Aufgrund von Brandschutzauflagen wurde Ende 2012 der kleine Saal im Tangerhütter Kulturhaus gesperrt. Auch das übrige Haus läuft derzeit nur unter Auflagen weiter. Umfangreiche Sanierungen wären nötig, um das Gebäude so zu erhalten, wie es Generationen kennen. Das Damoklesschwert schwebe über dem Haus, sagte jetzt Bauamtsleiter Erich Gruber.

Tangerhütte lEine erste Aufstellung verschiedener Varianten für den Erhalt des Tangerhütter Kulturhauses bekamen die Mitglieder des Tangerhütter Bauausschusses jetzt vorgelegt. Dazu gehörte auch die Erfassung des Bestands. Wie Architekt Joachim Richter erläuterte, gehe es beim Kulturhaus um eine umbaute Fläche von 2500 Quadratmetern, vergleichbar mit Tangerhüttes Lebenshilfewerkstätten, in denen 120 Menschen arbeiten. Errichtet wurde der Saal bereits in den zwanziger Jahren, der Rest in den Achtzigern, als die Arbeiterfestspiele nach Tangerhütte kamen.

"Danach ist nicht mehr viel passiert, Teilflächen des Saaldaches sind bereits abgängig, aber selbst wenn das Dach abgedichtet wird, ist es noch nicht wärmegedämmt", sagte Richter. Vier Varianten gibt es in der Studie, an der Richter, aber auch Stadtplaner Henri Gnauert mitgearbeitet haben. Die Kosten reichen von einer bis 3,7 Millionen Euro. In einer Stadt, die in der Haushaltskonsolidierung ist und unter vorläufiger Haushaltsführung arbeitet, ist das ohne Hilfe nicht finanzierbar.

Haus könnte viele weitere Angebote vertragen

Allein das Vorderhaus nach heutigen Anforderungen zu sanieren, würde 800 000 Euro kosten, für den Saal rechnet Richter mit rund 1,5 Millionen, die Frage, ob ein Neubau oder die Sanierung günstiger wird, sei dabei noch zu klären.

Henri Gnauert stellte aber zunächst die Frage: "Was will Tangerhütte eigentlich mit dem Kulturhaus machen? Soll es weiter ein Gebäude sein, das den größten Teil der Woche leersteht?" Er sprach von weiteren Aktivitäten aus der Stadt, aber auch aus umliegenden Orten, etwa der Jugendarbeit, die ins Haus zu holen wären, um es mit Leben zu füllen. "Aus unserer Sicht bietet das Haus ein Volumen, das viele weitere Angebote vertragen kann!", sagte er.

Rita Platte, Ortsbürgermeisterin in Grieben, sprach von Andeutungen, dass Dorfgemeinschaftshäuser in anderen Orten schließen müssten, wenn das Kulturhaus über das Förderprogramm "Kleine Städte und Gemeinden" unterstützt werden sollte. Doch das werde keiner im Rat befürworten, machte Marcus Graubner klar. Er betonte: "Das Haus in Tangerhütte ist kein Dorfgemeinschaftshaus und wird auch keines werden!"

Gerhard Borstell, Ortsbürgermeister in Tangerhütte und langjähriger Verfechter des Kulturhauses, sprach von einer "sehr ernüchternden Studie" und von einer Prioritätenliste der geplanten Investitionen, die zeige: "Es gibt keine Spielräume!". Er fordert, die Konzeption für das Haus grundsätzlich zu überdenken und neue Ansätze zu finden. Schon jetzt sei der Verfügungsrahmen für Kulturarbeit nicht mehr ausreichend, Kulturhausleiter Sven Biermann könne über die Jahresmitte hinaus nicht planen. Borstell will andere Fördermöglichkeiten suchen. Von der Idee, Einrichtungen wie Volkssolidarität und Volkshochschule mit ins Kulturhaus zu holen, hält er wenig.