Leerstand in den Gartenanlagen und die hohe Alterstruktur der Mitglieder sind die Hauptprobleme, mit denen die Kleingartenvereine zu kämpfen haben. Gemeinsam mit dem Regionalverband der Kleingärtner in Staßfurt will die Verwaltung hier eine Richtung vorgeben, um den Entwicklungen entgegen zu wirken. Eine Arbeit, die perspektivisch für die nächsten 25 Jahre ausgelegt sein soll.

Staßfurt. Wieviel Kleingarten braucht die Stadt ? – Über diese Frage machen sich der Staßfurter Regionalverband der Kleingärtner und die Stadtverwaltung derzeit Gedanken. Die Kleingartenvereine beklagen hohen Leerstand – eine Folgeerscheinung der Stadt- und Bevölkerungsstrukturentwicklung. Die Rechnung ist leicht aufgestellt : Wo die Menschen weniger werden, nimmt auch das Interesse am Garten ab.

Aus diesem Grund wird jetzt ein Kleingartenentwicklungskonzept auf den Weg gebracht, das die Situation beobachtet und zunächst bis 2025 das weitere Vorgehen regulieren soll. Einen ersten Zwischenbericht aus dem Rathaus gab es jetzt beim Bauausschuss. Seit 2005 gibt es Erhebungen des Regionalverbandes, an die knüpft die Stadt jetzt an und vervollständigt die Daten. Ganz deutlich zeigt sich der Negativtrend. Jeder 13. Einwohner von Staßfurt und seinen bisherigen Ortsteilen, Förderstedt wird nach der Eingemeindung erst im zweiten Halbjahr herangezogen, besitzt einen Garten. Insgesamt gibt es 36 Anlagen mit 2260 Parzellen, 433 Gärten davon sind ungenutzt.

" An dieser Leerstandssituation wird sich auch nichts mehr ändern ", sagt Anke Michaelis, Leiterin des Fachdienstes für Planung, Wirtschaftsförderung und Liegenschaften. Die hohe Altersstruktur in den Vereinen, die für die Analyse unbedingt herangezogen werden müsse, um Prognosen abgeben zu können, gebe Hinweise, dass sich das Leerstandsproblem eher noch vergrößere. Hier, so Michaelis, müssten die Vereine ganz individuell betrachtet werden, damit auf sie abgestimmte Handlungsmaßnahmen erarbeitet werden könnten.

Elf stark gefährdete Gartenanlagen

Nach ersten Erhebungen zeige sich, dass es elf Schwerpunktanlagen gebe. Regionalverband und Verwaltung haben drei Bewertungspunkte gesetzt, an denen sich das Kleingartenentwicklungskonzept

orientiert. Der Leerstand, die Altersstruktur bei den Vereinsmitgliedern und die Beschaffenheit der Anlagen, ihrer Gebäude, Medienversorgung oder ihrer Parkplatzsituation. Betroffen sind hauptsächlich die Randbereiche in den Ortschaften. Hier liegen die Leerstandsquoten sehr hoch. Als Beispiele wurden im Bauausschuss Rathmannsdorf und Hohenerxleben genannt, aber auch Neundorf. In " Krähenstedt " hatten vor allem Mieter des Wohngebiets Am Tierpark ihre Gärten. Durch den starken Wegzug aus der Staßfurter Plattenbausiedlung liegen aber auch die Gärten brach.

Die Kosten aber bleiben. Und das Rathaus will als Flächenbesitzer dem für die Verwaltung als Generalpächter agierenden Regionalverband nicht darauf sitzen lassen. 2008 gewährte der Stadtrat dem Verband den Erlass der Pacht für die Leerstandsgärten. Das, so alle Beteiligten, soll kein Dauerzustand werden. Langfristiges Ziel kann es deshalb nur sein, am zukünftigen Bedarf orientiert Anlagen zurückzubauen und zu konzentrieren. " Dieser Prozess wird nicht von heute auf morgen umsetzbar sein ", sagt Michaelis. Denn ein Umzugsregime könne man gerade älteren Gartenbesitzern nicht zumuten. Aber es müssten Maßgaben gesetzt sein, in welchen Bereichen neue Gärten verpachtet werden und an welchem Stellen man Land aufgibt. So könne Leerstand konzentriert und die ungenutzte Fläche an Nachnutzer weitergegeben werden. Das kommt zuerst auf die Ortsteile zu, denn hier sind die Leerstandsquoten am höchsten. Aber auch in der Kernstadt ist die zukünftige Devise : Konzentration und flächenmäßige Reduzierung. Das könnte durchaus auch dazu führen, dass Bewohnern vom Lande Gärten in der Stadt angeboten werden.

Richtlinie für die Zukunft

" Es wird nicht so sein, dass Kleingärtner in Größenordnungen umziehen werden ", sagt Staßfurts Oberbürgermeister René Zok, wissend, dass das Thema sehr emotional diskutiert werden kann. " Wir haben jetzt den Zustand erfasst und leiten daraus Handlungsschritte ab – immer mit dem Regionalverband und den Vereinen gemeinsam ", so der Stadtchef. Zok ist überzeugt, dass jetzt Ziele als Bedingung gesetzt werden müssten, an die sich Gartenvereine zu halten haben, wenn sie um Pachtfreistellung bitten würden. " Das Problem kann nur in gegenseitiger Wechselbeziehung gelöst werden und erfordert von allen Seiten Zugeständnisse. "

Im Mai wird der erste Zwischenbericht zum Kleingartenentwicklungsplan auch Thema im Stadtrat sein.