Stendal. Das Landgericht Stendal hat gestern einen 37-Jährigen wegen Drogenbesitzes und Beihilfe zum Drogenhandel zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Richter setzten die Freiheitsstrafe für drei Jahre zur Bewährung aus.

Zudem gab sie dem gebürtigen Stendaler auf, eine Drogentherapie zu machen. Das Urteil kam nach vorheriger Absprache zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft bei einem sogenannten Rechtsgespräch zustande. Die Strafkammer 1 unter Vorsitz von Richterin Stefanie Hüttermann hatte dazu signalisiert, dass sich die zu erwartende Freiheitsstrafe im Rahmen von bis zu 22 Monaten bewegen könnte. Und dass diese vom Gericht zur Bewährung ausgesetzt wird. Bedingung der Staatsanwaltschaft für diesen "Deal" war, dass sich der Angeklagte umfassend geständig zeigt und im Rahmen einer Kronzeugenregelung Mit- und Haupttäter benennt. Ihr käme es auf den Haupttäter an, so Oberstaatsanwältin Ramona Schlüter. Den 37-jährigen Angeklagten halte sie eher für eine "Rand- figur".

Unter dessen Vorstrafen ist auch eine Haftstrafe wegen Drogenhandels. Auf die Spur des Angeklagten kam die Polizei bei einer kreisweiten Razzia am 12. August vorigen Jahres. Dabei wurden die Wohnungen von 18 Tatverdächtigen durchsucht. Vier davon kamen in U-Haft. Darunter auch der Angeklagte. Drei weitere Beschuldigte warten noch auf ihren Prozess, darunter auch ein als Haupttäter geltender Mann mit dem Spitznamen "der Russe".

Zum gestrigen Prozess. Die Polizei hatte bei dem Angeklagten während der Razzia in seinem angemieteten Haus in Hohengöhren (Ortsteil von Schönhausen) 66 Cannabispflanzen, 69 Stecklinge und vier sogenannte Mutterpflanzen zur Marihuanaherstellung entdeckt. Fast ein Kilo Cannabis (Hanf) mit sehr hohem Wirkstoffgehalt fand die Polizei bei dieser Razzia. Seinen Eigenbedarf kostengünstig zu decken, nannte der Angeklagte gestern als Grund des Anbaus.

Er sei selber Drogenkonsument und rauchte bis zu seiner Inhaftierung etwa fünf Gramm am Tag. "Er wird das nie wieder tun", ließ er seinen Verteidiger sagen und zeigte sich bereit, zu den Mittätern auszusagen. Dem als Haupttäter geltenden "Russen" und einem weiteren Beschuldigten hat der Angeklagte demnach geholfen, eine sogenannte Indooranlage einzurichten, um Cannabis anzubauen. Außerdem gab er zu, deren in seinem Nachbarhaus in Hohengöhren angepflanzten Cannabispflanzen gegossen zu haben.