Während die Finanzkrise die aktuellen Schlagzeilen und wirtschaftspolitischen Pläne beherrscht, wollen Unternehmer und ein Bildungsträger in Staßfurt ein Umschulungsprojekt gegen den prophezeiten Fachkräftemangel von morgen anschieben. Standort soll die Werkstatt der AFW, Akademie für Führungskräftefortbildung in der Wirtschaft, im Gewerbegebiet am Berlepsch sein.

Staßfurt. " Im Jahr 2009 haben wir nur noch halb so viele Schulabgänger wie 2006 ", sagt André Hausmann, Geschäftsführer der Akademie für Führungskräftefortbildung in der Wirtschaft ( AFW ). Der Bildungsträger, im Salzlandkreis bisher mit seinem Regionalbüro in Eickendorf und einem Standort in Calbe präsent und Tochter der renommierten Grone-Stiftungen, plant mit mittelständischen Staßfurter Unternehmen eine Umschulungsinitiative in der Salzstadt.

Ausgebildet werden soll für Berufe im Metallbereich. " Denn ", so prophezeit Hausmann, " durch die Erstausbildung werden wir auf Dauer nicht mehr genügend Fachkräfte rekrutieren können. " Als Partner sind laut Hausmann mehr als ein halbes Dutzend mittelständische Unternehmen aus der Metallbranche bereits mit im Boot.

" Gespräche mit der Arge ( Arbeitsgemeinschaft SGB II ) und der Agentur für Arbeit laufen ebenfalls ", so der AFWMann. Unterstützt wird der Bildungsträger auch vom Staßfurter Oberbürgermeister René Zok.

Der will zwar das Fachkräftedefizit nicht als Teufel an die Wand malen, unterstreicht aber die Notwendigkeit, mehr Brücken zwischen Schule und Betrieb zu bauen. Zok beruft sich dabei auf Äußerungen des Staatssekretärs für Bildung im Magdeburger Kultusministerium. Erleichtert ist das Staßfurter Stadtoberhaupt aber auch, dass die Bildungswerkstatt am Berlepsch überhaupt eine Zukunft hat. Schließlich gehörte sie zuvor zum mittlerweile insolventen Initiativkreis Staßfurt. Die Akademie AFW hatte die Einrichtung allerdings noch vor der Pleite samt der dort angesiedelten Verbundausbildung für Staßfurter Betriebe übernommen, inklusive Ausbilder und Auszubildende.

Noch ist Platz in den riesigen Werkhallen : Eddy Müller, Thomas Denecke, Chris Kresse und Tobias Laute haben ihre Plätze an Drehmaschine, Schmiede und CNCTechnik in den vergangenen Tagen geräumt. Sie haben ihre Prüfung als Gesellen erfolgreich bestanden – trotz der zeitweisen erheblichen Verunsicherung durch die sich anbahnende Insolvenz des Initiativkreises Staßfurt. Sauer über den Umgang des Initiativkreises mit seinen ehemaligen Mitarbeitern und Geschäftspartnern ist auch Vermieter Torsten Panzer. Bei ihm habe der marode Verein noch 6000 Euro Mietzahlungen offen stehen.

Trotz der jüngsten Probleme des vormaligen Trägers blickt Ausbilder und Trainer André Sonnenberg zuversichtlich nach vorn : " Wir haben als Werkstatt eine sehr gute Zusammenarbeit mit Staßfurter Unternehmen, darauf bauen wir auch bei unserem neuesten Projekt auf. "