Schwarze Peter nun wieder der Verwaltungsgemeinschaft auf den Schreibtisch geschoben. " Wir haben die allgemeine Sicherungspflicht, müssen jetzt verhindern, dass eine Gefahr von dem Gelände ausgeht ", gestand Ordnungsamtsleiter Dieter Kohle. Sein Amt hatte vor einem Jahr die Gullis bereits notdürftig abgedeckt, was nun erneut geschehen soll. " Der ganze Gebäudekomplex ärgert uns immer wieder ", sagte Kohle. Auch in einem benachbarten Garagenkomplex sieht es aus, wie auf einer Müllhalde.

" Das würde den halben Stadthaushalt kosten "

Da das Ordnungsamt für die Sicherung des Geländes zuständig ist, denkt man über die Einzäunung nach. Die aber nicht gerade billig ist. " Wenn ich da vorschriftsmäßige Zustände herstellen will, kostet das den halben Stadthaushalt ", grollte Kohle. Trotzdem will sich am Amt mehrere Kostenvoranschläge einholen.

Aber wäre es nicht das Einfachste, das Öl abzupumpen zu lassen, um so die Ursache zu beseitigen ? Denn Beton hält derartige Flüssigkeiten nur begrenzte Zeit zurück, die irgendwann durch die Wandungen treten und ins das Erdreich einsickern. Das Abpumpen ziehe man in Erwägung, es würde im Rahmen der Ersatzvornahme geschehen, war von der Umweltbehörde zu erfahren.

Nach Einschätzung von Schönebecks NABU-Ortsgruppenchef Michael Wunschik sei die lange Bearbeitungszeit unverantwortlich. " Auch wenn es kein Trinkwasserschutzgebiet ist – die Elbe ist in unmittelbarer Nähe ", sagte er. Auch könnten die Grundwasserströme das Öl unberechenbar verteilen.

Anfang der 90 er Jahre erwarb die Firma Marine-Service-Murche die Raffnerie. Sie handelte mit gebrauchten Schiffsmotoren, die dort aufgearbeitet wurden.

Murche ist laut Liegenschaftsamt Besitzer der Immobilie. Er war für einen Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. Ob Murche für die Öleinleitung verantwortlich ist, muss ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu dem Verfahren gestern nicht äußern.

Nachdem sich die Firma zurückgezogen hatte, entwickelten sich die Betriebshallen zum Dorado für Metallsammler. Alles was nicht niet und nagelfest war, wurde demontiert und " versilbert. " Die ehemalige Maisan-Raffnerie steht auf vier unterschiedlichen Flurstücken, was den Verkauf der Immobilie nicht leichter macht.