Ehrgeizig, fleißig, zielstrebig - diese Attribute können sich Keven von Wiegen und Artjem Goll guten Gewissens anheften lassen. Die beiden Azubis beenden ihre Berufsausbildung wegen sehr guter Leistungen vorzeitig.

Von Nora Knappe

Stendal l Das Stück Straße, das Keven von Wiegen gerade so konzentriert und liebevoll pflastert, wird nie befahren werden und der die Straße begleitende Gehweg nie begangen werden. Großpflaster, Kleinpflaster, Mosaikpflaster, Gehwegplatten und Bordsteine in einer leicht geschwungenen Linie... All dies erschafft der 23-Jährige nur für einen Tag - den seiner praktischen Prüfung als Straßenbauer. Und auch nur für die Argus-Augen der Prüfer. In Haus 5 der Stendaler Berufsschule ist Keven von Wiegen an diesem Dienstag für sechs Stunden gefordert, zu zeigen, was er in den zweieinhalb Jahren seiner dualen Berufsausbildung gelernt hat.

Gleich neben ihm in dem hallenartigen Bau ist Artjem Goll am Werk. Der 22-Jährige rührt gerade mit kräftigen Bewegungen in dem Mörtelbottich, vor ihm wächst ein akkurat gesetztes Stück Mauer mit Ecken und Winkeln in die Höhe. Auch Goll steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung.

Die beiden jungen Männer sind die einzigen Prüflinge an diesem Tag, mehr werden es auch an den folgenden nicht. "Keven und Artjem haben aufgrund sehr guter Leistungen vorzeitig ausgelernt, sie können ihren Abschluss vor den eigentlichen Prüfungen im Sommer machen", erklärt Falk Seifert, Fachbetreuer Bautechnik an der Berufsbildenden Schule I. Den Lehrer erfüllt es mit Stolz, dass die Schule in diesem Jahr wieder zwei so gute Schüler hat, die in den theoretischen Prüfungen in allen Lernfeldern mit Gut oder Sehr gut abgeschnitten haben und nun also vorzeitig die Schule verlassen können. "Das kommt sehr, sehr selten vor", sagt Seifert. Keven von Wiegens Durchschnitt aus der Theorie ist 1,2, der von Artjem Goll 2,0. Normalerweise liege die Durchschnittsnote bei 2,5, sagt der Fachlehrer.

Bei aller Konzentration auf ihr Prüfungswerk wirken die beiden dennoch ganz gelassen. Die Aufgaben sind aus ihrer Sicht "ganz normal" und "machbar"; mit dem, was sie in den ersten zwei Stunden ihrer Prüfung geschafft haben, sind sie beide zufrieden.

Beobachtet und bewertet werden sie während der sechs Stunden von zwei Prüfern der Handwerkskammer, die eine bestimmte Liste von Kriterien abarbeiten. Und die zur Not, sollte sich einer der Prüflinge an einem Punkt ganz doll verrennen, auch mal einen dezenten Hinweis geben.

Das ist bei Keven und Artjem wohl nicht zu befürchten. Und wenn sie demnächst ihren Abschluss in der Tasche haben, müssen sie nicht mal auf Jobsuche gehen - sie beide sind dank der dualen Ausbildung schon in festen beruflichen Händen bei Firmen in der Region.

Die Berufsschule Stendal stellt sich bei einem Tag der offenen Tür am 22. Februar von 9 bis 12 Uhr der Öffentlichkeit vor.

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