In Barby, im Elbe-Saale-Winkel, gibt es seit dem vergangenen Wochenende ein Barbiepuppen-Museum, das sich weniger dem Kitsch, sondern vor allem der Barbie-Kunst widmet. Eine solche Einrichtung ist weltweit einzigartig.

Barby. Rike Franke ( 13 ) und ihre Freundinnen Tina und Jasmin haben vor ein paar Jahren auch mit Barbiepuppen gespielt. Jetzt wollen sie sich einmal ansehen, was die künstlerische Barbiewelt in ihrer Heimatstadt Barby so zu bieten hat. Deshalb schauen sie zur Eröffnung des " Museum of Barbie Art ", Barbie-Kunst-Museum im Spielehaus am Wochenende vorbei. Ihr Schulkamerad Tom Dzicki ist ebenfalls mitgekommen, obwohl er sich überhaupt nicht für den " Puppenkram " interessiert.

" Weg von Kitsch und Glamour " will Dr. Ulrich Bansche, der Magdeburger Mediziner, der die Einrichtung des Museums inspiriert und die Ausstellung mit seinen eigenen Barbieobjekten bestückt hat. Aids und Brustkrebs sind Themen, die er gestaltet hat. Genauso : " Barbie gegen Krieg in Kinder- und Klassenzimmer ". Diese Collage, eine blau gewandete Barbiepuppe, umgeben von einer Unzahl von Waffen, hat sogar einen Preis bei einem Kreativwettbewerb gewonnen. " Mir geht es darum, Barbie als Medium für ernsthafte Auseinandersetzungen in den Blick zu nehmen ", sagt Bansche.

Mit dieser Einstellung hat er auch die Hausherren im Barbyer Kunsthof überzeugt : Katharina Zenker und ihren Vater Günter Zenker, die jetzigen Museumsbetreiber. " Ich muss zugeben, am Anfang war ich skeptisch ", sagt Katharina Zenker. Auch wenn sie selbst als kleines Mädchen im Sommer mit einer Freundin aus Leipzig mit deren Barbiepuppen spielte und für die Miniaturpuppe auf einer alten Singertretnähmaschine Kleider nähte.

Der Traum des weiblichen Nachwuchses der westlichen Welt war in der DDR zunächst offiziell nicht wohlgelitten, bis in den 70er Jahren doch ein Ostprodukt auf den Markt kam : Steff. In der oberen Etage des neuen Museums sind beide in einer Vitrine zu sehen : umgeben von Utensilien der Freizeitwelt des jeweiligen Gesellschaftssystems ( Wrigleys-Kaugummis und Schlageridol Katja Ebstein auf der einen, Miniwartburg und Sängerin Chris Doerk auf der anderen Seite ).

" Ich entdeckte die Barbies durch meine Töchter ", berichtet Ulrich Bansche. Im Schwedenurlaub sei er mit seiner Familie in einem Puppenmuseum gewesen und habe dort begriffen, welche Möglichkeiten die Modepuppe als Trägerin seriöser Botschaften biete.

Für die Gestaltung seiner etwas anderen Barbiewelt feilt Bansche sogar an den Gesichtern der Minidamen. Eine Puppe hat er einer Magdeburger Schauspielerin nachgebildet. Sein großer Traum : " Ich möchte hier in Barby nach und nach ein Filmmuseum einrichten. " James Bond, Hitchcock im Barbieformat gestaltet soll die Vitrinen füllen.

Neben den eigenwilligen Kreationen des Magdeburgers geben Barbies in Handwerkerkostümen der Region Auskunft über die Stadtgründung von Barby : Weil sie nicht mehr mit der Rückkehr ihres Gemahls rechnete, wirft die Fürstin ihren Ring in den Fluss. Mittags wird er im Bauch einer Barbe entdeckt und der Gemahl kehrt wieder. Der ehemalige Leiter des Kreismuseums Günter Zenker gestaltete selbst einige der Barbie-Kulissen und erzählt dazu die alten Geschichten. Zum Beispiel vom Nickert, dem " Nixenmann ", der die kleinen und großen Kinder in den Fluss zieht, wenn sie sich zu nah an den Uferrand wagen. Zenker will das Thema Barbie noch ausbauen. " Mir schwebt vor, dass Kinder hier selbst kreativ tätig sein können. " Warum Kinder von den Puppen so fasziniert sind ? " Weil sie hier in die Welt der Erwachsenen eintauchen können und all das nachspielen könne, was sonst den Eltern vorbehalten ist ", sagt Katharina Zenker.