Das Hoffest des Rathmannsdorfer Landwirtschaftsbetriebes an der Wasserfurth am Sonnabend war etwas für Besucher, die mal hinter die Kulissen eines Hähnchenmastbetriebes schauen wollten. Es wurde aber zum Wiedersehensfest ehemaliger LPG- und VEG-Kollegen aus der ganzen Umgebung. Die Veranstalter schätzten die Besucherzahl auf 500. Unter ihnen sogar zwei Gäste aus dem US-Bundesstaat Maine.

Rathmannsdorf. " Super !" Mit diesem Prädikat für die Hoffest-Premiere in dem kleinen Liethe-Ort waren Mike und Deborah aus dem Bundesstaat Maine wohl nicht allein. Den beiden aus dem äußersten Nordosten der USA stammenden Gästen, die bei Familie Glootz in Rathmannsdorf zu Besuch waren, gefel die tolle Atmosphäre rund um die große grüne Lagerhalle am Kramp. So heißt das Flurstück, das am vergangenen Sonnabend einer Festwiese glich. 5.30 Uhr wurden an diesem Tag die ersten Zugmaschinen angelassen, um sich später in Reih und Glied den Gästen zu präsentieren. Da standen dann Lanz-Bulldogs von den Oldtimerfreunden aus Atzendorf neben Belarus und ZT 300 von der Fachhochschule Anhalt in Bernburg-Strenzfeld. Natürlich zeigten die Landwirte auch, welche modernste Technik die harte Arbeit auf dem Feld heute erträglicher gestaltet, wie computergesteuerte und mit Klimaanlage ausgerüstete Mähdrescher. Groß und Klein konnten sich davon überzeugen, dass die Fahrer darin fast wie auf einem Sofa am Lenkrad sitzen.

Bequem ging ‘ s mit den Besuchern schließlich auch mit einem georderten Reisebus in die Feldfur, wo Ulrich Glootz als Mitgesellschafter des Betriebes die bislang gut entwickelten Kornschläge vorstellte. 560 Hektar bewirtschaftet der Sieben-Mann / Frauen-Betrieb. Derweil erklärte Geschäftsführer Peter Heinrichs, wie in den Ställen der Rathmannsdorfer Hähnchenmastanlage aus winzigen Küken schlachtreife Broiler heranwachsen. Mit 33 Tagen ist ihr Leben zwar kurz, doch auch hier helfen heutzutage effektive Fütterungsabläufe mit ausgefeilter Computertechnik, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Der Großteil des Körnerfutters stammt übrigens aus eigener Produktion und wird je nach Größe der Tiere vor Ort gemahlen beziehungsweise geschrotet.

Wie schnell solche Dinge wie die derzeit umhergeisternde " Schweinegrippe " auf den Absatz schlagen, mussten auch die Rathmannsdorfer Hähnchenproduzenten schon erfahren. Diese Zeit ist zum Glück überstanden.

Peter Heinrichs bemerkte großen Wissendurst unter den Besuchern und wurde darin bestätigt, dass solche deutschlandweit veranstalteten Aktionen dem Berufsstand nur gut tun.

" Viele können sich nicht vorstellen, was zu moderner Geflügelmast dazugehört "

" Viele können sich einfach nicht vorstellen, was zu einer modernen Geflügelmast alles dazugehört. " So wird ein Stall mit über 22 000 Tieren beispielsweise alle fünf Minuten automatisch frisch belüftet. Je nach Alter der Hähnchen muss fast täglich die Raumtemperatur verändert werden.

Auch Familie Bödecker mit ihren drei Kindern nutzte den Tag. Sie war zwar nicht ganz so weit angereist wie die Nordamerikaner, aber Lehrte liegt auch nicht gerade um die Ecke. Die Niedersachsen aus der Staßfurter Partnerstadt waren als Verpächter eingeladen worden. " Bei uns gibt es meist kleinere Betriebe. Und so ein Fest haben wir auch noch nicht erlebt ", gab Familienvater Bödecker zu, vor allem seinen Kindern mal " Landwirtschaft zum Anfassen " zu zeigen. Und dazu hatten die Besucher in vielfältiger Hinsicht Gelegenheit, auch an einem Gatter, in dem der Rathmannsdorfer Rinderzüchter Michael Bock eine Fleischrindkuh mit Kalb präsentierte.

Peter Heinrichs war seinem Kollegen dankbar wie allen Firmen, Vereinen und der ortsansässigen Feuerwehr, die das erste Hoffest mitgestalteten. Ob es der Dartverein war, die Rathmannsdorfer Jäger, die Familie Schöne aus Staßfurt mit ihren Pferden oder auch die Lucky Boots aus Aschersleben, die den Frauen an der grünen Scheune unter großem Hallo aller Gäste Linedance beizubringen versuchten.

Zur tollen Stimmung trug eine Hüpfburg für die Jüngsten ebenso bei wie die Jagdhorngruppe. Nicht zuletzt auch die von Dieter Klose gekochte leckere Erbsensuppe, die kostenlos aus der Feldküche verteilt wurde.

Dass die Landwirtschaft Rathmannsdorf Verwaltungs-GmbH & Co. Landwirtschafts-KG, so der ellenlange ausführliche Name des Betriebes, ein kleines Heimatfest ausgerichtet hatte, wie die Gäste immer wieder bekundeten, schmeichelt die Gastgeber. Aber weder wollen sie die organisatorischen Fäden für das Rathmannsdorfer Heimatfest übernehmen, das übrigens in drei Wochen am Quell stattfindet, noch ihr Hoffest in jedem Jahr wiederholen. Wie Heinrichs aber verriet, könnten sein Team und er es sich vorstellen, so ein Hoffest in zwei oder drei Jahren wieder auf die Beine zu stellen.