Die Juniflut steckt den Weißewartern noch immer in den Knochen. Ortsbürgermeister Detlef Radke fordert ein Hochwassermanagement, das kurzfristig umgesetzt wird.

Weißewarte l 45 bis 50 Grundstücke, so schätzt der Weißewarter Ortsbürgermeister Detlef Radtke, standen im Juni in seinem Dorf im Elbewasser. Die privaten Schäden beziffert er auf mindestens 1,5 Millionen Euro. Auf mehrere 100 000 Euro hätten sich laut Gutachten die Schäden im Wildpark summiert. Außerdem seien die Straße nach Demker, der Radweg und der Parkplatz in Mitleidenschaft gezogen worden. "Der 9. Juni 2013 hat uns vor eine echte Bewährungsprobe gestellt. Dass es so hart kommt, damit haben wir nicht gerechnet", blickt Radke zurück.

Die materiellen Schäden seien das eine, die bleibenden Ängste das andere. "Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht: zusehen müssen, wie das Wasser 50 bis 60 Zentimeter hoch über den Hof in das Haus fließt und nichts tun können", erinnert sich der Ortsbürgermeister, der sowohl privat als auch betrieblich betroffen war.

Feld- und Waldwege können Deiche werden

Von einem Jahrhundert- oder gar Jahrtausendhochwasser spricht Radke bewusst nicht. "So etwas kann jederzeit wieder kommen", befürchtet er und fordert, dass schnell gehandelt wird. In den nächsten zwei bis drei Jahren sei ein Hochwassermanagement zu erstellen und umzusetzen. "Das muss eine nationale Aufgabe sein." Schließlich sei es Pflicht des Staates, Leben, Hab und Gut seiner Bürger zu schützen.

Der Hochwasserschutz dürfe aber nicht hinter den Elbdeichen enden, denn die Tangerregion sei bei Pegelständen über acht Meter ebenso in Gefahr. Die Ereignisse aus dem Juni hätten gezeigt, dass dann viele Millionen Kubikmeter Wasser sich den Weg in die Tangerniederung suchen und Orte wie Weißewarte, Klein Schwarzlosen, Tangerhütte, Grobleben und Schönwalde gefährden.

Positiv hob der Ortsbürgermeister hervor, dass die Planungen für die Sanierung des Bucher Deiches inklusive Ringschluss um die westliche Seite von Weißewarte bereits begonnen haben. Nach derzeitigem Stand der Dinge soll der Bau 2015 abgeschlossen sein. "Ist dann der Wildpark geschützt, ist alles, was dahinter liegt, auch geschützt, so die Schlussfolgerung Radkes aus dem Verlauf der jüngsten Flut. Seiner Meinung nach könnte beim Bau von Hochwasserschutzanlagen im Übrigen ein Vernetzungseffekt erzielt werden, indem man den Verlauf von Feld- und Waldwegen nutzt und diese erhöht weiter befahren werden können.

Bis das, was die Flut im vergangenen Jahr angerichtet hat, behoben ist, können wir nach Schätzungen von Radke das Jahr 2017, wenn nicht gar 2018 schreiben. Er geht davon aus, dass bis dahin für die Schadensbeseitigung Summen geflossen sind, welche die Ausgaben für einen effektiven Hochwasserschutz weit übersteigen werden.

Als Landwirt, der in einer hochwassergefährdeten Region wirtschaftet, fordert er außerdem die Anerkennung der Landwirtschaftsflächen als Polderflächen.