Stendal l Hardy Peter Güssau, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, will erst die Gespräche zwischen der Lehrerin und dem Kultusministerium sowie dem Landesverwaltungsamt nach den Winterferien abwarten. "Ich will mir alle Seiten anhören und mich dann dazu äußern", blieb er zurückhalten.

Mario Blasche (Die Linke) stellte klar, dass es ganz wichtig sei, das Unrecht, das in der DDR geschah, zu benennen, zu diskutieren und zu verurteilen. Die DDR sei nämlich nicht nur politisch und ökonomisch, sondern auch moralisch gescheitert. Allerdings forderte er auch eine notwendige Differenzierung statt der Schwarz-Weiß-Bilder die Roman Grafe in seinem Zeit-Beitrag zeichnete.

"Mangelndes Geschichtsbewusstsein"
- Edith Braun (SPD, Schulausschuss)

Kreis-Schulausschussvorsitzende Edith Braun (SPD) sieht die mangelnde Objektivität nicht bei Grafe, sondern der Lehrerin. "Sie hat durch ihre Äußerungen mangelndes Geschichtsbewusstsein bewiesen", meint sie. Andererseits hält Braun die Vorhaltungen gegenüber der Schulleiterin für inakzeptabel, da diese in der Unterrichtsstunde nicht anwesend war, auch nicht Dienstvorgesetzte der Lehrerin sei.

Für die Kreistagsabgeordnete ist im 25. Jahr des Mauerfalls diese "nebulöse Selbstwahrnehmung der Diktatur DDR" nicht hinnehmbar, "weil ich persönlich erfahren musste, wie mit Andersdenkenden, die nur Reformen wollten und keine Staatsfeinde waren, umgegangen wurde". Auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Entwicklung - nach Abitur und Studium - sei sie durch elf IMs als konterrevolutionäres Element denunziert worden und habe negative Folgen spüren müssen. "Wer das und noch viel mehr durchgemacht hat, fühlt sich durch die Meinung dieser Lehrerin angegriffen", meint sie.

"Negativer Verlauf ist bedauerlich"
- Astrid Bleißner (FDP, Stadträtin)

Zur Objektivität gehöre auch, dass sie in der DDR viele gute Kinderjahre hatte und in der jetzigen Demokratie vieles besser sein könnte, etwa in der Bildungs- und Erziehungsarbeit oder in der ungerechten Ost-West Tarifsituation. Dennoch brauche niemand Angst vor Willkür zu haben, und diese Freiheit sei unschätzbar.

Astrid Bleißner, bis 2008 Leiterin der Comenius-Schule und FDP-Stadträtin, findet es bedauerlich, dass ein so gut angedachtes Vorhaben einen so negativen Verlauf genommen hat. "Natürlich ist es vielen gut gegangen, aber viele, die andere Ansprüche hatten, die kritischer waren, haben eine andere Seite der DDR gespürt und sich nicht verwirklichen können", sagte sie. Das habe nichts mit Schlechtmachen der DDR zu tun, sondern die Realität, die Grafe objektiv beschrieben habe, habe es auch gegeben. Sie hätte sich gewünscht, dass es schnell eine Gesprächsrunde mit Lehrern, Schülern und Grafe gegeben hätte. "Dann hätte es eine offene Diskussion zum Leben in der DDR geben können, bei der vielleicht auch manche persönliche Kränkung ausgeräumt worden wäre und mancher sein historisches Wissen hätte aufbessern können, sagte sie.