Seit dem 1. Januar arbeitet im Salzlandkreis die Netzwerkstelle für Schulerfolg. Sie setzt ein Programm des Landes Sachsen-Anhalt um, mit dem Schulabbruch und Schulversagen entgegengesteuert werden soll. Träger der Netzwerkstelle sind der Schönebecker Verein Rückenwind und die Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Bernburg. In Staßfurt gab es jetzt die offizielle Auftaktveranstaltung.

Staßfurt. Dass Jugendliche in ihrer Schullaufbahn Einbrüche erleben, ist keine Seltenheit mehr. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Junge Frauen und Männer sind überfordert, resignieren, sind unmotiviert. Das spiegelt sich in den Leistungen oder im extremsten Fall im Schulabbruch wider. " Produktives Lernen – der andere Weg zum Ziel " ist der Titel eines Programms an der Sekundarschule Maxim Gorki in Schönebeck.

Schülerinnen und Schüler, die die siebte Klasse erfolgreich durchlaufen haben, bei denen aber zu erwarten ist, dass sie aufgrund ihres Leistungsstandes keinen Schulabschluss erreichen, aber weiter lernen wollen, durchlaufen Praxis und Theorie. Drei Tage in der Woche verbringen sie an einem selbstgewählten Arbeitsplatz, zwei Tage sind sie in der Schule. Der Lehrplan ist individuell auf die Jugendlichen ausgerichtet, ganz nach Interesse wird praktisch gearbeitet. So ist es möglich, dass die Mädchen und Jungen ihren Hauptschulabschluss erlangen, vielleicht auch die zehnte Klasse schaffen und sich gleichzeitig für einen Beruf interessieren.

" Produktives Lernen " ist eine von vielen Maßnahmen gegen Schulabbruch und Schulversagen. Im Salzlandkreis fängt man nicht bei Null an, geht es um diese Problematik. Schulen, Bildungsträger, sozial ausgerichtete Vereine oder die bedarfsorientierte Schulsozialarbeit des Kreises wirken hier vielfältig kreativ dagegen. An vielen Stellen aber noch nebeneinander.

Multiprofessionelle Hilfestellungen

Damit sich das ändert, arbeitet seit Jahresbeginn die Netzwerkstelle " Schulerfolg ". Der Begriff Netzwerk benennt es, die Initiatoren setzten auf die Kooperation. " Das Ziel ist, die geballte fachliche Kompetenz in allen Bereichen für die betroffenen Jugendlichen individuell zu nutzen ", sagt Katrin Schütze-Dittrich von der Stiftung Evangelische Jugendhilfe in Bernburg, neben dem Verein Rückenwind in Schönebeck einer der Träger der Netzwerkstelle.

Jungen Männern und Frauen soll die Teilhabe am Leben und an der Arbeitswelt durch positive Bildungserfahrungen ermöglicht werden. Die Netzwerkstelle müsse hier als Moderator wirken, die individuelle Hilfestellungen für jeden Einzelnen anbietet und damit auf die multiprofessionellen Ressourcen der vielen beschriebenen Angebote im Kreis zurückgreift, so Schütze-Dittrich.

Zunächst wird dazu der tatsächliche Bedarf und die Situation an allen Schulen ermittelt, dabei werden die vergangenen drei Jahre beleuchtet. Im Ergebnis entstehen Bedarfslandkarten schulbezogener Netzwerke. In den Regionen sollen die Bildungseinrichtungen direkte Ansprechpartner finden.

Auch insgesamt will die Netzwerkstelle einen Einrichtungswegweiser für die Region zwischen Aschersleben und Schönebeck, Bernburg und Egeln erstellen, multimediale Erweiterungen im Internet ergänzen das Angebot. In weiteren Schritten sollen VerbindungenzuweiterenNetzwerken hergestellt werden. Und nicht zuletzt wird die Schulsoziarbeit fachlich unterstützt. 19 Sozialarbeiter sind dann kreisweit an den Schulen eingesetzt.

Die Netzwerkarbeit soll zweigeteilt ausgerichtet werden – funktional und anlassbezogen. Schulerfolg soll das Thema für alle Bildungseinrichtungen aber auch für Unternehmen im Salzlandkreis werden.

Die Auftaktveranstaltung im Staßfurter Sparkassenschiff, die alle Gestalter, Mitwirkende, Unterstützer, Ideenlieferanten und Partner erstmals zusammenführte, um sich auszutauschen und in einzelnen Regionengruppen ganz konkret erste Beziehungen herzustellen, war nach Einschätzung der Initiatoren ein erster großer Schritt in der funktionalen Netzwerkarbeit. Schulerfolg soll aber auch auf die Situation eines Einzelnen konkret reagieren und ihm passende Hilfestellungen anbieten, also anlassbezogen agieren.

Die Netzwerkstelle Schulerfolg ist eine von 13 im Land Sachsen-Anhalt. Die Mittel kommen aus dem europäischen Förderprogramm " Projekte zur Vermeidung von Schulversagen und zur Senkung des vorzeitigen Schulabbruchs " und aus dem Land.