"Das Herz eines Boxers" wurde 1996 im Berliner Grips-Theater uraufgeführt und war auch schon im Theater der Altmark zu sehen. Jetzt hat sich Oberspielleiter David Lenard diesem Erfolgsstück aus der Feder von Lutz Hübner angenommen und es erneut auf die Stendaler Bühne gebracht. Am Sonnabend erntete die Premiere stürmischen Schlussapplaus.

Stendal l Der 16-jährige Jojo ist vom Jugendrichter zu Sozialstunden verurteilt worden. So kommt er ins Altersheim zu Leo, einem alten Boxer. Leo scheint seine Umwelt nicht mehr wahrzunehmen, teilnahmslos sitzt er im Rollstuhl. Jojo plappert drauf los, markiert den coolen Typen, klopft Sprüche: "Sehe ich aus wie jemand, der ein Herz für Senioren hat?"

Duo lotet Stärken und Schwächen aus

Schon bald wird für das Publikum deutlich, dass Leo seine Hilflosigkeit nur vorspielt. Hinter der gebrechlichen Fassade steckt ein ungebrochener, wacher Geist.

Leo outet sich jedoch erst, als ihm eines über den jungen Mann klar geworden ist: Der hat "ja richtig Charakter!" Es stimmt, Jojo ist eigentlich ein ganz netter und cleverer Typ, der sich hinter seiner flapsigen Jugendsprache und seinem "Schlimmer-Junge-Image" nur versteckt. Die Straftat hat er überhaupt nicht begangen, sondern für einen anderen auf sich genommen.

Leo und Jojo brauchen lange, um das "Gewicht" des anderen richtig einzuschätzen. Runde um Runde steigen die beiden in den Ring, umkreisen sich, loten Stärken und Schwächen aus, kämpfen gegeneinander und zum Schluss miteinander für ein gemeinsames Ziel.

Leo, die Boxgröße aus längst vergangenen Tagen (natürlich wird man an den großen Max Schmeling erinnert!), kann dem Grünschnabel viel beibringen. Wie man das Herz einer Frau für sich gewinnt, zum Beispiel. Und natürlich etwas über den Boxsport und über das Leben allgemein: "Das Herz eines Boxers ist so groß, dass er niemanden hassen kann ... und wenn er mal einsteckt, nun, davon geht die Welt nicht unter ... ganz k.o. ist man nie."

Am Ende ist es aber der so viel Jüngere, der dem erfahrenen Mann zum - vielleicht - letzten Sieg verhilft.

Hannes Liebmann ist grandios als Leo. Die Verkörperung des alten Kämpfers gelingt ihm wahrlich, seine Sprechweise ist ein wahrer Hör-Genuss. Mit Maik Rogge hingegen ist jemand gefunden, dem man die Rolle des Halbstarken, ohne zu fragen, abnimmt. Die beiden sind ein tolles Team.

70 Minuten mit Finten, Treffern und Humor

Ausstatterin Sofia Mazzoni hat die Bühne in ein karges, schäbiges Altersheimzimmer verwandelt. Äußerst deprimierend. Zum Ausgleich gibt es fetzige Musikeinlagen von Jakob Brenner.

"Das Herz eines Boxers" bietet in 70 Minuten Finten, Treffer, tolle Beinarbeit und natürlich Spannung. Wie ein guter Boxkampf. Die Zugabe hier: Humor.

Nächste Vorstellungen: Sonntag, 2. Februar, 18 Uhr, Donnerstag, 20. Februar, 10 Uhr und Sonnabend, 22. Februar, 19.30 Uhr