Berufsorientierung klappt am besten, wenn man sich direkt in Betrieben ein Bild macht. Diese Idee verfolgt das "Zukunftscamp Future Now Altmark", das gestern Förderschüler in Stendaler Unternehmen führte.

Stendal l Auch Fenster sind ein Saisongeschäft. In der Produktionshalle von Grado Fenster Türen ist an diesem Montag darum kaum was los, gerade mal zwei Mitarbeiter sind an Schneid- und Bohranlagen zugange. Trotzdem gelingt es dem kaufmännischen Leiter Nico Meinhold, dem guten Dutzend Schüler, das er durch die Halle führt, ein anschauliches Bild von den Arbeitsprozessen zu vermitteln. Er erklärt ihnen die Entstehung eines kompletten Fensters und auch die Anforderungen an alle Fachkräfte, die damit zu tun haben - von der Bürokauffrau über den Anlagenfahrer bis zum Verfahrensmechaniker. Dies sind die drei Ausbildungsberufe, die die Firma - seit 22 Jahren in Stendal ansässig und bundesweit tätig - anbietet. Jedes Jahr werden in jedem dieser drei Bereiche zwei oder drei Azubis eingestellt.

Die Jugendlichen, die gestern bei der Fensterbaufirma im Stendaler Gewerbegebiet Süd-Ost zu Besuch waren, sind Förderschüler aus Stendal und Klietz. Sie schauten sich ebenso beim Abbruchunternehmen Off Hampe um und sind heute im Weiterbildungsinstitut IWK zu Gast. Auf diese Weise sollen sie Einblicke bekommen, was für ein Praktikum oder beruflich für sie möglich sein könnte.

Diese Form der Berufsorientierung findet im Rahmen des Projekts "Zukunftscamp Future Now Altmark" statt. Projektleiterin Sabine Kollek von der Grone-Schule Salzwedel ist es wichtig, "die Firmen dafür zu sensibilisieren, dass auch Schüler mit Hauptschulabschluss für Lehrstellen in Erwägung gezogen werden". Und was die Schüler betrifft, möchte sie darauf hinwirken, dass Stereotype aufgebrochen werden, dass sich Jungen und Mädchen gleichermaßen für alle Berufsfelder interessieren.

Neben diesem Einblick in die Arbeitswelt lernen die Jugendlichen bei dem Projekt auch, wie man eine Bewerbung mit gutem Anschreiben und Lebenslauf erstellt. Gestern Nachmittag nach den Betriebsbesichtigungen konnten sie dann noch direkt mit zwei Ehemaligen der Pestalozzi-Förderschule ins Gespräch kommen, die von ihrem Werdegang berichteten.

Nico Meinhold von Grado nahm sich gern Zeit für die Jugendlichen. Denn auch den Betrieben ist daran gelegen, potenziellen Azubis frühzeitig aufzuzeigen, worauf es dem Arbeitgeber ankommt. "Dass sie Respekt haben und Interesse zeigen, sind schon mal zwei ganz wichtige Voraussetzungen", sagt er. Und Durchhaltevermögen ist gefragt. "Es ist ja für beide Seiten unbefriedigend, wenn einerseits der Auszubildende, nur weil er grad keine Lust hat und lieber zu Hause bleibt, etwas Wichtiges verpasst, und andererseits die Arbeitsabläufe dadurch durcheinander geraten."

Und dass das, was in den hier ansässigen Betrieben gefertigt wird, auch direkt in Stendal Anwendung findet - davon können sich die Jugendlichen und ihre Betreuer gleich in Stadtsee ein Bild machen. Am Tiergarten-Elfer nämlich hat Grado seine Spuren hinterlassen: Die rund 800 Fenster wurden in dem Stendaler Unternehmen gefertigt.

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