In der Nacht zum Dienstag starb ein 56-jähriger Autofahrer aus Dessau-Roßlau am Bahnübergang der Landesstraße 63 bei Sachsendorf. Der Mann hatte die geschlossene Halbschranke umfahren und soll mit seinem Pkw auf den Schienen gestanden haben.

Sachsendorf. Der Unfall hatte sich gestern Vormittag im Raum Groß Rosenburg und Sachsendorf in aller Windeseile herumgesprochen. Das Gerücht ging um, der Mann habe den Freitod gewählt.

Nach Aussage des Lokführers stand der Dessauer am frühen Dienstagmorgen mit seinem Pkw Dacia auf den Gleisen, als der Zug kam. Diese Beobachtung wurde von einem Sprecher der Polizei in Magdeburg bestätigt.

Warum der Autofahrer aus Dessau-Roßlau mit seinem Auto gegen 2. 30 Uhr auf den Schienen stand, ist bis jetzt unklar. Die Hintergründe werden untersucht.

Nach Einschätzung der Groß Rosenburger Feuerwehr kann es sich aber auch um einen Unfall gehandelt haben. Fakt ist, dass der 56-Jährige die geschlossene Halbschranke umfuhr. " Bei Dunkelheit hatte es der Lokführer genauso schwer, die Lage einzuschätzen wie der Pkw-Fahrer ", gab ein Feuerwehrmann zu bedenken.

Trotz Notbremsung erfasste der aus Richtung Halle kommende Güterzug das Auto und schleifte es etwa 500 Meter bis ihn Höhe der Betonsteinwerke mit.

Der rechte Puffer der Elektrolok hatte nach Zeugenaussagen das Auto regelrecht aufgespießt. Die Wiederbelebungsversuche des eingeklemmten Fahrers durch Notarzt und Rettungssanitäter blieben erfolglos.

Insgesamt 27 Kameraden der freiwilligen Feuerwehren von Groß Rosenburg und Sachsendorf waren im Einsatz. Ihre Aufgabe war es, den Unfallort auszuleuchten und den Pkw " mit Trennjägern von der Lok zu schneiden ", wie es ein Feuerwehrmann formulierte.

Die Bahnstrecke zwischen Calbe und Sachsendorf konnte bis in die Morgenstunden hinein nur einseitig befahren werden.

Doppelte Sicherung

Nur wenige Kilometer weiter nördlich wird ein Bahnübergang der selben Strecke seit August vergangenen Jahres zusätzlich manuell gesichert.

In Gnadau spannen Mitarbeiter der Deutschen Bahn rund um die Uhr rot-weiße Sicherheitsbänder über die Straße, auch wenn die Schranke geschlossen ist.

" Wir wollen verhindern, dass bei längeren Schließzeiten sich Verkehrsteilnehmer aufgefordert fühlen, sie zu umfahren ", erklärte ein Bahnsprecher. Gnadau sei nicht der einzige Bahnübergang der Strecke Magdeburg – Halle, wo zusätzlich abgesperrt wird. Man handele nach einer Auflage des Eisenbahnbundesamtes.

Die maximale Schließzeit von zuggesteuerten Schranken beträgt 240 Sekunden. Das heißt, der Zug löst mehrere hundert Meter zuvor einen Kontakt aus, der die Schranke betätigt.

An diesen Abständen soll nun auch im Fall Gnadau gearbeitet werden. In Sachsendorf sei dies nicht erforderlich, weil dort die Zeiten eingehalten werden.

Anfang des Jahres ignorierte ein 21-jähriger Mann die Halbschranke in dem Tornitzer Ortsteil Grube-Alfred, der ebenfalls an der Bahnstrecke Magdeburg – Halle liegt. Der Pkw-Fahrer wurde vom Zug erfasst und schwer verletzt.