Neugattersleben. Der Salzlandkreis will die Ökostation in Neugattersleben, die der Bernburger Firma BBs GmbH gehört, zum Kompetenzzentrum für nachhaltige Entwicklung der Region ausbauen. Das kündigte der Umweltamtsleiter des Landkreises, Klaus Poeschel, in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses an, die vor Ort in Neugattersleben durchgeführt wurde.

Dort soll ein neues Mehrzweckgebäude mit mehreren Schulungsräumen entstehen. Dabei werde es sich um ein Niedrigenergiehaus mit Solaranlage handeln, das behindertengerecht eingerichtet werde, sagte der Ressortchef. Ursprünglich sollte eine auf dem Gelände befindliche alte Scheune um- und ausgebaut werden. Das habe sich aber als zu teuer herausgestellt, berichtete Poeschel.

Er rechnet mit Kosten von rund 350 000 Euro. Der größte Brocken, nämlich 75 Prozent, soll durch Fördermittel aufgebracht werden, so dass auf den Landkreis lediglich rund 87 000 Euro zukommen würden. " Das Geld soll nicht den Haushalt belasten ", sagte Poeschel. Man verfüge über Rücklagen, die dafür genutzt werden könnten.

" Wir sind schon sehr weit mit der Antragstellung ", so der Amtsleiter. Ob die Mittel bewilligt werden, hänge davon ab, ob der Landkreis mit einer Verwaltungsgemeinschaft gleichzusetzen sei, die dafür im Rahmen des Förderprogramms zur Integrierten Ländlichen Entwicklung Geld bekommen könnte.

In der Investitionssumme sind die Abrisskosten für eine alte, muffige Holzbaracke enthalten, die jetzt noch für Schulungen genutzt wird. Sie verfügt nicht nur über ein Asbestdach, was nicht zu einer Ökostation passt, sondern verschlingt aufgrund der fehlenden Wärmedämmung Heizkosten von mehr als 10 000 Euro im Jahr, informierte Poeschel.

" Er hat sich in die Ökostation regelrecht verliebt ", sagte die Geschäftsführerin der BBs GmbH Katrin Biermordt.

Als er vor einem Jahr zum ersten Mal da gewesen sei, habe er festgestellt, mit wie viel Liebe, Akribie und Einsatzbereitschaft sich die Mitarbeiter hier der Umweltaufgaben widmen, sagte Poeschel. Dieses Engagement will er nutzen, um auch die Umweltbildung an diesem Standort zu forcieren. Gemeinsam mit dem Abfallwirtschaftsbetrieb des Salzlandkreises sollen die Bürger in Neugattersleben künftig auch über die Abfallvermeidung und einen umweltgerechten Umgang mit dem anfallenden Müll aufgeklärt werden.

Probleme mit der Auslastung gebe es nicht, stellte Poeschel unter Hinweis auf die jährlich rund 7000 Besucher der Ökostation fest.

" Das ist eine segensreiche Arbeit, die hier passiert ", schätzte Jürgen Badzinski ( SPD-Fraktion ) ein. Deshalb sprach sich Schadelebens Bürgermeister Ernst Sentner ( CDU ) dafür aus, das Vorhaben in Angriff zu nehmen.

Der Landtagsabgeordnete Johann Hauser ( FDP ) sagte der Volksstimme, er habe nachhaltig das Gefühl, dass letztendlich der Salzlandkreis für entsprechende Finanzierungslücken herhalten müsse, " was anhand unserer Haushaltslage zwangsläufig zu einer lebhaften Diskussion führen würde ".

Die Ökostation Neugattersleben erstreckt sich auf einem rund 1, 4 Hektar großen Gelände. Der Standort hat eine lange landwirtschaftliche Tradition, die in den 1950-er Jahren mit der Pflanzenzucht begann. Heute wird dort ökologischer Gartenbau betrieben, dreht sich alles um die gesunde Ernährung, kreatives Gestalten mit Naturmaterialien und den Umgang mit natürlichen und alternativen Ressourcen.